Besser leben

Wohnen in Zeiten von Corona

01.03.2021 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Zeiten der Corona-Pandemie ist eine Verschiebung auf dem Vorarlberger Wohnungsmarkt<br>zu beobachten. <span class="copyright">Symbolbild/APA/HOCHMUTH</span>
In Zeiten der Corona-Pandemie ist eine Verschiebung auf dem Vorarlberger Wohnungsmarkt
zu beobachten. Symbolbild/APA/HOCHMUTH

Lokale Immobilien-Unternehmen zum Thema Wohnen.

Erst kürzlich hat die Wirtschaftskammer Vorarlberg die Erstellung einer Statis­tik rund um das Thema Wohnen in Zeiten der Pandemie in Auftrag gegeben. Auch wenn derzeit diesbezüglich noch keine klaren Zahlen vorliegen, ließe sich dennoch bereits sagen, dass es gerade im Bereich der Mietobjekte eine Verschiebung zu erkennen gab.

Hintergünde

Die Gründe hierfür führt Hilmar Müller von der WKV auf zwei Themenbereiche zurück. Zum einen könne davon ausgegangen werden, dass das ständige „Aufeinandersitzen“ für ein gewisses Konfliktpotenzial in Beziehungen gesorgt hat, welches in Trennungen und damit auch einem Wohnungswechsel gegipfelt haben könnte.
„Außerdem hat die viele Zeit in den eigenen vier Wänden viele auch dazu angeregt, sich mit der eigenen Wohnsituation auseinanderzusetzen und sich nach einem auf die eigenen Bedürfnisse angepassteren Modell umzusehen.“
Doch eine wirkliche Prognose ohne die noch ausstehende Statistik abzugeben, ist schwer. Aus diesem Grund hat sich die Redaktion bei Vorarl­berger Immobilien-Unternehmen umgehört, wie sie die Situation an vorderster Front erleben.

Alexander Nußbaumer, ZIMA Unternehmensgruppe: „My Home is my Castle!“

Das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt, welch hoher Stellenwert das Wohnen im Leben der Menschen hat und das uns Krisen dazu anspornen, unsere Leben, unsere Arbeit und vor allem unseren Lebensraum zu überdenken“, erklärt Alexander Nussbaumer, CEO und Inhaber der Zima Unternehmensgruppe. Während der prognostizierte Nachfrageeinbruch nicht eingetreten sei, hätten sich jedoch die Ansprüche an die eigenen vier Wände wesentlich verändert.

"Das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt, welch hoher Stellenwert das Wohnen im Leben der Menschen hat und das uns Krisen dazu anspornen, unsere Leben, unsere Arbeit und vor allem unseren Lebensraum zu überdenken“, erklärt Alexander Nussbaumer. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
"Das Corona-Jahr 2020 hat gezeigt, welch hoher Stellenwert das Wohnen im Leben der Menschen hat und das uns Krisen dazu anspornen, unsere Leben, unsere Arbeit und vor allem unseren Lebensraum zu überdenken“, erklärt Alexander Nussbaumer. Handout/Privat

Freiflächen wie Balkone und Terrassen sowie extra Zimmer für Homeoffice oder Community Spaces haben an Bedeutung gewonnen. „Gleichzeitig haben wir dabei aber auch ein neues Gefühl der sozialen Geborgenheit entdeckt, die in der perfekten Wohlfühlumgebung – in unserem Daheim – entstehen kann: My Home is my Castle! Dieser Trend wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Viren gehen, Wohnimmobilien bleiben.“ Herausforderungen der jüngeren Vergangenheit erkennt der Zima-CEO in der Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen, etwa durch Preissteigerungen, Grundstücksproblematik und gesetzliche Auflagen. „Die Covid-19-Pandemie hat die Digitalisierung massiv forciert. Hier sind wir gefragter denn je, nicht nur auf aktuelle Entwicklungen zu antworten, sondern auch schon an die digitale Zukunft mitzu-denken.“

Matthias Hagen, RE/MAX Immowest: Keine Entspannung bei den Immobilienpreisen

In der für alle mühsamen Corona-Zeit hat sich der Wunsch nach mehr Raum, mehr Komfort und idealerweise mehr Grünfläche noch stärker ausgeprägt“, erläutert Mattthias Hagen, Immobilientreuhänder bei RE/MAX Immowest. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien erlebe derzeit, abgesehen von einer kurzen Schockstarre während des ersten Lockdowns, ein ungebrochenes Hoch, wie der Fachmann weiter ausführt. „Da die verstärkte Nachfrage aber nicht unbedingt auf ein größeres Angebot trifft, ist eine Entspannung bei den Immobilienpreisen nicht in Sicht, was auch die Grundbuchszahlen klar belegen.“

"In der für alle mühsamen Corona-Zeit hat sich der Wunsch nach mehr Raum, mehr Komfort und idealerweise mehr Grünfläche noch stärker ausgeprägt“, erläutert Mattthias Hagen. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
"In der für alle mühsamen Corona-Zeit hat sich der Wunsch nach mehr Raum, mehr Komfort und idealerweise mehr Grünfläche noch stärker ausgeprägt“, erläutert Mattthias Hagen. Handout/Privat

Neben Wohnungen und Häusern für den Eigenbedarf sei auch die klassische Anlegerwohnung in guter Lage weiter sehr begehrt. „Für alle Kaufinteressenten ist es ratsam, bereits frühzeitig mit der Bank oder einem Finanzierungsberater den finanziellen Rahmen abzustecken, um gegebenenfalls auch kurzfristig eine Entscheidung treffen zu können“, rät der Fachexperte. Auf der anderen Seite sei es an den Verkäufern, für eine lückenlose Dokumentation zu sorgen.

Hans-Peter Lorenz, Vogewosi: Nachfrage-Kurve flacht weiter ab

Die Neubautätigkeit ist auch im vergangenen Jahr – bis auf eine kleine Unterbrechung zu Beginn der Pandemie – planmäßig verlaufen“, erklärt der Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz. „Eine Senkung gab es dafür bei den anberaumten Räumungen, also jenen, die wieder zurückgezogen wurden. Davon gab es letztes Jahr mit 135 deutlich weniger als in den Vorjahren.“ Nach dem regelrechten „Bau-Boom“ der vergangenen Jahre sei außerdem eine leichte Abflachung der Nachfrage-Kurve zu erkennen, auch wenn, gerade in Zeiten der Krise, leistbares Wohnen weiterhin ein großes Thema sei.

Nach dem regelrechten „Bau-Boom“ der vergangenen Jahre, sei außerdem eine leichte Abflachung der Nachfrage-Kurve zu erkennen, erklärt Hans-Peter Lorenz, Geschäftsführer VOGEWOSI. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
Nach dem regelrechten „Bau-Boom“ der vergangenen Jahre, sei außerdem eine leichte Abflachung der Nachfrage-Kurve zu erkennen, erklärt Hans-Peter Lorenz, Geschäftsführer VOGEWOSI. Handout/Privat

„Doch unserer Erfahrung nach ist der Verbesserungswunsch der eigenen Wohnsituation wesentlich ausgeprägter als der bloße Bedarfsgedanke“, erklärt der Vogewosi-Geschäftsführer. Ein deutlicher Zuwachs sei jedoch in Zeiten der Pandemie im Bereich der Erst- und Wiedervermietungen zu beobachten gewesen – nämlich um 100 mehr als im Vorjahr: „Zwar entschieden sich viele Menschen in solch unsicheren Zeiten dazu, vorerst in der eigenen Wohnung zu bleiben, doch dafür gab es durch Corona leider auch mehr Todesfälle, was natürlich auch eine größere Zahl von Wohnungswechseln nach sich zog.“

Benjamin Amann, LIVINT: Mehr Anfragen denn je

Unserer Erfahrung nach waren die Mieter gerade zu Beginn der Covid-19-Krise sehr vorsichtig, weil sie nicht genau wussten, was nun erlaubt ist und ob man überhaupt einen Wohnungswechsel durchführen kann“, erklärt Benjamin Amann, Geschäftsführer und Mitgründer von Livint. Dies habe sich jedoch im Laufe der Pandemie stark verändert, das Unternehmen verzeichnete mehr Inserate und auch viel mehr Anfragen auf die inserierten Objekte als jemals zuvor. „Zum einen liegt das vermutlich daran, dass Vermieter ausschließlich provisionsfreie Wohnungen ohne Maklerkosten bei uns online stellen.“ Zum anderen habe sich jedoch auch einiges im Immobilien-Verhalten der Vorarlberger getan: „Die eigenen vier Wände haben durch die Lockdowns an Relevanz gewonnen. Deswegen suchten die Vorarlberger vorrangig nach größeren Wohnungen.“

„Die eigenen vier Wände haben durch die Lockdowns an Relevanz gewonnen", erkennt Benjamin Amann, Geschäftsführer und Co-Founder LIVINT. <span class="copyright">Handout/Privat</span>
„Die eigenen vier Wände haben durch die Lockdowns an Relevanz gewonnen", erkennt Benjamin Amann, Geschäftsführer und Co-Founder LIVINT. Handout/Privat

Ob die Tendenzen der ­Mieter in Zeiten der Krise auch eher in Richtung günstigerer ­Objekte gingen, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Als Digital-­Start­-up sind wir jedenfalls sehr froh, dass die ­Nachfrage auch in Zeiten wie diesen gestiegen ist.“