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Haftstrafe: Schlafende
Kollegin missbraucht

06.12.2022 • 15:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Mann stand am Dienstag in Feldkirch vor Gericht.   Klaus Hartinger
Der Mann stand am Dienstag in Feldkirch vor Gericht. Klaus Hartinger

Unbescholtener und geständiger 28-Jähriger streichelte gleichaltrige Mitschülerin im Intimbereich.

Nach einer Party in seiner Wohnung im Bezirk Feldkirch hat der geständige 28-Jährige im November 2021 eine in seinem Bett schlafende Mitschülerin ausgezogen und an den Brüsten und im Intimbereich gestreichelt. Das trug dem Angeklagten am Dienstag in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen sexuellen Missbrauchs einer Wehrlosen ein. Dafür wurde der unbescholtene Lehrling zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, im Gefängnis zu verbüßende Teil einen Monat.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte nahm drei Tage Bedenkzeit in Anspruch, Staatsanwältin Julia Berchtold verzichtete auf Rechtsmittel. Der Strafrahmen betrug sechs Monate bis fünf Jahre Haft.

Keine kombinierte Strafe

Verteidiger German Bertsch plädierte für eine kombinierte Strafe, also für eine bedingte, nicht zu verbüßende Haftstrafe und eine unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Geldstrafe. Eine derartige Sanktion reiche zur Abschreckung der Allgemeinheit nicht aus, sagte Richterin Silke Sandholzer als Vorsitzende des Schöffensenats in ihrer Urteilsbegründung. Denn sonst würde in der Öffentlichkeit der falsche Eindruck entstehen, dass sexuelle Straftaten nur mit Geldstrafen geahndet werden.

Mildernd wertete das Gericht das Geständnis, die Unbescholtenheit, die Alkoholisierung und den Umstand, dass das vom Opfer bislang geforderte Schmerzengeld von 3000 Euro bereits bezahlt wurde. Der Angeklagte wurde vom Gericht verpflichtet, der Geschädigten 1400 Euro für die bislang angefallenen Kosten ihrer Psychotherapie zukommen zu lassen.

Kollegin als Zeugin

Der Angeklagte und die junge Frau besuchten zur Tatzeit für eine Berufsausbildung dieselbe Schulklasse und waren ohne intimen Kontakt freundschaftlich miteinander verbunden. Sie trank bei seiner Party zu viel Alkohol, musste sich mehrmals übergeben und übernachtete deshalb neben einer sich um sie kümmernden Kollegin in seinem Bett. Die Kollegin wurde nach eigenen Angaben Zeugin der Übergriffe des Angeklagten auf die schlafende 28-Jährige.

Die 28-Jährige sagte, sie habe von den Übergriffen auf sie nichts mitbekommen. Ihr Anwalt Arnold Trojer teilte vor Gericht mit, sie müsse wegen der Vorfälle Psychotherapie in Anspruch nehmen.
Der Angeklagte bekannte sich erst am Ende der Verhandlung in vollem Umfang für schuldig. Zuvor gab er an, er habe ihre Körpersprache als Einverständnis gedeutet.

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