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Was 2023 im Vorarlberg Museum wichtig ist

01.12.2022 • 19:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Lenin-Bronzestatue in der Ausstellung "Was uns wichtig ist". <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Die Lenin-Bronzestatue in der Ausstellung "Was uns wichtig ist". Stiplovsek Dietmar

Heute eröffnet im Vorarlberg Museum eine Ausstellung zum kulturellen Erbe und Direktor Andreas Rudigier spricht über die Pläne für 2023.

Am Boden liegt eine Lenin-Bronzestatue, daneben sein abgeschlagener Kopf im vierten Stock des Vorarlberg Museums in Bregenz. Die Statue ist Teil der heute eröffnenden Ausstellung „Was uns wichtig ist“. Es geht um das „kulturelle Erbe“ der Gesellschaft, also jene Objekte aus Kunst, Architektur, Brauchtum oder Handwerk, die einer Gesellschaft erinnerungswürdig erscheinen. Dieses Kulturerbe ist es, das in Museen kuratorisch aufbereitet und der Nachwelt präsentiert wird. Aber wer bestimmt nun, was erhalten bleibt?
Mit dieser Frage beschäftigen sich die Kuratorinnen Sabine Benzer und Christa Benzer in ihrer Ausstellung, deren Titel darauf anspiele, was für die Gesellschaft „auch in Bezug auf die Vergangenheit, von der wir ja wissen, dass sie in die Gegenwart hineinwirkt“, wichtig sei, beschreibt Benzer in der gestrigen Pressekonferenz.

Die Kuratorinnen Sabine Benzer und Christa Benzer.<span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Die Kuratorinnen Sabine Benzer und Christa Benzer.Stiplovsek Dietmar

Umstrittene Debatte

Mit 20 künstlerischen Positionen sollen unterschiedliche Gegenwartsbezüge hergestellt werden. Vor allem bei schwierigem kulturellem Erbe, wie beispielsweise faschistischen Objekten, dem Erbe aus dem Kolonialismus oder der Raubkunst, gibt es sehr kontroverse Meinungen, was den Umgang damit betrifft. Darunter fällt auch die Lenin-Statue, welche die Künstlerin Anna Jermolaewa aus einem Dorf in der Ukraine geholt hat. Die Mitarbeiter im Rathaus hätten sie nicht „einfach wegschmeißen“ können und haben sie deshalb in einer Abstellkammer aufbewahrt. Ähnlich verhält es sich mit dem antisemitisch belas­teten Karl-Lueger-Denkmal in Wien, dessen Entwurf für eine Umgestaltung in der Ausstellung zu sehen ist.

Präsentation der Werke bei der Pressekonferenz. <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Präsentation der Werke bei der Pressekonferenz. Stiplovsek Dietmar

Die sehr unterschiedliche künstlerischen Werke behandeln jeweils bestimmte Themen. Die Künstlerin Maja Vukoje hat ein Bild mit Zucker und Kaffee gemalt und stellt damit einen Bezug zur Geschichte dieser Handelsprodukte her. Ein Beispiel für architektonisches und gleichzeitig politisches Erbe zeigt der Bildhauer Hannes Zebedin mit einer Installation, in der er sich auf den Bau und die Funktion von slowenischen Dächern für die Partisanen bezieht. Die Bildhauerin Toni Schmale liefert in einem Beitrag zum immateriellen Erbe der Psychoanalyse von Sigmund Freud. Gregor Eldarb zeigt in seiner Videoarbeit Reflexionen von Seifenblasen und experimentiert darin mit dem architektonischen Erbe von Otto Frei.
Auch ein echtes von der Unes­co klassifiziertes Weltkulturerbe ist vertreten: Die in Schachteln eingemauerten Briefe und Tagebücher der britischen Autorin Anne Lister, in denen sie ihr Leben und ihre sexuellen Begegnungen mit anderen Frauen dokumentierte.

Anne Listers Tagebücher mit Bildern von Viktoria Tremmel.<span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Anne Listers Tagebücher mit Bildern von Viktoria Tremmel.Stiplovsek Dietmar

Sonderausstellungen 2023

Die Frage „Was ist uns wichtig?“ soll auch im 2023 im Fokus stehen, sagt Museumsdirektor Andreas Rudigier bezüglich des Jahresprogramms. Aufgrund von fehlenden Ressourcen kann eine der geplanten Ausstellungen nicht realisiert werden, als „Provokation“ soll der Ausstellungsraum im dritten Stock daher leer bleiben. Dennoch sind sechs neue Ausstellungen geplant.
In zwei Wochen wird die fotografische Ausstellung „Kunst als Sehhilfe“ eröffnet, in der Marko Zink eine Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen geschaffen hat. Im Februar kommt die Wanderausstellung „Mittelalter am Bodensee“ ins Vorarlberg Museum. Im Mai wird in „Hiller. Das fotografische Gedächtnis des Bregenzerwaldes“ ein Stück der Geschichte Vorarlbergs genauer beleuchtet. Ab Juli werden Vorarlberger Museums­objekte und deren Wirken in der Sammlung des Tiroler Landesmueseums Ferdinandeum präsentiert. Außerdem wird sich eine Ausstellung im Atrium im Jänner dem Aspekt des „Inklusiven Sammelns“ widmen.

Fazit: „Ein gutes Jahr“

Trotz der im Kulturbetrieb derzeit eher schwierigen Zeiten konnte das Vorarlberg Museum mit der Ausstellung „Beauty“ mit 53.000 sehr hohe Besucherzahlen erreichen, was Rudigier auf den bekannten Vorarlberger Medienkünstler Stefan Sagmeister zurückführte. Zudem konnten zwei Stellen für Vermittlungs- und Vernetzungsprojekte geschaffen werden.
Neben der Sammlung sei auch die Publikation ein wichtiger Bestandteil des Museums, betont Rudigier und freut sich über bisher 14 Publikationen. Im nächsten Jahr soll bei der Vermittlung der Fokus auf die „Kinder- und Jugendebene“ gerückt werden, „die auch bei Erwachsenen wunderbar funktioniere, so der Direktor. Weiters seien die ersten „inklusiven Ausstellungsmodule“ in Auftrag gegeben worden, mit denen eine erhöhte Barrierefreiheit erreicht werden soll.

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