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„Wir sind keine Oase mehr für die Spieler“

21.01.2023 • 23:34 Uhr / 21 Minuten Lesezeit
Thomas Janeschitz und Eric Orie öffnen dem FC Dornbirn neue Türen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Thomas Janeschitz und Eric Orie öffnen dem FC Dornbirn neue Türen. Hartinger

FCD-Trainer Thomas Janeschitz und FCD-Sportdirektor Eric Orie über Neues und Altbekanntes beim FC Dornbirn.

Es gab im Sommer einen Komplettumbruch beim FC Dornbirn. Trotzdem steht Dornbirn mit Ihnen als neuer Trainer mit 20 Punkten auf dem 10. Platz in der 2. Bundesliga und erreichte das ÖFB-Cup-Achtelfinale. Kann man von einem gelungenen Umbruch sprechen?
Thomas Janeschitz: Es haben uns sicher nicht viele zugetraut, dass wir mit den komplett neuen Strukturen im Verein, der neuen Ausrichtung und dem neuen Kader so viele Punkte holen – und auch noch attraktiven Fußball spielen. Eric hat im Sommer einen völlig neuen Kader aus dem Boden gestampft, das war eine Maximalleistung, da möchte ich ein Kompliment aussprechen. Er hat nämlich nicht nur Spieler mit Qualität geholt, sondern auch menschlich ein hervorragendes Team zusammengestellt.

Eric Orie: Ich bin ein bisschen ein gebranntes Kind. Denn ich bin ja hier schon einmal mit einer vergleichbaren Mission angetreten, in der Saison 2021/22. Damals sollte ich als Trainer sehr stark in die Kaderplanung und die Vereinsausrichtung eingebunden werden, mit dem Ziel, dass wir professionellere Strukturen schaffen. Wenn du in der 2. Liga als Verein immer noch wie ein Regionalligist aufgestellt bist und auch wie ein Regionalligist denkst, dann geht das zwei, drei Jahre gut, aber sobald die Euphorie weg ist, wird es sehr schwierig – und erfahrungsgemäß von Jahr zu Jahr noch schwieriger. Der Verein war aber in der Saison 2021/22 mit dem alten Vorstand nicht bereit, die Neuausrichtung rigoros umzusetzen.

Janeschitz und Orie beim NEUE-Interview. <span class="copyright">Hartinger</span>
Janeschitz und Orie beim NEUE-Interview. Hartinger

Jetzt ist der Verein bereit für diesen Schritt?
Orie: Ja. Dieses Mal ist alles anders. Der neue Präsident Hubert Domig und Vizepräsident Andreas Genser haben mir den klaren Auftrag gegeben, den Verein als Sportdirektor ins Profitum zu führen, damit habe ich sofort nach der Vorstandswahl im April losgelegt. Die wichtigste Entscheidung war die Bestellung des neuen Trainers. Ich bin sehr stolz und sehr froh, dass ich Thomas von unserem Weg überzeugen konnte. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander, wir sehen ganz viele Dinge genau gleich, die Konstellation passt einfach zum Verein, das merkt man auf und neben dem Platz.

Janeschitz: Ich finde auch, dass die Konstellation passt. Eric und ich sitzen jeden Tag vier, fünf Stunden zusammen, dieser intensive Austausch gefällt mir sehr gut. Wir analysieren gemeinsam die Spiele, und ich denke, wir gehen im sportlichen Bereich gemeinsam voran. So was ist selten im Fußball.

Die zweiten Mannschaften der Bundesligisten außen vorgelassen hat der FC Dornbirn die zweitjüngste Mannschaft der Liga. Ist das die einzig mögliche Nische für den FC Dornbirn, gerade auch neben den zwei Bundesligisten Altach und Austria?
Orie: Der neue Vorstand und ich haben gemeinsam eine Vision entwickelt. Wir sehen uns als Sprungbrett für die Spieler, nicht als sicheren Hafen oder sogar eine Oase für Spieler, die auf dem Niveau sonst nirgendwo mehr unterkommen. Wenn ein Spieler fünf Jahre beim FC Dornbirn bleibt, dann hat das in den allermeisten Fällen viel mehr mit seinem Potenzial als mit Vereinstreue zu tun. Wir wollen und brauchen Spieler, die etwas bewegen wollen, Spieler, die zum FC Dornbirn kommen und sich hier für andere Vereine empfehlen wollen. Wie Renan oder Lars Nussbaumer, der bei uns durchstartet.

Das klingt in der Tat wie ein kompletter Kurswechsel.
Orie: Das soll nicht heißen, dass in den vergangenen Jahren schlecht gearbeitet wurde beim FC Dornbirn. Man ist aufgestiegen, hat die Klasse zwei Mal über die sportlichen Leistungen gehalten, aber in der Vorsaison wäre man als Tabellenletzter kerzengerade abgestiegen, man ist noch in der Liga, weil andere Vereine Probleme bekommen haben. Das meine ich eben: Zwei, drei Jahre kannst du in der 2. Liga schon überstehen ohne Profitum, aber auf Dauer bleibst du nicht in der 2. Liga, wenn du nicht bereit bist, den Verein weiterzuentwickeln. Zumal inzwischen alle anderen Zweitligisten einen Profibetrieb haben. Wenn du wöchentlich drei Trainingseinheiten weniger hast als die Konkurrenz, dann macht das in einer Saison schon einen großen Unterschied aus. Rechnet man das hoch auf zwei, drei Jahre entsteht ein Trainingsrückstand, den man einfach nicht mehr ausgleichen kann, dann steigst du ab. Wir haben das Profitum sicher auf unsere eigene Art und Weise in Dornbirn eingeführt, aber wir haben jetzt einen Profibetrieb.

Janeschitz und Orie wissen genau, was sie wollen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Janeschitz und Orie wissen genau, was sie wollen. Hartinger

Nach welchen Kriterien haben Sie die Mannschaft zusammengestellt?
Orie: Wir schauen zuerst im Verein, ob wir einen Spieler mit Potenzial haben, dann in Vorarlberg, danach in Österreich – und erst ganz zum Schluss, wenn es in ganz Österreich keinen Spieler gibt, der uns weiterbringt und den wir uns leisten können, erst dann sondieren wir den ausländischen Markt. Wir müssen unseren eigenen Nachwuchsspielern eine Perspektive geben. Wenn die jungen Spieler beim FC Dornbirn das Gefühl haben, dass sie sowieso nie eine Chance in der Kampfmannmannschaft bekommen, steuern sie auf eine Sackgasse zu. Wir als Verein ebenso.

Wie lange braucht man als Trainer, um wirklich bei einem neuen Verein anzukommen?
Janeschitz: Ich habe immer gesagt, dass man als Trainer eine Saison benötigt, um den Verein, die Spieler und das ganze Drumherum wirklich kennenzulernen und gewisse Dynamiken einschätzen zu können. Das ist natürlich sehr weit gegriffen. So viel Zeit bekommt man im Fußball nur mehr selten, aber ein halbes Jahr benötigt man auf alle Fälle. Erst dann kann man wirklich die eigenen Erkenntnisse und eigenen Ideen einbringen, erst dann kann man auch mehr mitgestalten, zum Beispiel beim Kader. Bei einem Verein ankommen heißt für mich auch, die vorhandenen Spieler, gerade auch die Talente, besser einschätzen zu können, dafür braucht man einen persönlichen Eindruck von ihrer Entwicklung. Nach einem halben Jahr ist da eigentlich nur ein Zwischenfazit möglich.

Muss man, um angekommen zu sein und den Verein wirklich zu kennen, sowohl eine erste gute als auch eine erste schlechte Phase hinter sich haben – um zu wissen, wie der Verein auf Sieges- und Niederlagenserien reagiert?
Janeschitz: Absolut. Das alles muss man erlebt haben als Trainer, um zu verstehen, wie tickt der Verein, aber auch, wie ticken die Medien, die Zuschauer, wie tickt und wie unterstützt die Stadt – und da ist in Dornbirn sicherlich noch viel zu tun auf dem Weg zur Professionalität. Uns ist aber schon gelungen, mit der Mannschaft eine Trainingskultur geschaffen zu haben, bei der man von einem professionellen Arbeiten sprechen kann – und das ist ein erster wichtiger Schritt, auf den wir stolz sein können.

Sie haben in Ihrer Trainerkarriere nicht nur als jahrelanger Co-Trainer bei der Nationalmannschaft und beim FC Basel mit gestandenen Profis gearbeitet, sondern zum Beispiel beim ÖFB und Austria Wien auch sehr lange mit Nachwuchsspielern gearbeitet. Kommt Ihnen diese Erfahrung jetzt besonders zugute?
Janeschitz: Es hilft sicherlich, denn natürlich ist es wichtig, ein gewisses Feuer zu schüren bei den jungen Spielern. Dieses Feuer brennt bei unserer Mannschaft. Die Spieler sind riesig motiviert im Training, unser Ziel muss es jetzt sein, die sehr hohe Trainingsqualität, salopp gesagt diese Geilheit auf Fußball auch in den Spielen auf den Platz zu bringen. Das ist bislang noch ein Manko, dass wir im Training mehr zeigen als im Spiel selbst.

Die Dornbirner konnten in der 2. Liga sechs Siege bejubeln. <span class="copyright">GEPA</span>
Die Dornbirner konnten in der 2. Liga sechs Siege bejubeln. GEPA

Orie: Thomas ist der ideale Mann für uns, weil er beides beherrscht – den Umgang mit erfahrenen Spielern genauso wie mit jungen Spielern. Es braucht bei uns jemanden, der Geduld hat und die Gegebenheiten annimmt. Mir hat imponiert, dass Thomas nicht gesagt hat: Ich will den Spieler und den Spieler, er hat den Verein nicht mit Wünschen überfordert, wir hatten sofort ein Grundvertrauen ineinander. Thomas, wenn du sagst, dass man mindestens ein halbes Jahr braucht, um bei einem Verein anzukommen, dann weiß ich natürlich, was du meinst. Aber ich kann dir sagen, dass du dich schon sehr gut bei uns eingelebt hast. Du verstehst den Verein schon sehr gut. Wir wissen beide, dass es Momente gibt im Verein, da muss man erst mal tief schlucken, weil einfach noch viel zu verbessern ist. Aber uns ist es beiden gelungen, den Verein zu drehen, wir haben einen Veränderungsprozess in Gang gesetzt; was möglich war, weil uns Präsident Hubert Domig den Weg dafür freigemacht hat und uns dabei unterstützt, dass wir eine neue Kultur in den Verein hineinbringen.

Was genau ist mit der neuen Kultur gemeint?
Orie: Wir werden immer ein familiärer Verein bleiben und Verständnis für die private Situation der Spieler zeigen. Wir haben sehr flache Hierarchien im Verein. Die Tür von Thomas oder von mir wird immer offen sein. Aber es kann passieren, dass wir in Zukunft die ein oder andere harte Entscheidung treffen müssen, die man vom FC Dornbirn nicht gewohnt ist. Das meinte ich vorhin, wenn ich sagte, dass wir keine Oase mehr für Spieler sein dürfen. In der Vergangenheit gab es Spieler, die sich etwas zu sicher sein konnten, dass sie hier immer einen Kaderplatz haben.

Janeschitz: Mit einer neuen Kultur meinen wir auch, dass wir ein positives Bild abgeben wollen, mit dem wir uns ligaweit und österreichweit Respekt verschaffen. Da geht es teilweise um Details, wie die Mannschaft auf und außerhalb des Platzes auftritt, es geht um die Umgangsformen, als Spieler repräsentiert man den Verein; und das nicht nur während der 90 Minuten. Sondern auch im Alltag. Vereinsseitig spreche ich da zum Beispiel davon, dass wir bei Freundschaftssielen keinen Wimpel für den Gegner haben. Das macht kein gutes Bild.

Hand aufs Herz, Herr Janeschitz: Haben Sie sich nicht mal über die doch recht einfachen Verhältnisse beim FC Dornbirn gewundert?
Janeschitz: Die Umstellung war riesig. Ich bin von Klubs gekommen, bei denen einem jeder Handgriff abgenommen wurde. Es ist wirklich überraschend, mit wie wenig Ressourcen man professionell Fußball spielen kann.

Orie: (lacht) Mit dem Satz bringst du es wirklich auf den Punkt.

Janeschitz: Man muss einfach klar ansprechen, was unter den gegebenen Umständen geht und was nicht geht. Den ein oder anderen kleinen Schritt konnten wir schon machen, am Anfang war vielleicht auch noch etwas Überzeugungsarbeit notwendig, denn man geht hier in Dornbirn schon neue Wege. Das finde ich gut.

Können Sie den Lesern ein Beispiel nennen?
Orie: Wir trainieren mittlerweile um 10 und um 16.30 Uhr. Das wäre vor einem Jahr noch völlig unvorstellbar gewesen, da trainierten um 9.30 Uhr die Studenten, und um 19 Uhr stand das reguläre Mannschaftstraining an. Was das in der aktuellen Jahreszeit heißen würde, brauche ich, glaube ich, nicht extra zu betonen. Da ist es bitterkalt, das hat nichts mit Profitum zu tun, außerdem kommen die Spieler dann nicht vor 22 Uhr nach Hause. Für den Sommer ist es unser Ziel, dass wir spätestens um 16 Uhr trainieren. Aber ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.

Janeschitz: Wir müssen uns sicher bei der Infrastruktur verbessern. Die Trainingsbedingungen sind nicht nur schlecht, sie sind gesundheitsgefährdend. Meiner Meinung nach braucht es von der Stadt Dornbirn ein klares Bekenntnis dazu, ob Profifußball in Dornbirn gewünscht ist – oder eben nicht. Sportlich, davon bin ich felsenfest überzeugt, werden wir die Klasse halten, aber wir müssen eben auch alles dafür tun, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Assistenztrainer arbeiten Teilzeit, die Physios arbeiten Teilzeit.

Die Bedingungen auf der Birkenwiese sind kaum mit einem seriösen Profibetrieb vereinbar. <span class="copyright">GEPA</span>
Die Bedingungen auf der Birkenwiese sind kaum mit einem seriösen Profibetrieb vereinbar. GEPA

Orie: Unser Torwarttrainer Markus Müller steht morgens um 5 Uhr auf, damit er seinen Job und seine Torwarttrainerarbeit verbinden kann.

Janeschitz: Charakterlich sind hier wirklich alle schwer in Ordnung. Sonst ließe sich das alles mit den wenigen Leuten gar nicht stemmen. Es macht mir großen Spaß beim FC Dornbirn, weil ich das Gefühl habe, wir können hier gemeinsam etwas bewegen und aufbauen. Die Leute können das von außen gar nicht abschätzen, was hier alle leisten. Hier muss sich wirklich jeder auch um Kleinigkeiten kümmern. Im Sommer bin ich zum Beispiel nach Lindau gefahren, um unsere Trainingssachen abzuholen. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber so was darf einfach nicht die Arbeit des Trainers sein.

Orie: Solche Sachen muss ich andauernd erledigen. (lacht)

Der Saisonstart war nach dem kompletten Kaderumbruch erwartungsgemäß schwierig, Dornbirn kassierte zunächst vier Niederlagen und spielte dann zwei Mal Unentschieden. Nun ist es eine Sache, davon ausgehen zu müssen, dass der Saisonstart holprig wird, aber eine ganze andere Sache, wenn die Befürchtungen eintreten. Wie schwierig war es, auch ob all der Rahmenbedingungen, nicht zu verzagen?
Janeschitz: Das war eigentlich gar nicht so schwierig. Wir haben zwar die ersten vier Spiele verloren, aber die Leistungen haben fast durchgängig gepasst. Wir haben die Spiele analysiert, und es gab klar nachvollziehbare Gründe, warum wir die Partien alle knapp verloren haben. Weil wir in gewissen Spielsituationen Fehler gemacht haben, aber vor allem, weil wir als Mannschaft noch Zeit brauchten, um uns zu finden. Anfangs war sicherlich auch der Konkurrenzdruck im Kader noch nicht so groß. Mit Leo Mätzler, William Rodrigues und Jan Stefanon sind drei Leistungsträger erst spät zu uns gekommen, diese Schlüsselpositionen waren zu Beginn der Saison noch offen. Ich glaube, es war jedem im Verein klar, dass wir bei dieser Ausgangsposition Zeit benötigen würden.

Orie: Wobei man festhalten muss, dass Dornbirn früher nicht der Ort war, wo es nach schlechten Resultaten ruhig geblieben ist. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber jetzt haben wir andere Strukturen. Thomas hat die Niederlagen alle klar analysiert, wie er es gesagt hat, es gab Gründe für diese Niederlagen, und wenn ich dann als Sportdirektor dem Vorstand anhand dieser Analysen erklären kann, was passiert ist und welchen Prozess wir gerade durchlaufen, dann bleibt es jetzt beim neuaufgestellten FC Dornbirn sehr wohl ruhig.

Janeschitz: Eine Befreiung war sicherlich der Ausgleich in der 96. Minute am fünften Spieltag in Lafnitz. Mit dem Tor hat sich alles gedreht, wobei ich nicht die Floskel von Glück und Pech strapazieren will. Ein sehr gescheiter Trainer, Ralph Krueger, hat mal gesagt: Glück und Pech sind die ersten Ausreden. Es gibt immer Gründe, warum man verliert, und es gibt immer Gründe, warum man gewinnt. Nach dem Lafnitz-Spiel und einem Punkt bei der Vienna wurden wir zur Überraschungsmannschaft der Liga, mit einer Serie von fünf Pflichtspielsiegen in Serie.

Der späte Ausgleich in Lafnitz setzte Kräfte frei beim FC Dornbirn. <span class="copyright">GEPA</span>
Der späte Ausgleich in Lafnitz setzte Kräfte frei beim FC Dornbirn. GEPA

Orie: So ein spätes Tor wie in Lafnitz ist besser als jedes Teambuilding, für das wir eh kein Geld hätten. (lacht) Bei der Heimreise im Bus herrschte Aufbruchstimmung, das 1:1 war wie ein gefühlter Sieg. Eine Woche später bei der Vienna haben wir ein richtig gutes Spiel gezeigt und nur wegen eines verschossenen Elfmeters nicht gewonnen. Wieder nur ein paar Tage später haben wir Hartberg zu Hause im ÖFB-Cup vom Platz gefegt. Spätestens ab da hatten wir das Momentum.

Janeschitz: Durch Siege kriegt man Selbstvertrauen, und es war nach diesen Schlüsselerlebnissen im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren, dass jeder Einzelne und auch die Mannschaft als Ganzes Vertrauen in sich gefunden hatte. Wenn dieses Vertrauen da ist, lässt sich viel leichter arbeiten.

Orie: Das Highlight schlechthin war der 6:0-Sieg bei Liefering, über das Spiel haben sie sogar in Deutschland berichtet.

Wie sehr schmerzt die Heimniederlage gegen Steyr am letzten Herbstrundenspieltag?
Orie: Ich kann diese Niederlage bis heute nicht verstehen. Da gewinnen wir 3:0 beim FAC, und dann machen wir gegen den GAK und Steyr keine Punkte.

Janeschitz: Die Niederlage gegen Steyr hat uns sehr weh getan. Wir hätten bei einem Sieg zehn Punkte Vorsprung auf Steyr gehabt, so sind es nur vier Punkte auf den ersten Abstiegsrang. Am Ende muss man einfach sachlich und realistisch bleiben und sagen, diese vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz sind genau das Niveau, auf dem wir uns als Verein derzeit bewegen.

Die Heimniederlage gegen Steyr war extrem ärgerlich. <span class="copyright">GEPA/Lerch</span>
Die Heimniederlage gegen Steyr war extrem ärgerlich. GEPA/Lerch

Wie läuft die Suche nach einen Renan-Nachfolger?
Orie: Da muss ich ausholen. Renan ist das beste Beispiel dafür, wie es bei uns laufen kann. Spieler können sich hier für stärkere Ligen, größere Klubs, bessere Verträge empfehlen. Wir akzeptieren es auch, dass sich Florian Prirsch neu orientiert hat.

Janeschitz: Sportlich tut uns sein Abgang weh, aber ich stehe hinter der Entscheidung, dass der Verein ihn verkauft hat.

Orie: Wir hätten ihn natürlich gerne bis Sommer behalten, aber das wäre bei dem Angebot unvernünftig gewesen. Die Suche nach einem Nachfolger für Renan ist im Winter natürlich noch schwieriger als im Sommer, trotzdem bin ich guter Dinge, dass wir schon sehr bald einen Spieler präsentieren können.

Was trauen Sie Marco Wieser zu, der im Winter vom SC Röthis gekommen ist?
Janeschitz: Er wird uns helfen, davon bin ich überzeugt, denn er bringt noch mehr Geschwindigkeit in unsere Mannschaft. Natürlich muss er sich noch etwas an die Trainingsintensität gewöhnen, doch das schafft er. Er wird im Frühjahr ein Faktor bei uns werden.

Orie: Ich habe im April 2022 den Tipp bekommen, dass ich mir Marco Wieser mal genauer anschauen sollte. Und weil ich sowieso Renan mindestens fünf Mal in Röthis beobachtet habe, konnte ich mir auch ein sehr genaues Bild von Marco machen. Er war zwar körperlich noch nicht bereit für einen Wechsel, aber spielerisch hat er mich beeindruckt, es kommt nicht von ungefähr, dass Marco zu einem Probetraining bei Sturm Graz eingeladen war, bei Steyr hatte ihn Daniel Madlener auf dem Schirm. Marco ist ein Vorgriff auf die Sommer-Transferperiode, genauso wie Marcel Krnjic. Wir hätten auch ohne die beiden die nötige Kaderbreite gehabt, aber wenn Spieler wie die beiden mal weg sind, dann sind sie für den FC Dornbirn nicht mehr erreichbar. Beide haben im Frühjahr die Zeit, sich an das Niveau zu gewöhnen und aufzuzeigen, dass wir ihre Position im Sommer nicht neu besetzen müssen.

Laufen im Sommer viele Verträge aus?
Orie: Nein, solange ich Sportdirektor in Dornbirn bin, wird es nie mehr dazu kommen, dass wir keinen einzigen Spieler mehr unter Vertrag haben. Wir brauchten im Sommer 25 Spieler, ich habe noch nie gehört, dass es so was schon mal gab im Fußball. William hat zum Beispiel einen Vertrag bis 2025.

Bleibt noch die Frage Herr Janeschitz, ob es eine Chance gibt, dass Sie Ihren bis Sommer laufenden Vertrag in Dornbirn verlängern?
Janeschitz: Ich kann mir durchaus vorstellen, über den Sommer hinaus in Dornbirn zu bleiben. Die Neuausrichtung des FC Dornbirn ist ein längerfristiges Projekt. Wenn ich sehe, dass man die Professionalisierung mit Nachdruck vorantreibt, würde mich die Aufgabe schon reizen, hier was aufzubauen.

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