Besser leben

Naturnahe Waldrunde in Satteins

17.03.2021 • 20:31 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Landwirtschaftliche Kulturlandschaft nahe Gartis.<span class="copyright"> Hertha Glück</span>
Landwirtschaftliche Kulturlandschaft nahe Gartis. Hertha Glück

Hertha Glück wandert von Pfarrkirche Satteins zur Ruine Schwarzenhorn.

Unsere Rundwanderung beginnt rechter Hand der Pfarrkirche hl. Georg, die im Stil des Spätklassizismus nach den Plänen von Alois Negrelli, dem Planer des Suezkanals, erbaut wurde.

kurzbeschreibung

Besonderes: Eine konditionell herausfordernde, aber dennoch wegsichere Route. Mit restlichen Schneeflecken und Eiskristallen sowie einigen Einblicken in die frühere Zeit der Baukultur.

Markierungen: weiß-rot-weiß und gelb-weiß.

Anforderung und Gehzeit: In drei Stunden werden gute 400 Höhenmeter aufwärts und wieder abwärts überwunden.

Start und Ende: Bushaltestelle bei der Kirche in Satteins

Charakter der Wege: Viel Straße, Forst- und Hohlwege

Kultur und Natur: Katholische Pfarrkirche hl. Georg (Satteins) mit Friedhof, Lourdeskapelle „beim Bild“, Außerbergweg 1 sowie die Ruine Schwarzenhorn

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk, Wetterkleidung, Jause und ein heißes Getränk

Das Schmittagässle übernimmt zu Beginn die Wegführung, bevor links ab eine ­schmale Straße weiterführt. „Am Bühl“ geht es dann aufwärts weiter. Denn Satteins liegt im Flachen, stadtnah zu Feldkirch und am Fuße des Walserkamms, also auch bergnah.

Ruine Schwarzenhorn

Immer weiter aufwärts überquert man die Mühlegasse und gelangt in die „sagenumwobene“ Hollagaß und Schwarzenhornstraße. Beim Bild könnte man noch die Brücke des Pfudidetschbaches überqueren, um die Lourdeskapelle aus dem Jahre 1893 zu besuchen. Doch unser Weg führt uns wieder zurück und beim Bild rechts die Straße hinauf.

Hier kann man sich auf einer großen Karte orientieren und der Wegweiser verrät bereits, dass man innerhalb von eineinviertel Stunden Gartis erreichen kann. Rechts ab die Straße hinauf spitzeln zwischen den Tannen Teile der Nordwand des Bergfrieds sowie einige weitere Mauerreste der Ruine Schwarzenhorn hervor. So steht die Burgruine auf einem Hügelrücken nordöstlich über dem Ort.

Gartisstraße bei Mollaholla (580 Meter Höhe). <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Gartisstraße bei Mollaholla (580 Meter Höhe). Hertha Glück

Ab Mollaholla schlendert man gemütlich die Gartisstraße hinauf. Jede Kurve überrascht entweder mit einem weiten Blick über den Walgau bis hinein ins Walsertal, Klostertal, Montafon und Brandnertal oder talauswärts, je nach Waldöffnung, bis zum Alpstein mit dem Säntis und Hohen Kasten.

Es geht leicht nach obenschwingend, vorbei an kleinen Bächlein durch den stillen, erholsamen Wald. Nur ab und zu hört man den Specht klopfen und Vögel den Frühling ankünden.

Rückweg

Bei Buchholz hält man sich rechts in Richtung Gartis/Gulmalpe. Bei Käspisebene (920 Meter), knapp vor Gartis, hat man den höchsten Wanderpunkt der Route erreicht und nimmt somit den Rückweg unters Schuhwerk.

Vorbei an der Schranke wandert man nun in Richtung Bergmännles/Satteins. Ein flacher Forstweg durchschneidet eine landwirtschaftliche Kulturlandschaft mit gut erhaltenen Hütten, der Wald öffnet sich und gibt Talblicke frei. Ab Motta braucht man 35 Minuten bis Bergmännles und gar eineinviertel Stunden bis Satteins.

Wildes Tobel bei Bergmännles. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Wildes Tobel bei Bergmännles. Hertha Glück

Links ab durchquert man den Wald, überschreitet eine schmale Brücke, steigt einen schmalen Hangweg hinauf und kommt wieder auf einen Forstweg nach Hägile. Nun folgt man Serpentinen talwärts, die ein fantastisches Panorama über den Walgau hinweg bis zu den Churfürsten bieten.

In Harba zweigt man zu Bergmännels ab und genießt in Kürze, ab Außerbergweg auf einer Höhe von 825 Metern, ein wenig Abenteuer. Natürlich könnte man ab hier auch einfach der Straße nach Satteins folgen.

Pflanzenkunde

Huflattich, ein Frühblüher.

„Tussilago“ lautet die Fachbezeichnung des Huflattichs und setzt sich aus den lateinischen Begriffen tussis (lat. „husten“) und agere (lat. „vertreiben“) zusammen. Die Namensgebung lässt damit bereits auf die heilende Wirkung der Pflanze schließen. Die schleimstoffreichen Blätter und die Blütenkörbchen liefern ein bekanntes und bewährtes Hustenmittel, beispielsweise in Form von Tee. Achtung jedoch bei Langzeitbehandlungen, hier besteht Vergiftungsgefahr! Alle jungen Pflanzenteile sind für Gemüse, Salat und Suppen geeignet.

Idyllische Landschaft

Die Straße führt zu einem alleinstehenden Bauernhof. Gleich dahinter übernimmt ein Hangweg ins Tobel hinab. Eiszapfen hängen in Erdhöhlen, der Wildbach rauscht durch das Tobel hinab, der überquert werden muss. Schmale Stege geben Trittsicherheit und schon wieder geht es auf dem Forstweg weiter.

Gleich nach der Kurve wartet ein idyllischer Hohlweg, der rasch und schön nach unten führt. Nun schweifen die Blicke über Wiesen wieder ins Oberland bis nach Bludenz. Über die Straße findet man wieder den Hohlweg, der einst ein wichtiger Holzweg war und bei Mollaholla in die Straße mündet.

Idyllischer, geschichtsträchtiger Hohlweg nach Mollaholla und Gartisstraße. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Idyllischer, geschichtsträchtiger Hohlweg nach Mollaholla und Gartisstraße. Hertha Glück

Linker Hand hängt eine eindrückliche Holztransport-Darstellung am Baum. Jetzt ist aber der Rückweg bekannt. Sicherlich leuchten nochmals die Mauerreste der Ruine Schwarzenhorn herüber, funkeln die weißen Mauern der Lourdeskapelle über den Pfudidetschbach und die Hollagaß erinnert ans Nachtvolk, wie es die Sage zu erzählen vermag.

So schön, an ganz sonnigen Plätzen blüht schon der Huflattich, ein wahrer Frühblüher, ein Frühlingsankünder.

Huflattich (Tussilago farfara). <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Huflattich (Tussilago farfara). Hertha Glück

Sage: „Die Axt in der Schulter“

Die nächtliche Runde des Nachtvolks verlief vom Gulm zum Gespaltenen Stein, zur Ruine Schwarzenhorn und durch die Hollagaß ins Dorf hinunter. Man hörte es von weitem. Ein neugieriger Mann wollte die Gestalten auch sehen. Er versteckte sich bei „Sägeris Huus“. Als fürchterliche Wesen vorbeizogen, schlug ihm das letzte Beil in die Achsel.

Ein alter Mann riet ihm, sich nach einem Jahr wieder am gleichen Ort zu verstecken, denn niemand konnte ihm das Beil herausziehen. Das machte er. Plötzlich hörte er: „Do isch min Beil! Züüchs uss!“ Und der Mann war von seiner Qual erlöst.

Gemeinde-Geschichte

Das Gemeindegebiet von Satteins war infolge der geographischen und klimatischen Lage schon vor Christi Geburt besiedelt. Einige Funde deuten darauf hin, dass die Siedlung auf der Vatlära (auf 739 Meter oberhalb vom Schwarzen See) aus der Urnenfelderzeit (1200–800 v. Chr.) stammt.

Im Jahre 1920 wurde an der einstigen Römerstraße, die durch Satteins führte, ein römisches Landhaus „Porticusvilla“ aus dem 1. Jhd. entdeckt. Der Name Satteins wird erstmals um das Jahr 843 im rätischen Urbar als „Sataginis“ urkundlich erwähnt. Diese Bezeichnung ist auf einen keltischen oder illyrischen Namen in der Form von „Satanines“ zurückzuführen. Im Jahre 1255 hieß es Satains.

Rittertum

Im späten Mittelalter unterstanden die Bewohner von Satteins den „Rittern von Schwarzenhorn“, deren Herren waren die „Grafen von Montfort“ in Feldkirch. Die Burg der Ritter Schwarzenhorn wurde 1265 urkundlich erwähnt und vermutlich bereits in den Jahren 1405/06 im Appenzellerkrieg zerstört. 1821–1824 wurden Teile der noch bestehenden Mauern der Ruine abgerissen und das Material für den Bau der Pfarrkirche verwendet.

In früheren Jahrhunderten lebte in Satteins eine rein bäuerliche Bevölkerung, wobei bis Ende des letzten Jahrhunderts auch der Weinbau eine relativ große Rolle spielte.
Quellen: satteins.net, Sagenhafte Spaziergänge in Satteins, nacherzählt von René Malin, Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle&Meyer.

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