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Italienischer Zauber am Neujahrstag

03.01.2023 • 21:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der international bekannte Violinist Benjamin Schmid   <span class="copyright">Bettina Salomon</span>
Der international bekannte Violinist Benjamin Schmid Bettina Salomon

Das Symphonieorchester Vorarlberg spielte die Neujahrskonzerte. Stargeiger Benjamin Schmid begeisterte.

Wenn es nach dem Symphonieorchester Vorarlberg und seinem Chefdirigenten Leo McFall geht, schmeckt das neue Jahr nach italienischer Lebensfreude, Theaterdramatik und Prosecco-Laune.

Am Neujahrstag musizierte das Orchester zwei Konzerte im Großen Festspielhaus in Salzburg gemeinsam mit dem souveränen Geiger Benjamin Schmid und führte dabei den Zauber Italiens herbei.
Mit dabei eine Gruppe von Vorarlberger Musikfreundinnen und -freunden, die „ihr“ SOV zu diesem Gastspiel begleiteten: sie wurden vom Dirigenten und von Thomas Heißbauer begrüßt, dem früheren Geschäftsführer des SOV, der heute der künstlerische Leiter der Salzburger Kulturvereinigung ist und das Orchester eingeladen hatte.

Opernhaftes Programm

Die Musikerinnen und Musiker mit Konzertmeisterin Michaela Girardi fühlten sich hörbar wohl mit Rossinis spritziger Ouvertüre, dem charaktervollen Violinkonzert von Paganini und der sonnig sprudelnden „Italienischen“, der vierten Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy: Schön, die vertrauten Menschen an den Streicher-, Bläser- und Schlagwerkpulten und Leo McFall mit seiner so klaren wie inspirierenden Körpersprache auch im Festspielhaus in Salzburg zu erleben!

Rossini war ein Theatermensch durch und durch und seine Ouvertüre zu „La gazza ladra“ (Die diebische Elster) ist auch ohne den Rest der Oper zu einem Schlager der Orches­termusik geworden. Mit zwei Rührtrommeln links und rechts und einer stolzen Einleitung betonte Leo McFall das theatralische Zeremoniell, gestaltete den Mittelteil charmant und fein ziseliert in den Figuren. Zum Finale hin baute sich das typische Rossini-Schwungrad auf und verlieh dem Orchester Flügel.

Anspruchsvolles Solo

Auch das zweite Violinkonzert von Nicolò Paganini strahlt etwas Opernhaftes aus, wird doch die Solovioline nach einer repräsentativen Einleitung wie eine Diva mit dramatischer musikalischer Rhetorik eingeführt. Benjamin Schmid, der gebürtige Wiener, der seit vielen Jahren in Salzburg lebt und unterrichtet und in der Klassik ebenso zu Hause ist wie im Jazz und in der Improvisation, meistert den Solopart mit traumwandlerischer Sicherheit, sind doch die Themen wie nebenbei eingebunden in höchsten spieltechnischen Anspruch mit Doppelgriffen, Flageoletts, Pizzicato und einen spielerischen Dialog mit dem Orchester.
Benjamin Schmid überhöht das alles noch mit einer aberwitzigen eigenen Solokadenz wie ein Gaukler und Artist auf dem Hochseil, der noch dazu in aller Leichtigkeit pfeift. Dafür bekam er nach dem ersten Satz sogar einen „Szenenapplaus“!

Mit einer mächtigen Einleitung bereiteten die Bläser im zweiten Satz den Boden für das innige und farbenreiche Solo, das die Gruppe der Streicher mit zartem Pizzicato begleitete, als hätte Paganini hier sein zweites Instrument, die Gitarre, eingesetzt. Mit Schalk und Souveränität meisterten Benjamin Schmid, Leo McFall und das SOV das bekannte „La Campanella“-Rondo mit Glöckchen-Echo, effektvoller Cabaletta samt Schleifern, Flageoletts und strahlender Stretta. Auch in seiner Paganini-Zugabe begeisterte Benjamin Schmid mit brillanter Bogentechnik und Ausdruckskraft.

Sonne und Saltarello

Als junger Mann hat sich Felix Mendelssohn Bartholdy auf die klassische Bildungsreise nach Italien begeben. Festgehalten ist sie nicht nur in zahlreichen Briefen und Aquarellen, sondern auch in seiner vierten Symphonie, die im ersten Satz die italienische Sonne einzufangen scheint und im letzten Satz einen Saltarello wirbeln lässt.
Mit dem schlank besetzten Orchester präsentierte der britische Dirigent Leo McFall den fröhlichen Puls mit schöner Artikulation und klaren Linien. Im langsamen Satz, der vielleicht eine Verbeugung vor Mendelssohns verstorbenem Lehrer Carl Friedrich Zelter ist, ließ er die Holzbläsergruppe über den Streichern aufblühen, im Menuett mit Horn-Trio zeigte sich Mendelssohns Verbundenheit mit der Wiener Klassik.

Statt mit Donauwalzer und Radetzkymarsch ließ Leo McFall sein Orchester mit dem Saltarello-Finale ins neue Jahr tanzen, federleicht, fein differenziert in der Dynamik und warm im Klang. Das Publikum in Salzburg feierte die Gäste ausgiebig, das Publikum im Ländle darf schon Mitte Jänner gespannt sein auf die konzertante Interpretation von Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ mit dem ungarischen Bariton Gábor Bretz und der irischen Sopranistin Paula Murrihy.

Von Katharina von Glasenapp

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