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Kein Grund für niedrigere Preise bei Immobilien

21.01.2023 • 18:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vorarlberg befindet sich in einer „Binnensituation“.  <span class="copyright">Shutterstock</span>
Vorarlberg befindet sich in einer „Binnensituation“. Shutterstock

Immobilien dienten in den vergangenen Jahren vermehrt nicht nur zum Selber-­bewohnen, sondern auch als Anlage.

Wohnraum als Anlageprodukt?“ ist das Thema eines Studientages, der am Freitag, 27. Jänner, im vai Vorarlberger Architektur Institut in Dornbirn stattfindet (siehe dazu rechts unten). Eine Thematik, die in Vorarlberg einiges an Aktualität besitzt und auch in Zukunft haben dürfte.

Investitionen in Immobilien

Besonders in den vergangenen Jahren hätten Investoren sehr intensiv Anlageimmobilien gekauft, berichtet Ambros Hiller von seinen Erfahrungen. Hiller ist seit 1995 selbstständig als Immobilienmakler und Sachverständiger mit einem Büro in Bregenz tätig und ist auch stellvertretender Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögens­treuhänder in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Ein Grund für die gestiegenen Investitionen in Immobilien sei gewesen, dass „es auf dem Sparbuch keinen Zins gab“, also andere Anlageformen kaum Gewinne abgeworfen hätten, ist sich Hiller diesbezüglich mit anderen Experten einig. Als primäres Argument sieht der Bregenzer Immobilienmakler allerdings die Angst vor einer Inflation bzw. diesbezügliche Überlegungen.

Immobilienexperte Ambros Hiller in seinem Büro in Bregenz. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Immobilienexperte Ambros Hiller in seinem Büro in Bregenz. Klaus Hartinger

Interesse ist vorhanden

Seit letztem Jahr habe sich die Situation im Hinblick auf Anlagekäufe zwar ein bisschen abgeschwächt, so Hillers Erfahrungen. Aber: „Das Interesse ist nach wie vor da, und es wird auch gekauft, vielleicht etwas verzögert.“ Die seit einiger Zeit kursierenden Meldungen, dass die Preise bei Immobilien rückläufig seien, sind für den Experten indes nicht wirklich nachvollziehbar. „Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum die Preise reduziert werden sollten“, sagt er.

Von einem Preisverfall könne keine Rede sein, weil Leute nach wie vor ihr Geld in Immobilien investieren würden. Dazu komme auch, dass Vorarlberg in einer „Binnensituation“ sei und nicht unbedingt mit dem Rest Österreichs vergleichbar, so die Einschätzung des Fachmanns. Hierzulande gebe es nach wie vor sehr erfolgreiche Unternehmen und qualifizierten Zuzug und damit auch Menschen, die sich etwas leisten könnten. Die Nachfrage nach Anlageobjekten sei daher immer noch da, sagt Hiller. Er selbst habe etwa bereits im heurigen Jahr schon Immobilien an Investoren verkauft.

Leute würden nach wie vor Geld in Immobilien investieren. (Symbolbild)<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Leute würden nach wie vor Geld in Immobilien investieren. (Symbolbild)Klaus Hartinger

Lage spielt große Rolle

Wenn es um Investorenprojekte geht, liegt der Fokus besonders auf Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen, die sich langfristig gut vermieten lassen. Diese seien stark gefragt, berichtet der Experte. Dabei spielten auch die „3 L“ der Branche eine große Rolle: Lage, Lage, Lage. Dafür würden die Investoren auch gute Preise zahlen.

Eine Rendite gibt es dabei allerdings schon seit Jahren nicht mehr wirklich, so Hiller. Das sei auch nicht mehr das Hauptargument für den Kauf. Die hohen Kaufpreise würden eine Rendite nicht mehr zulassen, weil dafür die Mietpreise dementsprechend erhöht werden müssten. „Wenn man mit der Miete in einer Renditenhöhe ist, findet man keine Mieter mehr.“ Vielmehr gehe es nach wie vor um das „Betongold“.

Verlagerungen

Daher dürfte es laut Hiller hierzulande auch in Zukunft kaum Rückgänge bei Anlageimmobilien geben, allenfalls Verlagerungen. In Vorarlberg bestehe der diesbezügliche Markt zu einem Teil auch aus vielen Kleininvestoren, erläutert der Experte. Diese könnten nun aufgrund gestiegener Zinsen und erschwerter Kreditbedingungen teilweise wegfallen. Allerdings könnte es sein, dass die großen Investoren diese Ausfälle wieder auffangen, so die Einschätzung des Fachmanns.

Objekt aus einer Ausstellung in Brno/Brünn.<span class="copyright"> Jan Prokopius</span>
Objekt aus einer Ausstellung in Brno/Brünn. Jan Prokopius

Studientag: ” Wohnraum als Anlageprodukt?”

Wohnungen werden immer weniger für ihren Gebrauchswert und immer mehr für ihren Tauschwert, die Wertsteigerung und die Rendite, die sie abwerfen, geschätzt, heißt es in einer Aussendung des vai Vorarl­berger Architektur Instituts. Ob nun sogenannte Vorsorgewohnungen, Ferienimmobilien, Seniorenresidenzen oder Studentenwohnheime – seit der Finanzkrise 2008 werde Wohnraum verstärkt für Anlegerinnen und Anleger produziert, so die Analyse.

Daher veranstaltet das vai am 27. Jänner (14–18 Uhr) einen Studientag zum Thema „Finanzialisierung“ – mit dem Titel „Wohnraum als Anlageprodukt?“ Vorträge gibt es dabei von Susanne Heeg (Goethe Universität Frankfurt a.M.), Leonhard Plank (Technische Universität Wien), Anita Aigner (Technische Universität Wien) und Wolfgang Amann (Institut für Immobilien Bauen und Wohnen, Wien). Eine Anmeldung ist notwendig, die Teilnehmer/innenzahl ist mit maximal 25 Personen begrenzt

Impulsvortrag und Podiumsdiskussion

Im Anschluss findet ab 19 Uhr eine offene Abendveranstaltung mit Impulsvortrag – Susanne Heeg: „Was tun? Der Wohnungsmarkt und seine Regulierung“ – und Diskussion statt. An der Podiumsdikussion nehmen neben Heeg, Aigner und Wolfgang Amann auch Wilfried Amann (Vorstand Hypo Vorarlberg) und Benedikt Erhard (Gemeinde Lans in Tirol) teil. Es moderiert Verena Konrad. Eine Anmeldung dazu ist nicht notwendig, der Eintritt ist frei.

Informationen: www.v-a-i.at

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