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Frisch und gut aus dem Jokl-Automat

04.12.2022 • 12:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bei den Zutaten setzt Büchele auf Regionalität.<br><span class="copyright">hartinger (4)</span>
Bei den Zutaten setzt Büchele auf Regionalität.
hartinger (4)

Personen-Unternehmer finden oft eine Nische nur für sich.

Man braucht Mut, um eine neue Nische von null auf hundert zu besetzen“, sagt Roland Büchele. Diesen Mut hat er bewiesen. „Metzger verkaufen ihre Produkte ja teilweise auch über Automaten, die draußen vorm Geschäft stehen. Da dachte ich, das müsste doch mit ganzen Menüs auch gehen.“ Büchele ist Koch mit einer Ausbildung zum diplomierten Diätkoch. Und er ist Inhaber von Jokl-Automaten, wie er sie nennt.

An drei Standorten in Feldkirch füllt er täglich fertige, versiegelte Mahlzeiten in moderne Selbstbedienungsautomaten. „Als Koch findet man immer einen Job“, sagt Büchele. Doch er hat die Herausforderung angenommen, etwas Neues zu wagen. Das war alles andere als einfach. Zunächst musste er passende Automaten finden. Sein Händler ist in Vorarlberg, so hat er Ansprechpartner vor Ort, wenn etwas nicht funktioniert. Um die Automaten gegen die Witterung zu schützen, hat der Unternehmer offene Unterstände gebaut, in denen sie stehen. So sind sie trotzdem im Vorbeigehen oder -fahren gut sichtbar. Am aufwendigsten war es, eine Küche zu finden. Um zu Hause zu kochen, sind die Auflagen zu hoch.

Jokl – automat isch guat

Roland Büchele

Dipl. Diätkoch

Sägerstraße 7a

6800 Feldkirch

Tel. 0664-9304001

E-Mail: jokl.automaten@gmail.com

Webseite:

joklautomaten.eatbu.com

Regional und gut

Eine Küche für ein Kleinunternehmen zu bauen, ist finanziell jedoch kaum machbar. Vorübergehend kann Büchele nun in der Küche eines im Moment geschlossenen Gasthauses in Klaus seine Produkte produzieren. Er ist aber auf der dringenden Suche nach einer anderen Produktionsküche.

Roland Büchele befüllt Essensautomaten mit hochwertigen, selbstgekochten Mittagessen.
Roland Büchele befüllt Essensautomaten mit hochwertigen, selbstgekochten Mittagessen.

Insgesamt ist das Konzept des Kochs mit viel Aufwand verbunden. Sein Ehrgeiz ist es, täglich frisch hergestelltes Essen in den Automaten anzubieten. Dabei ist es ihm wichtig, mit regionalen Lebensmitteln von heimischen Lieferanten zu arbeiten. Zu seinen Partnern gehören auch ganz kleine Produzenten wie die Sennerei Mühle/Hub in Egg, Martin vom „Gmüas, frisch us’m Garta“ oder die Rheintaler Feldfrüchte. Neben den verschiedensten Speisen finden sich auch Salate, Pestos, Marmeladen, Honige und vieles mehr in den „Jokls“. Das Kochen ohne künstliche Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und dergleichen ist für Büchele selbstverständlich. Die Zubereitung der Gerichte braucht den geringsten zeitlichen Aufwand. Hinzu kommt das Organisieren der versiegelbaren Schalen – diese sollen möglichst nachhaltig sein –, das Abfüllen und Befüllen der Automaten, das Einkaufen, die Buchhaltung. Daher hilft auch seine Lebensgefährtin Brigitte mit und unterstützt ihn tatkräftig.

Die Automaten kann Büchele weitgehend von seinem Computer aus steuern. Das bedeutet allerdings gleichzeitig, dass er permanent darauf achten muss, ob irgendetwas nicht funktioniert. „Ich kann auch sehen, wann welche Essen entnommen werden. Teils gibt es auch Entnahmen mitten in der Nacht, um zwei oder vier Uhr“, hat Büchele festgestellt.

In den Automaten findet man täglich frische Menüs.
In den Automaten findet man täglich frische Menüs.

Standortsuche läuft

Geeignete Standorte zu finden war ebenfalls spannend. Doch gleich bei seiner ersten Anfrage machte der Chef der Firma „Helfe“ in Feldkirch kein langes Tamtam und sagte ihm einen Standort direkt vor seinem Unternehmen zu. Im Gegenteil, er freute sich, dass seine Mitarbeiter zukünftig ein „vernünftiges“ Essen vor seiner Haustüre bekommen.

Mit dem Kochen beginnt Büchele morgens um sechs Uhr, mit dem Ausliefern um zehn Uhr. Jede und jeder, der will, soll sein Essen rechtzeitig zu Mittag bekommen. „Ich mache einen Menüplan, den stelle ich auf meine Webseite, verschicke ihn per E-Mail und poste ihn auf Instagram.“

Die Käufer müssen das Essen nur noch in der Mikrowelle, im Backrohr, Dampfgarer oder der Pfanne erwärmen und es genießen. Sie haben die Wahl zwischen Fleisch- und vegetarischen Gerichten. An diesem Tag gibt es zum Beispiel Hühnerbrust mit Basilikumhaube, Schweinesteak und Nudelgerichte. „Gerne koche ich abwechslungsreich: asiatische Currys oder andere Gerichte mit asiatischem Touch, aber auch Hackbraten, Hackloable, Lasagne, Huhn in Rotwein, Riebel oder Kaiserschmarrn, Polpetti oder Cevapcici.“

Alles andere als anonym

Was ihm gut gefällt: Es ist keine so anonyme Angelegenheit, wie man vielleicht meinen könnte: „Von den Stammkunden kenne ich einige. Darunter sind junge Mütter, die sich auf diese Weise die Zeit fürs Kochen sparen können und stattdessen mehr Zeit fürs Kind haben, aber auch Alleinstehende, die sich selbst kein Fleischgericht kochen, es aber dennoch ab und zu genießen möchten. Viele kommen auch mittags von den umliegenden Firmen und sparen sich damit einen weiteren Weg.“

Eine Stammkundin hat sich Hühnerbrust mit Karotten und Spätzle mitgenommen. „Es ist gut, nah und unkompliziert“, sagt sie gut gelaunt. „Es ist jeden Tag frisch, ich kann es rund um die Uhr holen, und es schmeckt immer gut. Ich habe die Wahl zwischen Fleisch- und vegetarischen Gerichten. Ich freu’ mich schon aufs Essen.“ Hochwertiges Essen auf Knopfdruck für zwischen sieben und neun Euro, das ist ein Angebot, das viele schätzen.

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