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Ab heute: Fotoaustellung im Vorarlberg Museum

15.12.2022 • 21:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der per Video zugeschaltete Künstler Marko Zink<span class="copyright"> DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Der per Video zugeschaltete Künstler Marko Zink DIETMAR STIPLOVSEK

Das Vorarlberg Museum eröffnet die Fotoausstellung des Künstlers Marko Zink zur „Tilgung von Erinnerung“.

Es sind Fotografien aus der Gegenwart, Bilder einer Gedenkstätte, die an die vergangene Geschichte des Konzentrationslagers erinnern, die sich vor nicht einmal acht Jahrzehnten im oberösterreichischen Ort Mauthausen zugetragen hat. Der Vorarlberger Künstler Marko Zink hat dessen Koordinaten M48° 15‘ 24.13“ N, 14° 30‘ 6.31“ E als Titel der Wanderausstellung gewählt, die erstmals 2019 in Mauthausen gezeigt wurde. Danach wanderte sie nach Zagreb, Osnabrück und Bregenz, wo sie nun vom Vorarl­berg Museum übernommen wurde.

Fotografische Gegenüberstellungen <span class="copyright">DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Fotografische Gegenüberstellungen DIETMAR STIPLOVSEK

Vermittlungsformen

Nationalsozialismus sei etwas, das mit Museum immer wieder verbunden wird oder nicht verbunden wird. „Wir haben ein Thema, wo wir wissen, das wird immer ein Thema bleiben müssen, wir können diese Gräueltaten nicht ausblenden. Nachdem Zeitzeugen immer weniger werden und erhaltene Fotografien nur (möglicherweise gestellte) Momentaufnahmen sind, würden Museen die Vermittlung und Erinnerung an den Holocaust durch unterschiedliche Zugänge versuchen, wie beispielsweise über die zeitgenössische Kunst, beschreibt Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg Museum bei der gestrigen Pressekonferenz die Hintergründe.
Der 1975 geborene Marko Zink hat 2016 zuerst ohne Kamera angefangen, die Gedenkstätte Mauthausen zu besuchen. Zwei Jahre sprach er mit Besuchern, nahm an Workshops und Führunge teil und begab sich auf eine Spurensuche der Erinnerung. Mit seiner Minolta-Analogkamera fotografierte er die Gedenkstätte aus verschiedenen Perspektiven.

Der Ausstellungsraum im vierten Stock. <span class="copyright">DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Der Ausstellungsraum im vierten Stock. DIETMAR STIPLOVSEK

Aus der Distanz

Es sind Bilder mit einem zeitlichen Abstand zum damaligen Geschehen, die teils von oben mit einer gewissen Distanz und auch aus der Ferne aufgenommen wurden. Er fotografierte die leeren Baracken, den leeren Appellplatz aus Sicht der Täter, den Eingangsbereich mit dem Löschteich, dessen Funktion nie völlig geklärt wurde. Er zeigt die Gedenkstätte, wie sie jetzt ist, fotografierte die Todesstiege mit dem positionierten Spiegel, die Rohrleitungen der Gaskammer mit fehlenden Duschköpfen und das Gelände der Marbacher Linde, auf dem Tausende Leichen verscharrt wurden und das jetzt als beliebter Aussichtspunkt dient.

Künstler möchte irritieren und konfrontieren

Die Landschaftsaufnahmen von und rund um Mauthausen sollen ins Gedächtnis rücken, was auf den Fotos nicht mehr zu sehen ist. Viele der Gebäude gibt es nicht mehr oder wurden umfunktioniert. Spuren des Konzentrationslagers wurden vernichtet, anstelle der Unterkunftsbaracken für die SS wurden Parkplätze errichtet, und auf den Flächen der ehemaligen Nebenlager stehen jetzt Wohnhäuser.
Zink möchte mit seinen Bildern irritieren und konfrontieren und versucht, dieses Verschwinden sichtbar zu machen. Er habe „Situationen und Bilder aufgenommen, die Befremden auslösen, die vielleicht eine Größe von Oberflächlichkeit präsentieren.“ […] „Die Fotografie kann gar nicht mehr das erzeugen, was zwischen 1938 und 45 dort passiert ist. Deshalb hab ich das Material verändert“, beschreibt er seine Arbeit auf der Pressekonferenz, zu der er per Video zugeschalten wurde.

Kurze Beschreibungen

Vor der Belichtung hat er das Filmmaterial gekocht, zerkratzt, gestanzt und mit Lasurfarbe, Tintentod und Säure behandelt, um Bilder effektvoll auf künstlerische Weise mit der Vergangenheit in Verbindung zu bringen. Zudem hat er die Bilder um eine sprachliche Dimension erweitert. Kurze Texte beschreiben den Kontext und verknüpfen Fotos der Gegenwart mit der Vergangenheit.

Bearbeitete Fotografen rund um die Gedenkstätte Mauthausen. <span class="copyright">DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Bearbeitete Fotografen rund um die Gedenkstätte Mauthausen. DIETMAR STIPLOVSEK

„Darf man das?“

Lange beschäftigte sich der Künstler mit Überlegungen, ob und inwiefern, es erlaubt sei, einen Ort wie das ehemalige Konzentrationslager fotografisch in dieser Art zu gestalten, schildert Zink, der das Dilemma mit Kontextualisierungen löste. Ohne Wissen über die nationalsozialistische Zeit habe er als Achtjähriger Filme von Mauthausen gesehen, die sich beim Künstler nachhaltig festsetzten. „Mauthausen ist für mich nur ein Moment oder ein Bollwerk eines unglaublichen Grauens, das es gibt in Öster­reich und das mittlerweile fast unsichtbar geworden ist. Mauthausen hat eine Veränderung von einem KZ zu einer Gedenkstätte vollzogen und diese Veränderung hat nach 1947 bis weit in die 2000er-Jahre gereicht, und, das was noch zu sehen ist, ist herzlich wenig. Dieser Spurensuche bin ich nachgegangen.“

Angebot im Themenraum.  <span class="copyright">DIETMAR STIPLOVSEK</span>
Angebot im Themenraum. DIETMAR STIPLOVSEK

Themenraum

Um die geschichtlichen Ereignisse an Kinder und Jugendliche in leichter begreifbarer Form heranzutragen, haben die Kuratoren des Museums einen Themenraum neben der Fotoausstellung von Marko Zink errichtet. 35 Graphic Novels, zu den Schwerpunkten Mauthausen, Holocaust und Nationalsozialismus sowie Forschungsplattformen, Apps, Podcasts, Videos, Instagram Accounts ermöglichen eine multimediale Beschäftigung mit der Geschichte. Darunter finden sich unter anderen das Projekt „DERLA“, Videos von Meinrad Pichler, Hörstationen zum Radweg vom Jüdischen Museum und der Anne-Frank-Podcast. Der Raum wurde in Kooperation mit Experten aus den Bereichen Schule, Museum, Bildung und Vernetzung und Gedächtniskultur gemeinsam mit 25 Jugendlichen erarbeitet und soll dem stetigen Verblassen der Erinnerung entgegenwirken.

Am 27. Jänner veranstaltet das Vorarlberg Museum einen Thementag zur Ausstellung; Infos: www.vorarlbergmuseum.at

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