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Altacher Suche nach mehr Konstanz

12.01.2023 • 13:11 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
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Atdhe Nuhiu erzielte im Herbst wettbewerbsübergreifend zehn Tore. GEPA/Lerch

Der SCR Altach nimmt heute wieder das Mannschaftstraining auf – am 12. Februar geht für den SCRA mit einem Heimspiel gegen den LASK weiter. Eine Bestandsaufnahme.

Die Saison der Altacher steht im Zeichen des Umbruchs. Nachdem Ludovic Magnin im Frühjahr am letzten Spieltag den Klassenerhalt mit dem SCRA schaffte, verließ der Schweizer die Rheindörfler und wechselte zu seinem Heimatklub Lausanne-Sport. Als dessen Nachfolger präsentierten die Altacher am 17. Juni, und damit am Ende der ersten Vorbereitungswoche auf die neue Saison, den ehemaligen Weltstar Miroslav Klose. Die Verpflichtung des einstigen DFB-Torjägers löste in Altach eine Euphoriewelle aus, mit der man die Schatten des Fast-Abstiegs vertreiben konnte.

Miroslav Klose gibt in Altach die Richtung vor. <span class="copyright">GEPA</span>
Miroslav Klose gibt in Altach die Richtung vor. GEPA


Auch auf der Führungsebene des Vereins gab es Umstrukturierungen. Der Sportliche Leiter Werner Grabherr kündigte am 8. September nach dem siebten Bundesliga-Spieltag seinen Rücktritt per Mitte Oktober an – wegen öffentlicher Anfeindungen, wie es seitens des Vereins hieß. Zum Zeitpunkt der Rücktrittsankündigung lag der SCR Altach auf dem letzten Platz und hatte wettbewerbsübergreifend fünf Spiele in Folge verloren. Im ÖFB-Cup schied man dabei nach einer inferioren Leistung und einer 0:3-Niederlage bei Admira Wacker aus.

Werner Grabherr kündigte im September seinen Rücktritt als Sportlicher Leiter an und verließ den SCRA per Mitte Oktober. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Werner Grabherr kündigte im September seinen Rücktritt als Sportlicher Leiter an und verließ den SCRA per Mitte Oktober. Dietmar Stiplovsek

Als Nachfolger Grabherrs wiederum präsentierten die Altacher schon am 20. Oktober nach einer kurzen, aber intensiven Suche Georg Festetics. Der 38-jährige Tiroler hatte von 2013 bis 2021 für den AS Monaco gearbeitet, wo er ab 2017 als Head of International Football fungierte. Im Sommer 2021 machte sich Festetics selbstständig und gründete die Agentur Agentur Munegu Sport.
Zudem nützte Altach die Chance des Neuanfangs dafür, die sportliche Leitung auf mehrere Schultern zu verteilen. Festecis bekam Vereinsikone Philipp Netzer, der die Schnittstelle zur Akademie bilden soll, und Wolfgang Meier als Chefscout zur Seite.
Ein guter Schritt, der die Altacher, zumindest was die Struktur an sich betrifft, auf ihrem Weg der Professionalisierung weiterbringen dürfte. Der Erfolg oder eben Misserfolg wird dann das Urteil über die handelnden Personen an sich fällen.

Altachs neuer starker Mann im sportlichen Bereich: Georg Festetics.  GEPA/Lerch
Altachs neuer starker Mann im sportlichen Bereich: Georg Festetics. GEPA/Lerch

Holpriger Start

Viele Veränderungen gab es auch in der Mannschaft. Mit Netzer beendete im Sommer der Langzeitkapitän seine Karriere und hinterließ vor allem als Führungsspieler ein Vakuum. Mit Ginaluca Gaudino, Christoph Monschein und Mickaël Nanizayamo verließen nebst vielen Ergänzungsspieler auch drei Stammspieler die Rheindörfler.
Neu nach Altach kamen im Sommer die potenziellen Leistungsträger Guy Dahan, Amankwah Forson, Lukas Gugganig, Jan Jurcec, Alexis Tibidi, zudem kehrte der Alberschwender Lukas Jäger zum SCRA zurück.
Dass bei so vielen Änderungen alles seine Zeit braucht, ist selbsterklärend – zumal Jurcec, Jäger, Tibidi und Forson erst spät dazu kamen. Trainer und Mannschaft mussten sich zu Beginn der Saison erst mal finden. Das wurde deutlich, als der SCRA beim Ligaauftakt in Hartberg eine 1:2-Niederlage hinnehmen musste. Viele Dinge habe sich die Mannschaft selbst zuzuschreiben, betonte Klose im Laufe der Herbstrunde immer wieder. „Wenn wir es schaffen, diese Fehler abzustellen, dann sieht alles schon viel besser aus.“
Den ersten Sieg feierte man am dritten Spieltag zu Hause gegen Austria Wien, als die Rheindörfler einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg verwandelten. Mit jeder Trainingswoche stimmten sich die Spieler mehr aufeinander ein. Standards gelangen besser, ebenso das Umschaltspiel.

Forson hat für viel Tempo gesorgt. <span class="copyright">GEPA/Lerch</span>
Forson hat für viel Tempo gesorgt. GEPA/Lerch

Stark gegen gute Gegner

Auffällig war vor allem eins: Gegen Top-Teams wie Salzburg oder Graz konnte der SCRA zumeist Paroli bieten. Gegen Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte, mit denen man zumindest auf Augenhöhe sein müsste, haperte es dafür umso mehr. Weil – und das ist die taktische Erklärung – Teams wie Hartberg, Klagenfurt oder Tirol tief standen und den Altachern keine Räume für ihr Umschaltspiel gaben. Gegen Salzburg verlor man zwar mit 2:3, Spieler wie Tibidi und Forson brachten den Serienmeister mit ihrem Tempo aber ins Wanken.
Ein anderer Grund für die Leis­tungsschwankungen kann durchaus auch gewesen sein, dass die Altacher die Spiele gegen die Teams aus der zweiten Tabellenhälfte nicht mit der selben Intensität angegangen sind als zum Beispiel das Highlight-Duell mit dem Meister. So oder so, Klose muss im Frühjahr eine Lösung für Altachs Schwächen gegen die vermeintlich leichteren Gegner finden. Besonders schmerzhaft war für Altach die 1:2-Heimniederlage gegen Austria Lustenau am 20. August. Es war das erste Bundesliga-Derby der Klubgeschichte und das erste Pflichtspiel gegen die Grün-Weißen seit dem 9. Mai 2014.


In der Spätphase der Herbst­runde stabilisierten sich die Altacher dann merklich und holten aus sieben Spielen zehn Punkte, womit man sich bis auf Platz zehn verbesserte. Die Bilanz trübte allerdings die neuerliche Derbyniederlage gegen Austria Lustenau. Dieses Mal verlor man im Reichshofstadion gar mit 0:3. Trotzdem: Mit 15 Punkten, einem Torverhältnis von 20:34 und Platz zehn stehen die Rheindörfler deutlich besser da als zur Winterpause im Vorjahr: Damals hatte man als Tabellenletzter 13 Punkte, bei nur zehn erzielten Treffern. Es gab also sehr wohl eine Entwicklung unter Klose beim SCRA.


Stärken und Schwächen

Die wohl größten Probleme hat das Team in der Defensive. So enttäusche Osnabrück-Zugang Gugganig und kam ab dem zehnten Spieltag nur mehr zu einem Kurzeinsatz von zwei Minuten. Schon nach dem fünften Spieltag, also just nach der ersten Derbyniederlage, verlor er seinen Stammplatz. Klose zog Linksverteidiger Nosa Edokpolor statt Gugganig nach innen, erst bekam links hinten Emanuel Schreiner eine Chance, dann Dominik Reiter, nach dessen Kreuzbandriss gab Schreiner wieder den Linksverteidiger. Bis Klose am elften Spieltag nach der Rückkehr von Felix Strauss auf Dreier- bzw. Fünferkette umstellte. Im Tor erwies sich Tino Casali nicht als Ideallösung, auch, weil er große Schwächen beim Spielaufbau offenbarte.

Lukas Gugganig hatte oft kein Zugriff aufs Spiel. <span class="copyright">GEPA/Lerch</span>
Lukas Gugganig hatte oft kein Zugriff aufs Spiel. GEPA/Lerch


In der Offensive glänzte allen voran Knipser Atdhe Nuhiu. Der Brecher im Sturmzentrum erzielte im Herbst zehn Pflichtspieltore, nach ruhenden Bällen war der Kosovare oft nicht zu verteidigen – ein anderes Erfolgsrezept waren Flanken von Manuel Thurnwald. Außer Nuhiu erzielte bei den Altachern nur noch Tibidi (fünf Treffer) mehr als zwei Tore. Was die Altacher zu ausrechenbar machte. Zumal der Israeli Dahan, dessen Verpflichtung sich die Altacher dem Vernehmen nach einiges kosten ließen, kein Profi-Niveau bewies und inzwischen wieder in seine Heimat in die zweite Liga zurückgekehrt ist. Gut, dass der SCRA so schnell gehandelt hat.
Eine unliebsame Überraschung in der Winterpause war dagegen, dass Salzburg die Leihe von Forson per sofort beendet hat. Dadurch ist den Rheindörflern ein wichtiger Tempo-Macher in der Offensive abhandengekommen, Forson kam auf ein Tor und fünf Vorlagen. Mit Jurcec ist aber ein anderer wichtiger Offensivspieler noch da, obwohl der Kroate angeblich bei Sampdoria Genua und Atalanta Bergamo auf dem Wunschzettel stehen soll. Stark.

Jan Jurcec hat sich stark entwickelt. <span class="copyright">GEPA</span>
Jan Jurcec hat sich stark entwickelt. GEPA

Neuzugänge

Ein Ausrufezeichen haben die Altacher durchaus auch auf dem Winter-Transfermarkt gesetzt. Am Dienstag gab der SCRA die Verpflichtung des 20-jährigen dänischen Torhüter Andreas Jungdal bekannt. Der U21-Nationalspieler kommt per Leihe vom AC Milan, wo er bei elf Champions-League-Spielen als Ersatz-Torhüter im Kader stand. Jungdal hat die Rückennummer eins bekommen, was darauf hindeutet, dass er gute Chancen auf Einsätze hat. Die Altacher haben eine Kaufoption.
Gespannt darf man sein, welche Rolle mit Mike-Steven Bähre der andere SCRA-Winterneuzugang spielen wird. Der 27-jährige Deutsche ist in der Offensive flexibel einsetzbar. Bähre war zuletzt vereinslos, davor spielte er unter anderem für den SV Meppen in der 3. deutschen Liga. Rund ums Schnabelholz heißt es, dass zumindest noch ein Innenverteidiger kommen soll. Und womöglich findet Festetics ja auch noch einen Offensivspieler, der die Altacher variabler macht. Dann klappt es vielleicht auch mit dem anvisierten Angriff auf den Strich, auf Platz sechs fehlen sechs Punkte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man sich nach der Ligateilung in der Qualifikationsgruppe wiederfindet.

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