Besser leben

Übers abenteuerliche Mühltobel nach Dafins

30.04.2021 • 14:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Das wilde Mühltobel in Richtung Dafins. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Das wilde Mühltobel in Richtung Dafins. Hertha Glück

Hertha Glück wandert durchs Mühltobel.

KURZBESCHREIBUNG

Besonderes: Abwechslungsreiche Rundwanderung für Klein und Groß mit fantastischen Ausblicken übers Rheintal soweit das Auge reicht und der Vogel fliegt.

Anforderung und Gehzeit: In zwei bis zweieinhalb Stunden werden insgesamt 260 Höhenmeter abwärts und auch wieder 260 aufwärts überwunden.

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß

Charakter der Wege: Straße, Forst- und Waldwege, Brücken, Tobel- Hangwege mit Holzgeländer

Kultur und Natur: Kapelle St. Wendelin in Buchebrunnen, Mühltobel, Dafins, Morschkear, Wasserfall

Anziehen und Mitnehmen: gutes Schuhwerk, Wetterkleidung, Wanderstöcke empfohlen

Einkehrmöglichkeiten: Batschuns, Dafins

Start und Ende: Batschuns-Buchebrunnen, Kapelle St. Wendelin

Malerisches Dafins auf 795 Metern Höhe gleicht einem Adlerhorst als Ausblick.<span class="copyright"> Hertha Glück</span>
Malerisches Dafins auf 795 Metern Höhe gleicht einem Adlerhorst als Ausblick. Hertha Glück

Die Orte Muntlix, Ba­tschuns und Dafins bilden zusammen den besiedelten Teil von Zwischenwasser. Die Wanderung jedoch beginnt in Batschuns-Buchebrunnen bei der Kapelle St. Wendelin. Einst soll diese Gegend ausschließlich als Weideland genutzt worden sein. Dies belegen Ort und Landschaft immer noch, denn die schmucken Bauernhäuser sind von weitläufigem Weideland umschlossen, Blumengärten reichen bis zur Straße und es ist eine liebliche Gegend am Rande eines dichten Mischwaldes.

Kapelle St. Wendelin

Bei der Kapelle St. Wendelin nimmt man die Straße abwärts mit Dafins, dem Wanderziel der Route, in Angriff. Beim Brunnen erhält man mithilfe einer Übersichtstafel noch Routeneinblick, kann die Trinkflasche füllen und schon geht es die Straße rechts hinauf dem Wald zu. Von hier sieht man die Kirchturmspitze von Dafins und dahinter liegend Viktorsberg. Beim nächsten Wegweiser zweigt man links in den Wald ab. Ein nach unten geschwungener, schmaler Waldweg führt hinab zur Quelle Riedle. Buchen säumen den Weg und erinnern an die Namensgebung Buchebrunnen – Brunnen im Buchenwald.

Morschkear noch in Dafins mit dem Abstieg nach Batschuns über den Morschkellerweg. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Morschkear noch in Dafins mit dem Abstieg nach Batschuns über den Morschkellerweg. Hertha Glück

Rechts weiter schwingt sich ein etwas breiterer Weg hinab ins Mühltobel. An kargen Felsen krallen sich „Himmelschlüssel“, Buschwindröschen bedecken den Waldboden und Veilchen blitzten zwischen Laubblättern hervor. Besonders im Schatten des Waldes erfreut die Blütenpracht. Schritt für Schritt nähert man sich dem Bachrauschen und plötzlich steht man bei der Brücke im Mühltobel und kann sich gut vorstellen, dass dieser tosende Wildbach Mühlräder angetrieben hat. Wahrlich über Stock und Stein erklimmt man wieder Höhe, wird von Holzgeländern geschützt und erreicht in Bälde einen Forstweg.

Noch in Batschuns auf dem Weg hinab zur Quelle - Riedle.<span class="copyright"> Hertha Glück</span>
Noch in Batschuns auf dem Weg hinab zur Quelle - Riedle. Hertha Glück

Nun geht es im Ortsteil Neugut direkt zur Straße nach Dafins. Wie bereits erwähnt, gehört Dafins zur Gemeinde Zwischenwasser und liegt zwischen dem Mühlbach und der Frödisch, dem Grenzfluss zur Nachbargemeinde Viktorsberg. Dafins ist ein charakteristisches Straßendorf mit über 400 Einwohnern und erstreckt sich von der Talsohle (499 Meter) im Rheintal bis hinauf zum Hohen Freschen (2004 Meter). In fünf Minuten steht man bei der Kirche und dem nächsten Brunnen. Einfach der Straße entlang weitergehen und den Blick zum Alpwegkopf genießen.

Dafins-Oberberg

Vor dem Dorflädele bleibt man rechts, passiert die Schmiede/Kunstschlosserei und steigt die Straße bis Dafins-Oberberg hinauf. In der Kurve geht es steil hinauf bis zum höchsten Punkt der Route in Morsch (913 Meter). Nun legt man den Rückweg unters Schuhwerk, in dem man die untere Straße in Richtung Buchebrunnen über Morschkear nimmt. In der Parzelle Morsch überraschen einzelne sehr gepflegte Gehöfte mit einem überwältigenden Ausblick übers Rheintal bis zum Alpstein, Heidiland und Appenzell. Soweit das Auge reicht und der Vogel fliegt.

In Morschkear ein unbeschreiblich schöner Talblick - soweit das Auge reicht und der Vogel fliegt.<span class="copyright">Hertha Glück</span>
In Morschkear ein unbeschreiblich schöner Talblick - soweit das Auge reicht und der Vogel fliegt.Hertha Glück

Wieder kann man beim Brunnen die Trinkflasche füllen und schnell auf dem Morschkellerweg in den kühlen Wald hinabtauchen. Wieder bringt eine Brücke den Wanderer übers Mühltobel, zeigt einen rauschenden Wasserfall. Schluss­endlich landet man beim bekannten Forstweg und verliert an Höhenmeter dem Ausgangspunkt Buchebrunnen entgegen. Wieder sieht man hinüber nach Dafins und dahinter Viktorsberg, zwei spitze Kirchtürme hintereinander.

Drei Schwestern

Direkt im Fokus liegt das Vorderland mit Rankweil, Sulz und Röthis und den aufragendenden Drei Schwestern, dem Grenzberg nahe Feldkirch. Ein gemütlicher Abschluss der abwechslungsreichen Wanderroute.

Batschuns-Buchebrunnen mit den Drei Schwestern im Blick. <span class="copyright">Hertha Glück</span>
Batschuns-Buchebrunnen mit den Drei Schwestern im Blick. Hertha Glück

Ein Blick in die Chronik

Der Name Zwischenwasser bezieht sich auf die Lage der drei Ortsteile Muntlix, Batschuns und Dafins zwischen den Flüssen Frutz und Frödisch. In die Chronik der einzelnen Ortschaften geblickt, ist dies zu berichten: Schon um 840 wurde Muntlix als „monticulus“ (= Berglein) erwähnt und später um 1127 als „Munthile“. Die Namensgebung Batschuns hat die Ursprünge in „paschun“, „bargun“ – „berguns“ im Sinne von Viehweide, Heustadl oder Heuhütte und zu guter Letzt Dafins – „de-ab-intus“/„deabbintum“ (= hinterliegend, drinnen) und später „trafüns“, „Trafins“ und „Darfins“.

Der Fund eines 18 Zentimeter langen Messers in Batschuns-Suldis weist auf eine mögliche Besiedlung um circa 1600 v. Chr. hin. Zumindest als Weideland genutzt. Von 15–475 n. Chr. stand auch das Gebiet zwischen Frutz und Frödisch in römischer Herrschaft. Die Besiedlung im Oberland erfolgte wahrscheinlich um 800–1100 n. Chr. Der Zehent von „Zwischen den Wassern“ musste damals den Landesherren in Feldkirch abgeliefert werden.

Das wilde Mühltobel. Hier soll auch an und ab das Nachtvolk durchrauschen.<span class="copyright">Hertha Glück</span>
Das wilde Mühltobel. Hier soll auch an und ab das Nachtvolk durchrauschen.Hertha Glück

Sage: Wo das Nachtvolk haust

Wenn man vom Tal aus über die Frödischbrücke nach Dafins geht, sieht man rechts einen Wildbach, den Mühlebach. Einige Hundert Meter von der Brücke entfernt ist eine große Schlucht. Dort geht die Sage vom Goldloch, und man sieht heute noch unterirdische Gänge. Einst rann dort alle zwei Jahre eine „Brente“ voll Gold heraus. Im Goldloch macht um Mitternacht das Nachtvolk Musik. 200 Meter hinter dem Goldloch ist das Pfefferloch; dort geht das Nachtvolk aus und ein.

Quelle: Vom alten Glauben, Sagen aus dem Kreis Dornbirn, Walter Weinzierl u. Theo Bildstein, Dornbirn 1944, S. 4

Wiesen-Schlüsselblume.<span class="copyright"> Hertha Glück</span>
Wiesen-Schlüsselblume. Hertha Glück

Pflanzenkunde

Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris = erste Blume des Frühlings). „Primel“ ist die seit dem 18. Jahrhundert belegte, eingedeutschte Form davon. „Schlüsselblume“ oder volkstümlich „Himmelschlüssel“ wegen der Ähnlichkeit des Blütenstands mit altgermanischen Schlüsseln. Kommt bevorzugt auf Magerrasen und lichten, krautreichen Wäldern, auf grundfrischen, basenreichen, oft kalkhaltigen Böden vor. Ebene bis Hochgebirge. Alle Arten der Gattung sind absolut geschützt.

Quellen: zwischenwasser.at, Taschenlexikon der Pflanzen, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, Vom alten Glauben, Sagen aus dem Kreis Dornbirn, Walter Weinzierl u. Theo Bildstein, Dornbirn 1944, S. 4

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