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Höchstens 72 Stunden ohne Strom

10.01.2023 • 18:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Was in der Broschüre des Landes zum Thema Blackout alles drinnen steht.

Das Thema Blackout stand am Dienstag im Fokus beim ersten Pressefoyer des Jahres.

Landeshauptmann Markus Wallner, Sicherheitslandesrat Christian Gantner sowie Andrea Kaufmann, Präsidentin des Gemeindeverbands und Dornbirner Bürgermeisterin, (alle ÖVP) haben dabei eine neue Informationsbroschüre vorgestellt, die an alle Haushalte verteilt wird. Ebenso haben die Politiker gemeinsam mit Anton Gögele, Geschäftsführer der Firma „securplan“, über die Notfallplanung des Landes in Sachen Blackout informiert.

Keine Panik

Die Lage im Bereich der Stromversorgung bezeichnete der Landeshauptmann als „entspannt“. Zwar habe es nach Stresstests im vergangenen Herbst gewisse Unsicherheiten über die weitere Entwicklung im Winter gegeben – etwa in Zusammenhang mit den französischen Atomkraftwerken. Die bisher milden Temperaturen hätten jedoch zu einem niedrigeren Stromverbrauch als üblich geführt. Dennoch gelte es, sich bezüglich eines Blackouts zu wappnen. Denn ein solcher könne durchaus vorkommen, wie sich beispielsweise im Jahr 2003 in Italien oder auch 2021 in Kroatien gezeigt habe, meinte Wallner. Einen Grund zur Panik gebe es jedoch nicht.

Christian Gantner, Markus Wallner, Andrea Kaufmann und Anton Gögele (von links) haben die Broschüre vorgestellt. <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Christian Gantner, Markus Wallner, Andrea Kaufmann und Anton Gögele (von links) haben die Broschüre vorgestellt. VLK/Serra

In Vorarlberg gehen die Verantwortlichen davon aus, dass ein Blackout hierzulande maximal 72 Stunden dauert. Vorteilhaft sei hier, dass es mit den Illwerke vkw einen landeseigenen Energieversorger gebe. Dadurch sei es möglich, innerhalb kurzer Zeit einen Inselbetrieb aufzubauen. Für Haushalte sei es daher empfehlenswert, zumindest eine Versorgung der Familie für drei Tage ohne Strom sicherzustellen. Zu beachten sei auch, dass es in den darauf folgenden Tagen noch zu Stromausfällen oder Problemen in den Versorgungsketten für Güter und andere Leistungen kommen könne.

Wenn entweder mehr als 50 Prozent der Stromabnehmer im Land nicht mehr versorgt werden können, oder der Strom in Vorarlberg für mindestens drei Minuten komplett ausfällt, sodass Netzwiederaufbaupläne aktiviert werden müssen, spricht man in Vorarlberg von einem Blackout. <span class="copyright">Hartinger</span>
Wenn entweder mehr als 50 Prozent der Stromabnehmer im Land nicht mehr versorgt werden können, oder der Strom in Vorarlberg für mindestens drei Minuten komplett ausfällt, sodass Netzwiederaufbaupläne aktiviert werden müssen, spricht man in Vorarlberg von einem Blackout. Hartinger

Die Politiker appellierten an die Bevölkerung, die Informationsbroschüre ernst zu nehmen, in Ruhe durchzulesen und nicht bis zum eintretenden Notfall in eine Schublade zu legen. Neben allgemeinen Informationen und den Planungen des Landes zum Thema Blackout finden sich in dem Druckwerk auch Checklisten und Tipps für die eigene Notfallplanung.

Sich im Vorfeld kundig machen

Sich im Vorfeld kundig machen. Zu dieser gehört auch, sich in der eigenen Heimatgemeinde über Notruf-Melde- und die Betreuungsstellen zu informieren. Erstere sind Anlaufstellen, um Notrufe abzusetzen, bei Zweiteren gibt es Informationen und Verhaltensregeln zur aktuellen Lage. Die Adressen der Standorte können in der Broschüre notiert werden. Geraten wird den Bürgerinnen und Bürgern zudem, sich etwa bei der Gemeinde über die Verfügbarkeit von Wasser- und Abwasserversorgung im Falle eines Blackouts kundig zu machen. Auch diese Informationen sollen in dem Druckwerk festgehalten werden.

Lebensmittelmärkte zu, Großtunnel geschlossen

Unter dem Titel „Was passiert während eines Blackouts in Vorarlberg?“ werden in der Broschüre auch die Auswirkungen auf unterschiedlichste Lebensbereiche aufgezeigt. Einige Beispiele:

Öffentlicher Verkehr. Busse sind im Falle eines Ausfalls der Netzstromversorgung am Tag des Ausfalls noch im Einsatz. Im Kleinwalsertal kann der öffentliche Busverkehr je nach Taktung sogar noch mindestens drei Tage aufrecht erhalten werden. Züge fahren bei einem überregionalen Blackout noch bis zum nächsten Bahnhof. Gibt es nur einen regionalen Stromausfall in Vorarlberg, soll der Zugverkehr in eingeschränkter Form aufrecht erhalten werden.

Straßenverkehr. Die Straßen und Verkehrswege im Land können trotz Blackout weiterhin genutzt werden. Ampeln und Signalanlagen fallen jedoch aus, weshalb an den entsprechenden Kreuzungen die ganz normalen Vorrangregelungen gelten. Auch die öffentliche Beleuchtung fällt bei einem Blackout aus. In Großtunnelanlagen ab einer Länge von 500 Metern bleiben wichtige elektrische Anlagen mittels Notstromversorgung noch 80 Minuten in Betrieb. Der Pfänder-, City-, Passür-, Amberg-, Achrain- und Arl­bergtunnel werden jedoch „leer“ gefahren und dann geschlossen. Für Notfälle wie etwa Krankentransporte auf der Straße nach Innsbruck könne der Arlbergtunnel von Rettungsorganisationen jedoch genutzt werden, sagte Anton Gögele.

Lebensmittelhandel. Am Tag des Blackouts sperren die beiden Lebensmittelhändler Spar und Sutterlüty ihre Geschäfte zu. Am folgenden Tag werden diese jedoch wieder geöffnet, und es erfolgt eine Notausgabe mit einem eingeschränkten Sortiment von Lebensmitteln. Eine ähnliche Vorgehensweise wird auch bei anderen Lebensmittelhändlern und Diskontern angedacht.

Kommunikation. Große Teile der Festnetz- und Mobiltelefonie sowie des Internets dürften bei einem Blackout nach rund 30 Minuten ausfallen. Als Quelle für aktuelle Informationen dient im Notfall ORF Radio Vorarlberg. Der Empfang ist über ein batteriebetriebenes Radiogerät, ein Autoradio oder ein Kurbelradio möglich. Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle sowie der Polizeinotruf bleiben in Betrieb. Notrufe können jedoch nur noch über die Notruf-Meldestellen in der Gemeinde abgesetzt werden.

Die Information der Bevölkerung ist nur ein Teil eines Prozesses, der vom Land im September 2021 gestartet wurde, um sich für einen möglichen Blackout zu rüsten, berichtete Gögele. So seien beispielsweise die Ist-Situation in Sachen Stromversorgung analysiert oder zahlreiche Gespräche mit Institutionen aus unterschiedlichsten Bereichen wie etwa der Telekommunikation, der Lebensmittelversorgung, dem Verkehr oder auch der Einsatzorganisationen geführt worden.

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