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Soweit das Auge reicht

20.11.2023 • 08:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andromeda ist die unserer Milchstraße am nächsten liegende Sprialgalaxie. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Andromeda ist die unserer Milchstraße am nächsten liegende Sprialgalaxie. Shutterstock

2,5 Millionen Lichtjahre, für unsere Vorstellungen fast unendlich weit entfernt, ist eine Galaxie, die man von freiem Auge sehen kann.

Wieder und wieder staunen wir über die Dimensionen des Universums. Astrophysiker jonglieren mit gigantischen Zahlen und Einheiten wie beispielsweise mit Lichtjahren. Fast würde man ihnen zugestehen, sie würden sich die Größe des Weltalls vorstellen können. Dabei haben sie nur Modelle und Methoden entwickelt, um mit unvorstellbaren Größenordnungen zu rechnen.
Jetzt im Herbst steht das Sternbild Andromeda hoch am Himmel. Wenn wir in den nächs­ten Nächten warten, bis der Mond untergegangen ist, haben wir beste Verhältnisse um einen extrem tiefen Blick in die Weiten des Weltalls zu werfen.

Die Lichtlaufzeiten

In Entfernungseinheiten, wie in Kilometer, zu messen, ist für kosmische Objekte völlig unpassend. Der Mond, der heute um circa 22.30 Uhr im Südwesten untergeht, ist 369.600 Kilometer von uns entfernt. Die Astronauten der Apollomissionen zwischen 1969 und 1972 brauchten für die Anreise circa drei Tage. Könnte man mit einem Lichtstrahl mitreisen, würde sich die Fahrzeit auf 1,23 Sekunden verkürzen. Die Lichtlaufzeit ist eine beliebte Einheit, mit der man sich kosmische Distanzen besser vorstellen kann. Das auffallend helle Objekt am Abendhimmel ist der Planet Jupiter. 603 Millionen Kilometer Distanz bleibt nur eine Zahl. Besser einordnen lässt sich die Tatsache, dass ein Lichtstrahl vom Jupiter zu uns 34 Minuten braucht. Das Sternenlicht reist viele Jahre lang, jenes vom Polarstern ist im Jahre 1578 gestartet. Der berühmte und schöne Orionnebel, den wir in der zweiten Nachthälfte gut beobachten können, ist 1600 Lichtjahre entfernt.

Andromeda, die Nachbargalaxie

Gegen 23 Uhr, wenn der Mond die Beobachtungen nicht mehr stört, können wir fast direkt über unseren Köpfen – im Zenit – die Andromeda sehen. Wenn man das Sternbild nicht kennt, geht man vom auffälligen Herbstviereck (Pegasus) aus, das am späten Abend halbhoch im Westen steht. Vom oberen Eckpunkt ausgehend verläuft eine gebogene Sternenkette nach oben. Das ist das Sternbild Andromeda.

Geht man von der Mitte der Sternenkette eine Handbreite Richtung Norden fällt bei völliger Dunkelheit (abseits der Ballungszentren) ein schwaches Nebelchen auf. Al Sufi, einem persischen Astronomen, gelang die erste schriftlich festgehaltene Beobachtung vom Andromeda-Nebel. Er beschrieb das Objekt als „sonderbare neblige Wolke“. Sicherheitshalber kann man ein Fernglas bereithalten. Der Andromeda-Nebel befindet sich in einer Distanz von 2,5 Millionen Lichtjahren und ist das bei weitem entfernteste Objekt, das man mit freiem Auge beobachten kann. Man erkennt den Kern unserer Nachbargalaxie, die wesentlich größer und sternreicher als unsere Milchstraße ist. Auf Astrofotografien werden die Außenbereiche der Galaxie sichtbar. Der scheinbare Durchmesser ist um ein Mehrfaches größer als der scheinbare Vollmonddurchmesser.

2,5 Millionen Lichtjahre entfernt

Noch vor gut 100 Jahren war in der Fachwelt nicht klar, ob das Nebelchen zu unserer Milchstraße gehört und aus Gas besteht oder ob der nebelige Eindruck nur durch die enorme Sterndichte, die das Auge nicht auflösen kann, entsteht. Edwin Hubble beobachtete Sterne in der Andromeda-Galaxie, aus deren Eigenschaften er ihre Entfernung bestimmen konnte. Wir können heute beim Anblick der sonderbaren nebeligen Wolke sicher sein, Licht zu sehen, das eine 2,5 Millionen Jahre lange Reise hinter sich hat.

Robert Seeberger