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Worte gegen Tabus und Stigmatisierung

30.11.2022 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ausstellung "Die rote Linie" im Landhaus. <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer</span>
Ausstellung "Die rote Linie" im Landhaus. Sieglinde Wöhrer

Bis 7. Dezember macht „Die rote Linie“ im Foyer des Landhauses in Bregenz auf sexualisierte Gewalt an Frauen aufmerksam.

Auf der Wand zum Stiegenaufgang im Vorarlberger Landhaus kleben Zettel mit Botschaften: „Wir brauchen höhere Strafen!“, „Frauen sind keine Spielzeuge“ oder „Die Gesellschaft muss lernen, offen über sexuellen Missbrauch zu sprechen“. Es sind Forderungen an die Politik, klare Statements, aber auch Ratschläge und Zusprüche an Betroffene, mit denen sich Besucher an die Öffentlichkeit richten.

Beiträge von Besuchern

Mit dieser Form der Interaktivität setzt die Ausstellung ein Zeichen und fordert die Menschen auf, zu den in Österreich stattfindenden Femiziden (28 Frauen wurden 2022 bereits ermordet, Stand zum 17. Oktober) und Gewaltverbrechen an Frauen Stellung zu beziehen. Besucher können ihrer Empörung Ausdruck verleihen, ihre Meinungen mitteilen und sich mit Hilfestellungen indirekt auch an Betroffene richten. Es ist ein Versuch, das Tabu zu brechen und die Gesellschaft für das Thema der sexualisierten Gewalt an Frauen und Mädchen zu sensibilisieren.

Weltweit wird der Aktionszeitraum „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, dafür genutzt, das Ausmaß und die Ausprägungen von Gewalt an Frauen und Mädchen zur Sprache zu bringen und Bewusstsein für die gravierenden Folgen dieser fundamentalen Menschenrechtsverletzung zu schaffen. Mit diesem Hintergrund wurde letzten Freitag, am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, im Landhaus Bregenz die Ausstellung „Die rote Linie“ eröffnet. Entwickelt wurde sie vom Frauenmuseum Hittisau in Zusammenarbeit mit der Ifs Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt.

Mitteilungen der Besucher. <span class="copyright">Sieglinde Wöhrer </span>
Mitteilungen der Besucher. Sieglinde Wöhrer

Verharmlosung

In roter Schrift werden Begriffe erklärt und mit Zahlen und Fakten aus Österreich fassbar gemacht: „30 Prozent aller Frauen in Österreich werden Opfer von sexueller Gewalt. Drei Viertel der Frauen sind mit sexueller Belästigung konfrontiert.“ Oft werden Betroffene „unsichtbar gemacht, nicht wahrgenommen und für unglaubwürdig erklärt“. Dieser Umstand wird aufgegriffen und anhand von Beispielen typischer Aussagen wird versucht, der Verharmlosung und Rechtfertigung von Gewalt entgegenzuwirken. Dabei werden Mythen wie „die Frau habe – womit auch immer – zur Gewalt beigetragen“ thematisiert und richtiggestellt. Mit der „roten Linie“ wird symbolisch die Grenze gezogen zwischen normalem Flirt und sexueller Belästigung.


Gleichzeitig informiert die Ausstellung im Allgemeinen über Frauenrechte, die Verantwortung der Medien bei der Berichterstattung über Gewalt an Frauen, Femizide in Österreich, die #Metoo-Bewegung. Sie beleuchtet unterschiedliche Kontexte, in denen sexualisierte Gewalt stattfindet, wie beispielsweise Übergriffe am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft, im Internet und auch in der Musik, wo Rap-Songs gewaltverherrlichende und gewaltpornografische Inhalte transportieren und millionenfach gehört werden. Neben diesem Informationscharakter wendet sich die Ausstellung unter anderem direkt an Betroffene und deren Angehörige, greift Themen wie „Schuld“ und „victim blaming“ und die direkten psychischen Auswirkungen auf, und informiert über langfristige Folgen von Gewalt. Immer wieder finden sich Hilfestellungen und Unterstützungsmöglichkeiten in Form von Verweisen auf Beratungsstellen und Informationsfolder.
„Die rote Linie“: Bis 7. Dezember im Landhaus Bregenz; www.ifs.at

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