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„Visuell kann man da nichts mehr finden“

22.06.2023 • 23:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Umzugsmanagerin Christina Grembowicz im neuen Depot. Die „Wälderin“ links von ihr im Regal ist ein Starenkasten.    <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Umzugsmanagerin Christina Grembowicz im neuen Depot. Die „Wälderin“ links von ihr im Regal ist ein Starenkasten. Klaus Hartinger

Zum Zehn-Jahres-Jubiläum ist das neue Sammlungsdepot des Vorarlberg Museums erstmals öffentlich zugänglich.

“Das ist einer unserer überdimensionierten Blasebälge“, sagt Christina Grembowicz und zeigt auf das Objekt, das gerade von zwei Mitarbeiterinnen in voller Schutzkleidung gereinigt wird. Die beiden sitzen in einem Container vor einer großen Lagerhalle in Hard, die seit einiger Zeit das neue Sammlungsdepot des Vorarlberg Museums ist. Rund 28.000 Objekte wurden seit rund einem Jahr hierher gebracht. Bis Mitte nächsten Jahres sollen noch viele Tausende dazukommen. Grembowicz ist die Leiterin dieses umfangreichen Umsiedelungsprojekts.

Im Container vor dem Depot werden die Objekte gereinigt.
Im Container vor dem Depot werden die Objekte gereinigt.

Bevor die Objekte allerdings im Depot verstaut werden können, müssen sie in die Quarantäne bzw. Reinigung, um sie etwa von Schimmel oder Schädlingen zu befreien. Möbel oder Textilien wurden bis in die 1990er-Jahre mit Pestiziden behandelt – heute geht das giftfrei. Im vorgelagerten Container wird nun jedes einzelne Stück, das ankommt, abgesaugt und mit Schwämmchen gereinigt. „Wir sehen das Depot als geschützten Bereich“, erläutert Grembowicz. Zudem werde der Umzug zum „ultimativen Sichtungsprojekt“.

Blick in die Halle, in der die Sammlung untergebracht.
Blick in die Halle, in der die Sammlung untergebracht.

Im Rahmen der Feierlichkeiten rund um das Zehn-Jahr-Jubiläum des Vorarl­berg Museums an diesem Wochenende (siehe unten), wird das neue Depot auch erstmals für die Öffentlichkeit präsentiert werden. Gestern wurde es den Medien vorgestellt. Der scheidende Direktor des Vorarlberg Museums, Andreas Rudigier, erinnerte sich daran, wie er am 20. Juni 2013, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung des neuen Museums, am Abend allein in einer Ausstellung auf dem Boden gesessen war und sich gedacht hatte: „Auch wenn es niemandem gefällt, mir gefällt es.“ Seine Sorge war unbegründet – das Haus (und seine Inhalte) hat gefallen und gefällt immer besser, auch wenn in den vergangenen zehn Jahren natürlich nicht alles gut gelaufen ist. Aber 2022 gab es mehr Besucher und Besucherinnen als im ersten vollständigen Jahr des Bestehens 2014.

10 Jahre Vorarlberg Museum neu

„Erleben wer wir sind“

Freitag, 23, Juni, 19 bis 22 Uhr: Überraschungsfest im Museum.

Samstag, 24. Juni, 10 bis 18 Uhr: verschiedene Programmpunkte im Haus und in der Studiensammlung in Vorkloster, darunter „Restaurierung live!“, „Hinter die Kulissen“, Kreativ-Ateliers für Kinder oder ein Gespräch mit Frauen, die im Haus arbeiten (Reinigung, Kassa, Café).

Sonntag, 25. Juni, 10 bis 18 Uhr: verschiedene Programmpunkte im Haus (teils dieselben wie am Samstag) und im Sammlungsdepot in Hard.

Alle Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt. Details unter https://www.vorarlbergmuseum.at/

Eine der Hauptsorgen war allerdings schon von Beginn an die große Sammlung des Hauses. Rund 180.000 Objekte dürfte sie mittlerweile umfassen. Ein Teil ist in der Studiensammlung in Bregenz-Vorkloster untergebracht, die seit Jahren überfüllt ist. Unempfindlichere Objekte stehen in einem nicht klimatisierten Lager in Lauterach. Das neue Depot in Hard wird nun gemeinsam mit der Landesbiblio­thek betrieben, auch Teile der Sammlung und das Archiv des Kunsthauses sind bzw. werden dort untergebracht.

Pfeifen sind in Schubladen untergebracht.
Pfeifen sind in Schubladen untergebracht.

Beim neuen Depot im Grafenweg 14 handelt es sich um eine Industriehalle, die zweckmäßig umgebaut wurde – geprägt vom Gedanken, „was brauchen wir wirklich, worauf können wir verzichten“, erzählt Grembowicz. In der Halle sind hohe Metallregale, die mit den Objekten gefüllt werden. Jedes der Stücke wird fotografiert und bekommt eine Inventarnummer. „Visuell kann man da nichts mehr finden.“ Bevor die Objekte dann an ihren endgültigen Platz kommen, erfolgt eine Vorsortierung, bei der sie zu Gruppen zusammengestellt werden. Dabei wird dann auch festgestellt, wie viele zum Beispiel Butterfässer man nun wirklich habe, erklärt die Umzugsleiterin. Es sind Tausende Kubikmeter an Material, die in den Hochregalen untergebracht werden können.

62 Bilderzüge sind im neuen Depot.
62 Bilderzüge sind im neuen Depot.

Kleinere Stücke finden sich in kleineren Regalen oder ausgebreitet in Schubladen. Den Kubikmeter historischer Hufeisen hat man allerdings in eine Kiste gegeben. 62 fast deckenhohe Bilderzüge für Gemälde und Zeichnungen sind vorhanden. Einige davon sind noch leer. Rund 500 Werke wurden bisher hierher gebracht. Grafiken sind in Planschränken in einem oberen Bereich verstaut. 42 derartige Schränke stehen derzeit da mit an die 12.000 Objekten. Darunter finden sich etwa auch Gebetsbücher und Inkunabeln aus dem 15. Jahrhundert oder historische Jasskarten. Auch die Wände der Halle werden als Stauraum verwendet, für Wirtshausschilder oder ein langes Kunstwerk, das sich andernorts schwer unterbringen ließ. Von der Decke hängen ebenso eingepackte Kronleuchter.

Direktor Andreas Rudigier neben einem der Plan­schränke.
Direktor Andreas Rudigier neben einem der Plan­schränke.

Ein Schaudepot wird das neue Lager zumindest vorerst nicht werden. Noch ist der Umzug ja auch nicht abgeschlossen. Grembowicz kann sich aber vorstellen, dass es für Forschungsprojekte, Sponsorenführungen oder Führungen für Interessensgruppen offenstehen könnte. Allerdings handle es sich bei einem Depot um einen Sicherheitsbereich, gibt sie zu bedenken, „das ist nicht wie in einem normalen Museum“.

Nach dem Jubiläumswochenende wird auf jeden Fall weiter umgezogen. Und das erledigt das dafür zuständige siebenköpfige Team mit sichtbar großer Leidenschaft und Begeisterung.