Besser leben

Interaktive Pflanzenkunde

23.09.2020 • 14:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth Weber hat mit ihren Kindern Nicole und Martin die App ge­testet. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Elisabeth Weber hat mit ihren Kindern Nicole und Martin die App ge­testet. Klaus Hartinger

Die App „Flora Incognita“ erkennt Pflanzen und soll zum Artenschutz motivieren.

Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Anzahl der Menschen mit Artenkenntnis um 21 Prozent verringert. Gleichzeitig hat die Zahl der Menschen mit Smartphone zugenommen. Und dann gibt es da noch die Datenbank der „Encyclopedia of Life“ mit inzwischen über 3,8 Millionen Bildern. Was haben diese drei Tatsachen nun miteinander zu tun? Ganz einfach: Deutsche Wissenschaftler haben vor diesem Hintergrund die App „Flora Incognita“ entwickelt.

„Wir vernetzen Millionen von Bildern mit künstlicher Intelligenz“, sagen sie. Sie möchten auf alltagstaugliche Weise das Naturwissen der Menschen wieder vergrößern – dahinter steht das Anliegen eines breitenwirksameren Artenschutzes. Getestet hat die App für uns Elisabeth Weber aus Schwarzach mit ihrer Familie.

Die Fotos werden aus verschiedenen Perspektiven für die App aufgenommen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Fotos werden aus verschiedenen Perspektiven für die App aufgenommen. Klaus Hartinger

Warum sie mit ihrem Mann und ihrem Smartphone durch den Garten läuft und begeistert auf die Brennesseln an dessen Ende zeigt? Weil das Smartphone sie erkannt hat, genauer gesagt die Handy-App „Flora Incognita“. Wer bei einer Wanderung, auf einem Spaziergang oder einfach nur im Garten mehr über die dort wachsenden Pflanzen erfahren will, kann sich die App kostenlos auf sein Handy laden. Pflanze entdecken, Foto schießen – und Sekunden später zeigt die App den Namen und weitere Informationen zu Merkmalen, Verbreitung und Schutzstatus.

Praxistauglichkeit

Aber funktioniert das Ganze denn auch wirklich so zuverlässig wie beworben? „Für die Analyse kommen modernste Methoden des maschinellen Lernens zum Einsatz. Ein von der zu identifizierenden Pflanze gemachtes Kamerabild wird anhand eines neuronalen Netzwerkes klassifiziert. Dafür wird eine maschinell optimierte Netzwerkarchitektur mit 88,9 Millionen Parametern verwendet, die mittels ,Deep Learning´ auf einem Datensatz von aktuell mehr als einer Million Pflanzenbildern trainiert wurde“, lautet die beeindruckende Schilderung auf der Webseite von floraincognita.com.

„Die App erkennt die Pflanzen gut. Man muss nur auswählen zwischen ,Wildblume‘ oder ,Strauch‘, ,Baum‘, ,Gras‘ oder ,Farn‘ und dann ein Foto machen. Schon kurz drauf zeigt die App den richtigen Namen an. Meistens reicht auch ein einziges Foto“, bestätigt Weber.

Nicole und Martin haben die App getestet. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Nicole und Martin haben die App getestet. Klaus Hartinger

Offiziell heißt es, man müsse verschiedene Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven machen, damit die Pflanze identifiziert werden kann. Etwa die Blüte als Draufsicht, ein Blatt, die Blüte und die ganze Pflanze von der Seite und die Frucht. Die App fordert aber nur dann konkret mehr Fotos ein, wenn sie diese fürs Erkennen auch benötigt.

„Sie hat unsere Ringelblumen erkannt – die ich allerdings auch kenne – und unsere Fichte. Und dank ihr weiß ich nun auch, dass ein Silberstrauch sowieso in unserem Garten wächst, der auch ein Heilmittel ist und besonders in Spanien gegen Durchfall eingesetzt wird“, erzählt Weber.

Fazit des Tests

Ihr Fazit des Praxistests: „Das ist auf jeden Fall eine interessante App, die ich zwar wahrscheinlich nicht jeden Tag nutzen, aber auch sicher nicht löschen werde. Immerhin weiß ich jetzt, dass wir sowohl kriechenden als auch stehenden Hahnenfuß im Garten haben.“ Sie findet die Anwendung benutzerfreundlich und unkompliziert gemacht. Das große Minus aus ihrer Sicht: „Man braucht für die Identifizierung eine Internetverbindung. Und wenn man im Gebirge unterwegs ist und eine seltene Pflanze sieht, nützt einem die App da wenig.“ Zumal es auf der Webseite explizit heißt: „Bitte keine Pflanzen oder Pflanzenteile heraus- oder abreißen!“

Die App erkennt die Pflanze und der User bekommt Informationen zu Merkmalen, Verbreitung und Schutzstatus.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Die App erkennt die Pflanze und der User bekommt Informationen zu Merkmalen, Verbreitung und Schutzstatus. Klaus Hartinger

„Durch teilautomatische Bilderkennung auf dem Smartphone bringen wir Artenkenntnis zurück in den Alltag eines jeden Menschen.“ Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Ein Beitrag zur Pflanzenkunde ist es allemal.