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In der Küche lernt man nun auch Englisch

03.12.2022 • 19:24 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Vor allem Köche wären noch gefragt.                       <span class="copyright">Shutterstock/ gorodenkoff</span>
Vor allem Köche wären noch gefragt. Shutterstock/ gorodenkoff

Die Wintersaison steht vor der Tür und es scheint, als ob allerorts noch verzweifelt nach Personal gesucht wird.

Das Arbeitsmarktservice veröffentlicht traditionell am Ersten jeden Monats die aktuellen Arbeitslosenzahlen.

Darin waren am vergangenen Donnerstag 546 offene Stellen in der Berufsgruppe Hotel-, Gaststätten- und Küchenberufe verzeichnet. In derselben Gruppe waren 1920 Menschen als arbeitslos vorgemerkt, von denen allerdings 1404 eine Wiedereinstellungszusage hatten, informierte AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter auf Nachfrage. „Rein statistisch gesehen kommt somit nicht einmal ein Bewerber auf eine offene Stelle“, verdeutlichte er die Situation.

Bei den offenen Stellen ging es hauptsächlich um Service und Köche – deutlich über der Hälfte der noch verbliebenen Arbeitssuchenden in dem Bereich hatte allerdings maximal Pflichtschulabschluss, und ein großer Teil von ihnen hatte einen Teilzeitwunsch und einige auch gesundheitliche Einschränkungen.

“Arbeitgeberattraktivität”

Während die AMS-Zahlen durchaus einen Personalmangel in der Branche belegen, scheint dieser allerdings nicht überall gleich zu sein. „Viel spielt sich da im Bereich Arbeitergeberattraktivität ab“, sagt Bereuter. „In diesem Bereich kann ich mir den Job aussuchen.“

„Der Mangel an Personal ist in den Betrieben ganz unterschiedlich“, bestätigt Heike Ladurner-Strolz. Sie ist die Landesvorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung und betreibt mit ihrer Familie das familieneigene Hotel Zimba in Schruns. Tatsache sei aber, es werde noch Personal gesucht, und das Kontingent für Fachkräfte aus Drittstaaten sei ausgeschöpft. Einen Grund für den Personalmangel in Hotellerie und Gastronomie sieht auch Ladurner-Strolz unter anderem darin, dass immer mehr Menschen nicht mehr Vollzeit, sondern nur Teilzeit arbeiten wollen.

Branchenvertreterin Heike Ladurner-Strolz. <span class="copyright">Florian Lechner</span>
Branchenvertreterin Heike Ladurner-Strolz. Florian Lechner

Für ihren eigenen Betrieb benötigt Ladurner-Strolz aktuell nur mehr einen Mitarbeiter von 40: „Das ist überschaubar.“ Von einigen Kollegen und Kolleginnen habe sie ebenso gehört, dass diese mit der Stammmannschaft arbeiten können, berichtet sie. „Andere brauchen noch die halbe Mannschaft“. Allerdings merke man, dass die Personalzusammensetzung immer internationaler werde. „Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Spanien, Bosnien, Kroatien, Ungarn, Griechenland und anderen Ländern“, erzählt die Branchenvertreterin. In einigen Betrieben sei bereits Englisch die Unternehmenssprache. „Man lernt in den Küchen nicht mehr nur kochen, sondern auch Englisch“, sagt Ladurner-Strolz mit einem Schmunzeln. Ein wirkliches Problem sei das nicht, „man gewöhnt sich daran“.

In Kürze startet die Wintersaison.    <span class="copyright">Dietmar Denger</span>
In Kürze startet die Wintersaison. Dietmar Denger

So ganz in das allgemeine Klagen der Branche nach fehlendem Personal will die Montafonerin dieses Jahr nicht einstimmen. „Vom Gefühl her ist die Suche heuer nicht ganz so schlimm wie in den vergangenen Jahren“, sagt sie, „aber das ist mein Gefühl“. Ein Grund dafür, dass die Personalsuche im Tourismus derzeit wieder öffentlich groß thematisiert werde, sei auch der Umstand, dass im Winter in Vorarlberg um einiges mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als im Sommer benötigt würden. „Es fällt natürlich viel mehr auf, wenn eine gesamte Branche gleichzeitig sucht“, stellt die Hotelbetreiberin fest.

Problembereiche Küche und Rezeption

Es gebe durchaus Unterschiede in den verschiedenen Bereichen, in denen nach Mitarbeitenden für die Hotellerie und Gastronomie gesucht werde, informiert Ladurner-Strolz. Für die Küche sei die Suche nach Personal teilweise schwieriger, weil man da auch zahlreiche ausgebildete Fachkräfte brauche. „Im Service geht es eher darum, jemanden anzulernen.“

Ein besonderer Problembereich sei aber die Rezeption im Frontoffice, also im direkten Kontakt mit den Gästen. „Da brauchen wir einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in der Region auskennen und den Gästen Tipps geben können und sie informieren“, erklärt Ladurner-Strolz. Das gehöre auch zum Selbstverständnis der Vorarlberger Gastgeberinnen und Gastgeber. In diesem Bereich sei es derzeit schwierig bis unmöglich, Personal zu bekommen, sagt sie. Ein Problem, mit dem auch die Tourismusbüros kämpfen, wie sie weiß.

Gute Personalsituation

„Wir sind komplett“, heißt es vom Hotel Adler in Schoppernau. „Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben, einige sind dazugekommen“, erzählt Simon Leiter. Das könne sich zwar jederzeit ändern, aktuell sei die Personalsituation aber sehr gut.

Im Hotel Post in Bezau ist derzeit noch eine Stelle als Koch zu besetzen. Dabei sei man jedoch auf gutem Weg, informiert Hoteldirektorin Stephanie Rist. „Dann sind wir vollzählig.“ Rund 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden ab Jänner im Bezauer Hotel tätig sein.

Im Sommer sei die Personalsuche noch viel schwieriger gewesen, erzählt Rist. „Da war es eine Katastrophe.“ Dass es mittlerweile doch einigen Betrieben gelingt, genügend Mitarbeitende zu finden, führt Rist noch auf einen anderen Grund zurück. „Viele haben Konzepte angepasst oder arbeiten nur mehr mit der Stammmannschaft in geringerem Ausmaß“, sagt sie. Dadurch werde auch weniger Personal benötigt. Ein Modell, dass 2019 mit einer Konzeptumstellung auch in der Post erfolgreich umgesetzt wurde.

„Corona spukt noch immer herum“

Ganz so einfach ist es auch für die Vorarlberger Skischulen nicht, genügend Personal für die nun kommende Wintersaison zu finden. „Sie jammern schon ein bisschen“, sagt Conny Berchtold, Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands. Das große Problem sei, dass die Skischulen nicht genau wüssten, wie viel Personal sie wirklich brauchen und wie sich die Saison entwickle, weil „Corona immer noch herumspukt“, so Berchtold. „Diese Unsicherheit ist da“.

Verbandsobmann Conny Berchtold.<span class="copyright">Skilehrerverband</span>
Verbandsobmann Conny Berchtold.Skilehrerverband

Die Rekrutierung von Skilehrern sei mittlerweile schwieriger als vor der Pandemie, erklärt der Obmann, weil einige nicht mehr zur Verfügung stünden. Sie hätten während der Corona-Zeit beruflich umdisponiert. „Bei Skilehrern gibt es eine große Fluktuation“, sagt Berchtold. Kleinere Skischulen, die sich hauptsächlich auf Kinderkurse in den Ferien konzentrieren, würden sich etwas leichter tun als große.

Was die Herkunft der im Land tätigen Skilehrer betrifft, versuche man, heimische zu rekrutieren, erklärt der Verbandsobmann. Aber etwa am Arlberg seien auch viele Studenten aus anderen Bundesländern tätig. Berchtold rechnet für diese Saison mit etwa 1300 bis 1400 Skilehrern, die im Land tätig sein werden. „Vor einigen Jahren hatten wir auch schon 1800 bis 1900“, erzählt er.

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