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„Das anspruchsvollere Publikum“ der Oper

06.12.2022 • 19:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Szenen des Pressegesprächs im Festspielhaus Bregenz.<span class="copyright">Klaus hartinger (3)</span>
Szenen des Pressegesprächs im Festspielhaus Bregenz.Klaus hartinger (3)

Gestern wurde das Programm der Junge Festspiele präsentiert. Bei der „Zauberflöte“ für Kinder kann mitgesungen und mitgespielt werden.

Die Bregenzer Festspiele planen ein vielfältiges Programm für junge Menschen von sechs bis 26 Jahren. Mit dem „Fest des Kindes“ in der Vorwoche der Festivaleröffnung, der Blasmusikmatinee oder dem Orchester für junge Musiker sollen junge Menschen mit Theater und Oper in Berührung kommen und junge Musiker gefördert werden.
Seit über 20 Jahren setzen die Bregenzer Festspiele einen Schwerpunkt auf das Jugendprogramm. 2018 gab es das erste Projekt, bei dem ein Stück in gekürzter Fassung unter Mitwirkung von jungen Menschen umgesetzt wurde. Nun präsentierten Festspielintendantin Elisabeth Sobotka, die Leiterin der neu gegründeten „Jungen Festspiele“ Nina Steinschaden-Wolf, Caroline Leboutte, Regisseurin der „Kinderzauberflöte“ und Alessandra Veronesi (Opera Education beim Kooperationspartner AsLiCo) gestern in der ersten Pressekonferenz für „Junge Festspiele“ das Programm.

Die Chorkinder vom Superar Vorarlberg gaben erste Hörproben
Die Chorkinder vom Superar Vorarlberg gaben erste Hörproben

Neues Logo für Junge

Das neue Label soll selbsterklärend sein, wie Sobotka sagt: „Wir wollen auch Festspiele für junge Menschen sein.“ Ein wichtiger Gedanke dabei sei gewesen, dass junge Menschen selbst bei Opern mitmachen können. Drei Monate vor dem Start der 77. Festspielsaison können Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren bei „Die Zauberflöte – Der Klang des Friedens“ mitwirken. Während die Hauptrollen von jungen Sängern gespielt werden, die am Beginn ihrer Karriere stehen, kann auch vom Zuschauerraum aus „mitgesungen, mitgebastelt und mitgespielt“ werden. Bereits am Montag gab es den ersten Schnupperworkshop für Lehrer, im Jänner und März folgen weitere, um die Kinder optimal auf den Besuch der „Kinderzauberflöte“ vorzubereiten.
Die aus Belgien stammende Regisseurin Caroline Leboutte interpretiert das Stück mit einem Bezug zu unserer von Krieg und Krisen geprägten Welt. Sie beschreibt „Die Zauberflöte“ als Geschichte eines Krieges, in dem es zwei gegensätzliche Kräfte gibt: Die Königin der Nacht und Sarastro würden sich „wie Licht und Schatten oder das Gute und das Böse“ gegenüberstehen. Zwischen diesen zwei klaren Weltanschauungen seien Tamino und Pamina gefangen und könnten sich nicht für eine Seite entscheiden. Am Ende müssten sie das auch nicht, denn es gehe nicht mehr um Konfrontation, sondern darum Neues zu schaffen.

Die belgische Regisseurin Caroline Leboutte
Die belgische Regisseurin Caroline Leboutte

Europäischer Gedanke

Die Produktion wird durch eine Kooperation von mehreren Partnern in Frankreich und Italien realisiert. Besonders faszinierend sei, wie Sobotka sagt, dass der europäische Gedanke dabei so betont wird. Die Zauberflöte ist zwar eine deutsche Oper, werde aber in unterschiedlichsten Landessprachen aufgeführt.
Die „Oper zum Mitmachen für Kinder“ ist ein Projekt mit AsLiCo, Opera Domani in Kooperation mit der Opéra Grand Avignon und der Opéra de Rouen Normandie sowie mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, der Superar Vorarlberg und der Musikschule Bregenz. Wie Veronesi (Opera Education bei AsLiCo) sagt, produziert AsLiCo Projekte für Kinder zwischen null und 18 Jahren sowie für Erwachsene mit einem partizipativen Zugang. Neben dem Format Opera Domani, das sich an Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren richtet, gibt es auch die Formate „Opera Baby“, „Opera Kids“ und „Opera Smart“.

Das Besondere am Programm der Opera Domani ist, dass es kein Publikum im gewöhnlichen Sinn gäbe, sondern die Zuseher wie Eltern, Lehrer, Familien und Kinder aktiv in die Show miteinbezogen sind, mitsingen und mitspielen. Das „Mitmachen“ sei bei Kindern auch ein emotionales „Mitfiebern“, sie würden die Figuren auf der Bühne unter anderem mit dem Einsatz von Requisiten aus dem Zuschauerraum unterstützen. Die Aufführung sei dabei nur das Finale einer langen Reise, in der die Oper gemeinsam mit den Lehrern erarbeitet wird, erklärt Veronesi und betont, dass die Oper nicht für Kinder kreiert worden sei: „Ich glaube nicht, dass man kleine Shows für kleine Zuschauer machen muss, denn die kleinen Zuschauer sind das anspruchsvollere Publikum.“

Die Vorstellungen für „Die Zauberflöte – Der Klang des Friedens“ finden am 23. und 24. Mai statt. Im August wird es das 6. Internationale Blasmusik-Camp geben, wo junge Blasmusiker unter Anleitung der Wiener Symphoniker instruiert werden. Am 13. August wird das einstudierte Programm im Matinee auf der Werkstattbühne aufgeführt. Zudem gibt es die Young People’s Night, wo vor der Premiere 5000 Jugendliche die Hauptprobe der “Madame Butterfly” auf der Seebühne erleben. Beim seit 40 Jahren bestehenden Fest des Kindes erschaffen 200 Kinder von sechs bis elf Jahre auf spielerische Art ein musikalisches Theaterstück. Im MINT-Projekt steht die Beschäftigung mit der Theatertechnik im Fokus. Weiters werden Backstage-Touren und szenische Workshops angeboten.

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