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Weihnachten wieder grün statt weiß

19.12.2022 • 18:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Schnee, der jetzt noch im Rheintal liegt (im Bild der Blick von Bildstein am Montag), ist bis Heiligabend weg. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Schnee, der jetzt noch im Rheintal liegt (im Bild der Blick von Bildstein am Montag), ist bis Heiligabend weg. Klaus Hartinger

Es ist schon einige Jahre her, dass es in Bregenz zu Weihnachten eine geschlossene Schneedecke gab.

Die Hoffnung auf weiße Weihnachten ist mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht mehr besonders groß, und sie wird auch in diesem Jahr nicht erfüllt werden – zumindest nicht in den niederen Lagen. Die meisten österreichischen Landeshauptstädte, darunter auch Bregenz, verzeichnen seit der Jahrtausendwende die jeweils längste Serie an Weihnachten ohne Schnee am 24. Dezember, heißt es in einer Analyse der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) Innsbruck, die auch für Vorarlberg zuständig ist. Und diese Serie wird auch heuer fortgesetzt.

Zweistellige Temperaturen

Es wird in den nächsten Tagen nicht nur nicht kalt, sondern ziemlich warm, wie Simon Hölzl erklärt. „Wir haben vorerst in der Höhe sehr milde Verhältnisse und in den Tälern kalte Luft“, informiert der Innsbrucker ZAMG-Meteorologe. Konkret dürften die Temperaturen heute in einer Höhe von 1000 bis 1500 Meter zweistellig werden. Ab Mittwoch kommt dann Bewegung ins Wetter.

Der Meteorologe Simon Hölzl von der ZAMG Innsbruck.  <span class="copyright">ZAMG</span>
Der Meteorologe Simon Hölzl von der ZAMG Innsbruck. ZAMG

Auf den Bergen wird die Luft ab Wochenmitte kühler, dafür in den Tälern milder. Hölzl spricht von elf, zwölf und mehr Grad, die es in tiefen Lagen über die Feiertage inklusive Stephanstag geben könnte. Auch in der Nacht dürfte es in den Tälern nicht mehr frieren. „Dort gibt es ein leichtes Plus.“ Dazu komme zeitweise lebhafter Wind.

Kein Neuschnee

All das hat wiederum zur Folge, dass das bisschen Schnee, das derzeit etwa noch im Rheintal liegt, bis zum Heiligabend sicher verschwunden ist. „Der hat keine Überlebenschance“, stellt der Experte nüchtern fest. Neuschnee kommt bis nach Weihnachten keiner mehr – außer vielleicht in der Nacht auf Heiligabend oberhalb von 2000 Metern. Darunter könnte es ab und zu auch regnen. Zwar taut es derzeit relativ weit rauf. Oberhalb von 1000 Metern sollte es aber nicht ausapern, lautet die Prognose des Meteorologen.

So sah es im Rheintal 2010 zu Weihnachten aus.  <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
So sah es im Rheintal 2010 zu Weihnachten aus. Klaus Hartinger

In Bregenz gab es weiße Weihnachten zuletzt vor zwölf Jahren, informiert Hölzl. Ganze zehn Zentimeter der weißen Pracht konnten 2010 in der Landeshauptstadt gemessen werden. Am Christtag waren es dann 17 Zentimeter und am Stephanstag 20 Zentimeter. Die Räumungsdienste waren damals über die Feiertage ordentlich eingespannt. Der weihnachtliche Schneerekord in Bregenz geht aber laut ZAMG auf das Jahr 1969 zurück: Damals wurden 25 Zentimeter gemessen. Allerdings ist das mittlerweile schon wieder 53 Jahre her, also über ein halbes Jahrhundert.

Diese Grafik der ZAMG Innsbruck liefert einen Überblick über Schnee zu Weihnachten in Bregenz seit 1960. Ein weißer Baum bedeutet Schnee über alle drei Weihnachtstage. Baum unten weiß ist Schnee am 24. Dezember, Mitte am 25. und oben am 26 Dezember. <span class="copyright">ZAMG</span><br>
Diese Grafik der ZAMG Innsbruck liefert einen Überblick über Schnee zu Weihnachten in Bregenz seit 1960. Ein weißer Baum bedeutet Schnee über alle drei Weihnachtstage. Baum unten weiß ist Schnee am 24. Dezember, Mitte am 25. und oben am 26 Dezember. ZAMG

„Die Chance auf weiße Weihnachten ist in den letzten Jahrzehnten in Bregenz um 40 Prozent zurückgegangen“, sagt der ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. Nicht zuletzt, weil auch die Temperaturen steigen. So lag der Mittelwert aus Tages- und Nachttemperatur für den Zeitraum 24. bis 26. Dezember von 1961 bis 1990 laut ZAMG in Bregenz bei 1,1 Grad. In der Klimaperiode 1991 bis 2020 stieg er auf 2,6 Grad. Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Daher schmilzt der Schnee eher, falls überhaupt vorhanden – und Niederschläge kommen in Form von Regen. „Gerade in tiefen Lagen nimmt die Zahl der Schneetage ab“, so Hölzl. „Die Chancen für weiße Weihnachten sinken.“

Bauernregeln

Auch die Bauernregeln müssen in Hinblick auf weiße Weihnachten wohl adaptiert werden. „Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee“, heißt es da etwa. Nun war der Barbaratag, der vierte Dezember, heuer zwar warm. Das Christkind wird sich dennoch nicht durch die weiße Pracht kämpfen müssen.

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