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Koblacher für Familien, gegen junge Männer

23.01.2023 • 21:50 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
In einer ehemaligen Schlosserei und einem leerstehenden Chinarestaurant (siehe oben) sollen ab April Flüchtlinge wohnen. Die Gebäude wurden von Privatpersonen den Caritas angeboten.<span class="copyright">Hartinger </span>
In einer ehemaligen Schlosserei und einem leerstehenden Chinarestaurant (siehe oben) sollen ab April Flüchtlinge wohnen. Die Gebäude wurden von Privatpersonen den Caritas angeboten.Hartinger

Die NEUE hat Anrainer zu ihren Meinungen und Ängsten befragt.

Am vergangenen Freitag führte das Thema zu hitzigen Debatten beim Informationsabend in Koblach. Eine sachliche Diskussion sei laut Bürgermeister Gerd Hölzl nicht möglich gewesen. Die Bürger seien sofort aufgesprungen, erzählt er.

Falschmeldung und Shitstorm

Grund war die Diskussion um die geplanten Flüchtlingsunterkünfte auf Social Media und die vorangegangene „bewussten Falschmeldung der FPÖ“, wie sie Hölzl betitelt. Einen solchen Shitstorm habe er bisher noch nicht erlebt, berichtet Hölzl. Das Thema Flüchtlinge habe zwar bisher in allen 81 Gemeinden zu Diskussionen geführt, doch nicht in diesem Ausmaß. Die bisherigen 18 aufgenommenen Flüchtlinge in Koblach hätten in der Vergangenheit etwa nicht solche heftigen Reaktionen hervorgerufen. Dass er auf die Debatte auf Facebook nicht mit einem Kommentar oder Posting reagiert habe, begründet er damit, dass er dadurch die Diskussion nur noch mehr befeuert hätte.

Bürgermeister Gerd Hölzl will auf Ängste der Koblacher eingehen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bürgermeister Gerd Hölzl will auf Ängste der Koblacher eingehen. Hartinger

Die Gerüchte von 45 oder 60 männlichen Flüchtlingen hauptsächlich syrischer Herkunft wurde mittlerweile auf insgesamt 30 Personen korrigiert. Es sollen hauptsächlich Familien einziehen anstatt jungen Männern, wie es die Befürchtung der Bürger war. Laut Auskunft des Integrationslandesrates Christian Gantner sollen 15 Personen (Familien) im Gasthof Sternen und im Wohnhaus „Letten 3“maximal 16 Personen (sowohl Familien und Einzelpersonen) unterkommen.

Die Bürgerinitiative gegen das Vorhaben hatte die Demonstration abgesagt und sei mittlerweile mit dem Vorhaben einverstanden, heißt es von Seiten des Bürgermeisters und von Gantner. Doch die Bedenken der Bevölkerung scheinen teilweise noch geblieben zu sein. Bei einer NEUE-Umfrage in der Gemeinde Koblach zeigte sich gestern das Stimmungsbild, dass die geplanten Flüchtlingsquartiere die Koblacher nach wie vor beschäftigen. Einige Befragten wollen mit ihrer Meinung aber anonym bleiben. Besonders oft fielen dabei die Stichworte „Familie“ und „junge Männer“.

In diesem Gebäude sollen sowohl Familien und Einzelpersonen einziehen. Außerdem soll es eine Caritasbetreuung vor Ort geben. <span class="copyright">Hartinger</span>
In diesem Gebäude sollen sowohl Familien und Einzelpersonen einziehen. Außerdem soll es eine Caritasbetreuung vor Ort geben. Hartinger

Angst vor anderer Kultur

Eileen Müller etwa ist unter den Anrainern, welche immer noch Skepsis vor jungen männlichen Flüchtlingen verspüren: „Ich habe überhaupt nichts gegen aus dem Ausland stammende Menschen. Es würde mich nur stören, wenn nur junge Männer dort wohnen, weil sie doch eine ganz andere Kultur haben.“

Diesbezüglich äußert sie Ängste bezüglich der Sicherheit: „Ich als junge Frau, wenn ich abends mit meinen Hunden alleine spazieren gehe, hätte doch ein wenig Angst, aber sonst stört es mich gar nicht.“

„Es würde mich stören, wenn nur junge Männer dort wohnen würden. Als junge Frau, wenn ich abends mit meinen Hunden alleine spazieren gehe, hätte ich doch ein wenig Angst.“

Eileen Müller, Anrainerin

Diese Meinung vertritt auch Anneliese K. Die 65-Jährige sieht kein Problem in der Unterbringung von Familien, jedoch steht sie alleinstehenden männlichen Flüchtlingen kritisch gegenüber: „Frauen sind für die oft nicht viel wert.“

Koblacherin Daniela Aberer ist zwiegespalten. Sie habe zwar viele ausländische Freunde und habe auch nichts dagegen. Sie äußert trotzdem Ängste, dass Flüchtlinge keine Beschäftigung bekämen und deshalb herumlungern könnten. Beschäftigung würde dummen Ideen hingegen entgegenwirken. „Wir haben natürlich Sorgen und Ängste. Wir haben drei kleine Kinder und die Bushaltestelle ist genau gegenüber von der Unterkunft. Wenn meine Kinder morgens oder abends auf den Bus müssen oder nach Hause kommen, ist es bereits dunkel“, so Aberer. Mit Familien hätte Aberer hingegen kein Problem.

Daniela Aberer <span class="copyright">Hartinger</span>
Daniela Aberer Hartinger

Anrainerin Bettina Amann ist auch erleichtert, dass im ehemaligen Chinarestaurant Familien einziehen sollen. Sie sei zuerst überrascht gewesen, spricht sie die kursierende Information über die 45 bis 60 Männer an. „Mittlerweile weiß ich, dass es eine Falschmeldung war und Familien untergebracht werden. Das ist in Ordnung“, so die 44-Jährige.

Bettina Amann <span class="copyright">Hartinger</span>
Bettina Amann Hartinger

Marion Dufner zeigt sich diesen Angaben zu den Personen gegenüber weniger zuversichtlich. Ob es nur Familien sein werden, würde sich zeigen, wenn es so weit wäre, so die 48-Jährige. „Wenn nur junge Männer kommen, bin ich nicht für die Unterbringung hier.“ Dabei verspürt sie Angst vor Vergewaltigungen von Kindern.

Mit dieser Befürchtung ist sie nicht alleine

„Familien sind für mich total in Ordnung. Wenn es nur Männer sind, würde ich mir ein bisschen Sorgen machen, weil ich alleinerziehende Mama von zwei kleinen Mädchen bin“, sagt eine Person, die anonym bleiben möchte. Deswegen hoffe sie, dass die Politik das einhalte, was sie versprochen habe.

Viel auf Flucht durchgemacht

Neben den Kritikern gibt es einige positive Stimmen unter den Koblachern. Wie etwa vom ­63-jährige Wolfgang K.: „Ich habe kein Problem mit der Unterbringung der Flüchtlinge in Koblach, wenn es im Rahmen bleibt.“

Auch Monika Kelleher befürwortet die Pläne: „Ich finde es gut, dass Flüchtlinge aufgenommen werden. Diese mussten schließlich schon viel durchmachen am Weg nach Vorarlberg.“ Sie hebt dabei die Relevanz von Integration hervor und dass Möglichkeiten dazu geschaffen werden, anstatt nur dagegen zu argumentieren. Außerdem lehnt die 33-Jährige eine pauschale Verbindung von Gewalttätigkeit und Flüchtlingen ab.

Monika Kelleher <span class="copyright">Hartinger</span>
Monika Kelleher Hartinger

Ein junger Mann in Koblach, der anonym bleiben will, erwähnt ebenso die Relevanz von verfügbaren Jobs für die Flüchtlinge. Er bezeichnet die Pläne als „nicht tragisch“.

Wirbel nicht gerechtfertigt

Karl-Heinz Märker fühlt sich ebenso nicht betroffen durch die Pläne: „Ich denke, Koblach verträgt mit 4000 Einwohnern 30 bis 40 Flüchtlinge.“ Der 62-Jährige empfindet die derzeitige Diskussion als nicht angemessen: „Es wird wegen wenigen Leuten, die kommen, sinnlos Wirbel gemacht.“

Karl-Heinz Märker <span class="copyright">Hartinger</span>
Karl-Heinz Märker Hartinger

„Ich denke, Koblach verträgt mit 4000 Einwohnern 30 bis 40 Flüchtlinge.“

Karl-Heinz Märker, Anrainer

Auch der Bürgermeister ist nach wie vor von den geplanten Flüchtlingsunterkünften überzeugt. „Ich sehe es nicht als Problem für Koblach. Wir sind eine vielschichtige Gesellschaft und dürfen es auch sein“, so Hölzl. Koblach sei ein Teil von Österreich und Österreich habe sich dazu bekannt, Flüchtlinge aufzunehmen.

Maßnahmen

Auf die Ängste der Bürger will der Bürgermeister aber eingehen. Dies soll durch durchgehende Betreuung durch die Caritas beim Wohnhaus „Letten 3“ vor Ort im Büro, einer 24-Stunden-Rufbereitschaft, Begleitkurse, einer durchmischten Bewohnergruppe, Möglichkeiten der integrativen Arbeit wie beispielweise am Bauhof, Sprachcafès und Deutschkurse erfolgen.

Auch Gantner bezeichnet die Ängste der Bürger als berechtigt und möchte sie in die Pläne einbinden. Er weist aber darauf hin, dass 80 Prozent der Asylwerber männlich seien, welche eigentlich auch eine Unterkunft benötigen würden. Die Zahl in Koblach stelle deshalb keinen repräsentativen Schnitt dar.

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