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Über den Aktivismus der Generation Z

12.01.2023 • 18:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einblicke in die Inszenierung von "No Planet B" <span class="copyright">Brigitta Weizenegger</span>
Einblicke in die Inszenierung von "No Planet B" Brigitta Weizenegger

Das Theater Lindau präsentierte „No Planet B“, das neue Stück von Nick Wood über den Klimaschutz-Aktivismus der Jungen.

Mit Transparenten beladen und lautstarkem Protest kommt die Mutter Meg mit ihren beiden Töchtern im Teenageralter auf die Bühne. Alle drei haben sich dem Klimaschutz verschrieben. Die jüngere Alex spielt Geige mit einer Flasche als Bogen. Auf eine Ansprache in der Schulmensa folgt Schweigen. Ein Erdball hängt von der Decke und vor den Bildern der Klimaschäden diskutieren sie über die aktionistischen Handlungen, um Aufmerksamkeit für die Klimaziele zu erreichen. Die ältere Schwester Chris wird nach einem Interview auf einer Demo unerwartet zur Social Meida Influencerin und atmet aus Panik in eine Papiertüte. Und auch der Autor selbst meldet sich zu Wort, anfangs in einer schriftlichen Erklärung, später als körperlose Stimme, um auf das dringende Thema aufmerksam zu machen. Denn „Nicht alles fängt mit Greta Thunberg an.“

Der inszenierte Schulstreik fürs Klima <span class="copyright">Brigitta Weizenegger</span>
Der inszenierte Schulstreik fürs Klima Brigitta Weizenegger

Historisches Scheitern

Während das Sprechtheaterstück „No Planet B“ in der heutigen Zeit angesiedelt ist und in das Leben der jungen Klimaaktivsten eintaucht, die mit Greta Thunberg, der Fridays for Future Bewegung und einem starken Bewusstsein für den Klimawandel heranwachsen und in der Schule zur Mobilisierung aufrufen, lenkt der Autor Nick Wood die Aufmerksamkeit auch auf die vergangenen Versäumnisse und das historische Scheitern im Kampf gegen die Klimakatastrophe der 80er Jahre. Das Geschehen wechselt zwischen den Ereignissen im Leben der Aktivisten und den nachgespielten Vorgängen und Dialogen rund um die missglückte Klimakonferenz im November 1989, die es nicht schaffte, die geplante Limitierung des CO2-Ausstoßes durchzusetzen.
In einem Word-Dokument schreibt der Autor die Dialoge vor, denen die Figuren nicht folgen wollen. „Losing Earth“ von Nathaniel Rich sollen die Schwestern lesen, denn auch dieses Buch wird in das Stück einfließen. Mit den Köpfen des Umweltlobbyisten Rafe Pomerance, des NASA-Wissenschaftlers James Hansen und des Politkers Al Gore auf ihren Fahrradhelmen inszenieren Meg, Alex und Chris deren Ansprachen und schildern detailliert, wie beim Klimagipfel in Noordwijk alle Entscheidungen auf die Zukunft verschoben wurden.

Aktion der Aktivistin in der Nacht <span class="copyright">Brigitta Weizenegger</span>
Aktion der Aktivistin in der Nacht Brigitta Weizenegger

Durch die vielen teils zusammenhanglosen Ereignisse, den schnell wechselnden Szenen und dem Verschwimmen der Figuren zwischen heutiger Zeit und Vergangenheit wirkt das Stück in der Inszenierung von Silvia Armbruster fast überladen und auch das umfangreiche dramatisch aufbereitete Wissen um den Klimawandel fordert von den Zuschauern höchste Aufmerksamkeit.
Julia Jaschke (Meg) überzeugt mit ihrer Wandelbarkeit und Stephanie Marin (Chris) und Lara Waldow (Alex) spielen sehr authentisch die empörten und unaufhaltsamen Teenager. Neben humorvollen Interpretationen des Protestlieds „Bella Ciao“ und ironischen Momenten bringt das Stück den aktivistischen Zeitgeist der aktuellen Klimabewegungen auf die Bühne und zeigt Figuren, die im Kampf für ihre Überzeugungen konsequent radikale Schritte setzen.

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