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Menschen mit Einschränkungen im Fokus des AMS

24.01.2023 • 19:26 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Viel werden einen befristeten Arbeitsplatz in einem sozialen Unternehmen erhalten, so das AMS. <span class="copyright">Frederick Sams </span>
Viel werden einen befristeten Arbeitsplatz in einem sozialen Unternehmen erhalten, so das AMS. Frederick Sams

AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter und seine Stellvertreterin präsentierten das Arbeitsprogramm 2023.

Am Dienstag vergangener Woche hatten Land und AMS im Pressefoyer nach der Regierungssitzung ihre gemeinsamen beschäftigungspolitischen Maßnahmen für das heurige Jahr vorgestellt. Eine Woche später präsentierten nun AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter und seine Stellvertreterin Katharina Neuhofer das diesjährige Programm des Arbeitsmarktservice – mit Rückblick, Schwerpunkten und Ausblick.

Bernhard Bereuter und Katharina Neuhofer. <span class="copyright">AMS</span>
Bernhard Bereuter und Katharina Neuhofer. AMS

Rund 8900 Arbeitslose wurden Ende Dezember 2022 verzeichnet – 22 Prozent weniger im Vergleich zu 2021, stellte Neuhofer eingangs fest . Die Zahl der offene Stellen stieg um über 30 Prozent. 400 offenen Lehrstellen standen 190 Lehrstellensuchende gegenüber. Bei Letzterem habe man häufig das Problem, dass Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, hieß es – zumal die vier beliebtesten Lehrberufe Bürokauffrau/-mann, Kfz-Techner/in, Einzelhandelskauffrau/-mann und Friseur/in seien.

Handicap bei Jobsuche

Bereuter betonte einmal mehr, dass das größte Handicap bei der Jobsuche der nicht vorhandene Bildungsabschluss sei: 45,9 Prozent der Arbeitssuchenden hätten maximal eine Pflichtschule absolviert. In dieser Gruppe liege die Arbeitslosigkeit bei 14,2 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt von fünf Prozent. Bei Menschen mit Lehrabschluss liege sie bei 4,4 Prozent, bei allen mit höherer Ausbildung bei unter drei Prozent. „Da können wir von Vollbeschäftigung sprechen“, so der AMS-Chef.

Daher wird ein Schwerpunkt des heurigen Jahres bei der Qualifizierung und Ausbildung dieser Menschen liegen. Der zweite Fokus richtet sich auf Langzeitarbeitslose. Deren Zahl ist 2022 im Jahresverlauf zwar um über 30 Prozent gesunken. Ende des Jahres waren es aber immer noch 1644 und „das sind deutlich zu viele, die bereits über ein Jahr keinen Job haben“, sagte Bereuter. Insgesamt hätten rund 65 Prozent der arbeitslos Vorgemerkten Einschränkungen (Alter, Krankheit, fehlende Bildung), die eine Vermittlung erschwerten, informierte der AMS-Geschäftsführer.

Pioniere

Als strategischen Schwerpunkt 2023 formulierte Bereuter: „Wir sind Pioniere im Bereich der Qualifizierung für Menschen mit maximal einem Pflichtschulabschluss.“ Erfolgen soll das etwa durch attraktivere Ausbildungsmodelle, zum Beispiel einem Stiftungmodell, mit der Erhöhung eines Stipendiums von 200 auf 400 Euro monatlich zusätzlich bei Anstreben eines Lehrabschlusses.

„Wir sind Pioniere im Bereich der Qualifizierung für Menschen mit maximal einem Pflichtschulabschluss.“

Bernhard Bereuter, AMS-Chef

Weitere Angebote gebe es unter anderem im Bereich der wirtschaftlichen Ausbildung oder bei Metallberufen, erklärte der AMS-Geschäftsführer. Für den Bereich der Ausbildung und Qualifizierung sind 2023 rund 20 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt beträgt das diesjährige Budget rund 40,9 Millionen Euro.

Langzeitarbeitslose

Für Langzeitarbeitlose stehen rund 500 Transitarbeitsplätze in Sozialunternehmen zur Verfügung. „Wir garantieren jeder langzeitbeschäftigungslosen Person einen Transitarbeitsplatz in einem Sozialökonomischen Betrieb oder ein Beratungsangebot zur Unterstützung bei der Integration in den Arbeitsmarkt“, hieß es dazu. Dazu komme ein Modell gemeinnütziger Arbeitskräfteüberlassung – mit dem Ziel, dass die Personen übernommen werden. „Alles, was wir anbieten, hat das Ziel, dass die Menschen eine langfristige Beschäftigung in der heimischen Wirtschaft bekommen“, so Bereuter.

„Alles, was wir anbieten, hat das Ziel, dass die Menschen eine langfristige Beschäftigung in der heimischen Wirtschaft bekommen“

Bernhard Bereuter, AMS-Chef

Was Jugendliche betrifft, so gilt hier das Augenmerk des AMS denen, die es nicht schaffen, direkt in eine Lehre oder höhere Schule zu kommen. Für sie gibt es etwa das Ausbildungszentrum, in dem 13 Lehrberufe angeboten werden. Auch hier ist es das Ziel, dass die Lehre in einem Betrieb beendet wird.

„Nach innen“

Einen Schwerpunkt wird es heuer beim AMS auch „nach innen“ geben, erklärte Neuhofer. Rund 280 Personen arbeiten an den vier Standorten der Einrichtung. Für sie sollen attraktive Arbeitsplätze gestaltet und erhalten werden und auch die Rekrutierung neuer Mitarbeitender aktiver angegangen werden.
Derzeit gebe es zwar noch kein Personalproblem, hieß es. Aber auf offene Stellen würden sich deutlich weniger Menschen bewerben und in den kommenden zehn Jahren erwarte man aufgrund von Pensionierungen einiges an Fluktuation.

Bernhard Bereuter und Katharina Neuhofer präsentieren das Arbeitsprogramm 2023. <span class="copyright">AMS</span>
Bernhard Bereuter und Katharina Neuhofer präsentieren das Arbeitsprogramm 2023. AMS

Ausblick

Was einen Ausblick betrifft, erwartet sich Bereuter für heuer eine Abschwächung der Konjunktur mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent. Ein Beschäftigungswachstum sollte es allerdings geben, aber nur mehr in der Höhe von 0,7 Prozent. Der AMS-Chef rechnet mit einer leichten Steigerung bei den Arbeitslosenzahlen. In welcher Höhe sei allerdings schwer zu sagen, weil das auch von äußeren Faktoren wie Inflation oder Krieg abhänge.

Spürbar sei allerdings die demographische Veränderung, stellte Bereuter fest: „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Pension. Das Arbeitskräftepotenzial wird sinken.“ Daher sei es wichtig, dass Unternehmen auf vorhandenes Personal zurückgreifen würden – auch dafür gebe es Unterstützungen.

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