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Streik für Änderungen, “bevor das System zusammenbricht”

14.02.2023 • 13:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zum Anton Proksch Institut in Wien kam auch Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl
Zum Anton Proksch Institut in Wien kam auch Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl.APA/TOBIAS STEINMAURER

Um nach drei Coronajahren Druck für bessere Bezahlung zu machen, wurde heute in 25 Privatspitälern gestreikt. Man sei der Gewerkschaft bereits entgegengekommen.

Streiks sind in Österreich selten. Dass die Arbeit in Gesundheitsbetrieben niedergelegt wird, ist noch ungewöhnlicher. Am Dienstag rief die Gewerkschaft vida aber gleich in 25 Privatspitälern zum Warnstreik auf. Neben der Arbeiterkammer unterstützte auch die Ärztekammer den dreistündigen Protest. Im Fokus stand der Zusammenhalt über die Berufsgruppen hinweg, denn: “Ein Spital kann die besten Ärzte haben, wenn es kein Essen gibt und das Gebäude nicht geputzt wird”, sagte Chefverhandler Harald Steer. Er sieht “zu wenig Geld für zu viel Arbeit”.

Die Belegschaft der Privatkliniken rund um Harald Steer fordert höhere Gehälter
Die Belegschaft der Privatkliniken rund um Harald Steer fordert höhere GehälterAPA

Arbeitskampf um Anerkennung

Es gehe darum, gleiche Bedingungen herzustellen und den “Braindrain” in Privatkrankenanstalten zu beenden, erklärte Harald Steer, der für die Gewerkschaft vida verhandelt – und Betriebsratsvorsitzender im Anton Proksch Institut ist. Zuletzt sei das Verhandlungsklima schlechter geworden, sagt Steer: “Man kann lange reden und nichts weiterbringen”. Der Warnstreik solle dazu motivieren, auf die sachliche Ebene zurückzukehren. Was die von der Arbeitgeberseite angerufene Bundeseinigungskommission dazu beitragen könnte, weiß Steer nicht: “Wir sind jederzeit verhandlungsbereit”.

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl
Arbeiterkammer-Präsidentin Renate AnderlAPA

Arbeiterkammer-Präsidentin Anderl kündigte an, jede Aktion der Gewerkschaft zu unterstützen. Gerade im Gesundheitsbereich herrsche bereits jetzt ein Arbeitskräftemangel, Menschen würden die Pflege aufgrund der Arbeitsbedingungen verlassen, sieht Anderl auch die Politik gefordert. Arbeitgeber und Politik seien gefordert, “schleunigst Anpassungen vorzunehmen, bevor das System in sich zusammenbricht”, hielt Chefverhandler Steer fest.

Der Wiener Ärztekammer-Vizepräsident Ferenci stellte den Zusammenhalt über die Berufsgrenzen hinweg in den Fokus: Die Versorgung der Patientinnen und Patienten könne nur funktionieren, “wenn Menschen, die in Gesundheitseinrichtungen arbeiten, ein anständiges und lebenswertes Gehalt haben”. Dass in Privatspitälern der Kollektivvertrag unter 2000 Euro monatlich liegt, sei in Zeiten der Teuerung nicht mehr adäquat.

Ärztekammer-Wien-Vizepräsident Stefan Ferenci
Ärztekammer-Wien-Vizepräsident Stefan FerenciAPA

Verzögerungen, aber keine Zwischenfälle

Weniger Verständnis schlägt den Streikenden von ihren Arbeitgebern entgegen. Im Rahmen eines Verbesserungsversuches habe man den geforderten Mindestlohn und eine Gehaltserhöhung über der Inflation bereits angeboten, ließ Stefan Günther, Generalsekretär und KV-Verhandlungsführer des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs, am Montag wissen. Der Verband schaltete daher die im Arbeitsministerium ansässige Bundeseinigungskommission ein.

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten dürfte während des dreistündigen Streiks sichergestellt gewesen sein, allerdings: “Es ist beim Warnstreik zur einen oder anderen Verzögerung bei den medizinischen Leistungen gekommen, die Patientinnen und Patienten haben aber Verständnis für die Anliegen der Beschäftigten und die Gewerkschaftsforderungen gezeigt”.

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