Kommentar

Montafoner müssen verlässlich bleiben

06.12.2022 • 10:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die SBX-Weltcuprennen im Montafon mussten seit 2018 zum dritten Mal abgesagt werden. <span class="copyright">GEPA/Lerch</span>
Die SBX-Weltcuprennen im Montafon mussten seit 2018 zum dritten Mal abgesagt werden. GEPA/Lerch

Gestern mussten bereits zum dritten Mal seit 2018 aus Schneemangel die Snowboardcross-Weltcuprennen im Montafon abgesagt werden. Und das beim angedachten zehnjährigen Weltcup-Jubiläum am Hochjoch, bei dem Olympiasieger Alessandro Hämmerle mehr denn je das Zugpferd gewesen wäre. In diesem Jahr hat man die Rennaustragung sogar an zwei Terminen versucht: Erst war das Snowboardcross-Spektakel für den 8. und 9. Dezember angesetzt, als der Zeitplan scheiterte, verschob man die Rennen auf 19. und 20. Dezember. Erfolglos. Das macht kein gutes Bild. Als angehender Ausrichter der FIS Freestyle-, Freeski- und Snowboard-WM 2027 muss man ein verlässlicher Partner für die FIS bleiben. Und das war man zuletzt einfach nicht mehr. Im Dezember 2020 sagte man trotz bester Verhältnisse die ohnehin schon in den Jänner 2021 verschobenen SBX-Rennen ab. Unter anderem, weil man sich während der Coronapandemie an der „internationalen negativen Berichterstattung über den aktuellen Skibetrieb“ störte. Das war schon längst wieder vergessen bei der FIS, kommt jetzt aber wieder hoch.


Mit dem frühen Dezember-Termin bringt sich das Montafon selbst in die Bredouille. Der Termin ist nicht mehr zu halten. Weil es hierzulande mittlerweile bis tief in den November hinein herbstliche Temperaturen hat. Der Frost, den es Wochen vor dem Rennen für die Produktion der gewaltigen Schneemengen braucht, um eine weltcuptaugliche SBX-Strecke zu bauen, setzt mittlerweile erst im Laufe des Dezembers halbwegs verlässlich ein. Auf passende Temperaturen in der zweiten November-Hälfte zu hoffen, gleicht einem Einsatz auf Zero am Roulettetisch. Als WM-Ausrichter darf man sich auf dieses Vabanque nicht mehr einlassen.


Die Montafoner werden nicht drumherum kommen, den Renntermin zumindest in die zweite Dezember-Hälfte zu verlegen. Oder, um auf Nummer sicher zu gehen, ins Frühjahr zu verschieben. Dann muss man zwar auf die werbeträchtigen Bilder von einer verschneiten Berglandschaft zu Beginn der Wintersaison verzichten. Aber die Absagen der SBX-Weltcuprennen dürfen nicht zur Gewohnheit werden – und genau an dieser Schwelle befindet man sich nun, was an Montafons Ruf bei der FIS kratzt.


Die Montafoner haben sich in der Snowboardcross-Sparte einen großen Namen als Weltcup-Veranstalter gemacht. Weil man mit ganz viel Herzblut und Enthusiasmus die Rennen ausrichtete. Hoffentlich stachelt die Organisatoren die hinter vorgehaltener Hand einsetzende Kritik dazu an, bald zukunftsträchtige Entscheidungen zu treffen, die das Montafon als Weltcup-Standort sichert. Helfen würde neben einer Terminänderung auch, wenn man die für 2025 angedachte Übersiedlung vom Hochjoch aufs Grasjoch vorziehen würde.


Die Montafoner können SBX-Weltcup wie kein anderer Ausrichter. Das alternativlose Festhalten an dem frühestmöglichen Dezember-Termin ist jedoch schlichtweg aus der Zeit gefallen, zumal die Schneeproduktion immense Kosten verursacht. Ein Weltcup-Finale Mitte März im Montafon hätte doch auch was, erst recht, wenn Hämmerle dann vielleicht sogar die SBX-Kugel erobert. Es wird Zeit für die Montafoner, das SBX-Event neu zu erfinden. Denn wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen.

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