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Maske tragen hilft auch bei Heuschnupfen

09.06.2021 • 20:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Ein Pollentagebuch ist hilfreich für die Therapie.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Ein Pollentagebuch ist hilfreich für die Therapie.Shutterstock

Was Linderung verschaffen kann und warum Regen nicht immer eine Wohltat für Allergiker ist.

Während 2020 ein außergewöhnlich starkes Pollenjahr war, geht es 2021 eher durchschnittlich zu – trotz des langen Winters. Aktuell haben Gräser und Pilzsporen Hochzeit. Uwe Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes und der Forschungsgruppe „Aerobiologie und Polleninformation“ an der Medizinischen Universität Wien, erläutert, warum sich Regen nicht immer positiv auf die Pollenbelastung auswirkt und welchen Segen die Masken für Allergiker gebracht haben.

Pollen-Experte von der Med Uni Wien Uwe Berger. <span class="copyright">Wilke</span>
Pollen-Experte von der Med Uni Wien Uwe Berger. Wilke

1. Welchen Einfluss hat der lange Winter auf die derzeitige Pollenbelastung?
Uwe Berger:
Ein langer Winter hat Einfluss auf den Start der Pollensaison. Es kann passieren, dass dann mehrere Gewächse gleichzeitig zu blühen beginnen. Wird es dann noch schlagartig warm, gibt es einen explosionsartigen Anstieg der Pollenbelastung. Ein langer Winter hat aber auch einen Vorteil: Das Immunsystem des Allergikers kann sich regenerieren.


2. Wie war die Situation heuer?
Berger:
Nicht außergewöhnlich. Die Saison ist zwar später, aber was die Frühblüher betrifft, durchschnittlich bis unterdurchschnittlich gestartet. Das liegt daran, dass es nicht extrem kalt war und dann plötzlich warm wurde. Das Frühjahr war wettertechnisch eben auch durchschnittlich.


3. Wirkt sich ein langer Winter auf das ganze Pollenjahr aus?
Berger:
Nein, nur auf die Frühblüher wie Erle, Hasel oder Esche. Diese können das Ende ihrer Ruhephase nach hinten verschieben und dann eine zusätzliche Belastung zu den Gräsern sein. Personen, die auf Frühblüher und auf Gräser reagieren, haben dann überhaupt keine Verschnaufpause.


4. Dieser Tage hat es hierzulande viel und lange geregnet– wie wirkt sich diese Witterung aus?
Berger:
Regen wirkt sich nicht grundsätzlich positiv auf die Pollenbelastung aus. Es hängt stets von der Länge ab. Kurze Schauer bis zu etwa zwei Stunden verschlimmern die Lage eher, da sämtliche Pollen am Boden und auf den Blättern aufgewirbelt und in die Luft gebracht werden. Damit ist mehr Allergen unterwegs. Gleichzeitig produzieren Niederschläge im Sommer eine hohe Luftfeuchtigkeit – dadurch kommt es vermehrt zu Pilzsporenbildung. Wer auf Pilzsporen reagiert, dürfte diese hohe Belas­tung nicht froh stimmen. Jeder Niederschlag, der merkbar mehr als zwei Stunden andauert, wäscht jedoch Luft und Boden aus. Die Luft wird um einiges attraktiver für Allergiker, sie können durchatmen und haben weniger Beschwerden.


5.  Hilft das allgemeine Maske-Tragen den Allergikern?
Berger:
Wir arbeiten gerade an einer wissenschaftlichen Studie, die den positiven Effekt der Maske – sowohl FFP2 als auch MNS – beweist. Es hat sich gezeigt, dass speziell die Beschwerden die in Nase und Lunge ausgelöst werden, bei der Verwendung von Masken zurückgehen. Die Beschwerden bei den Augen sind gleichbleibend bis stärker. Nach unseren Erkenntnissen hat die Maske einen eindeutigen positiven Effekt.


6. Gibt es erwähnenswerte Zusammenhänge zwischen Allergien und Corona?
Berger:
Nein. Es gab eine wissenschaftliche Arbeit, die einen Zusammenhang hergeleitet hat. Demnach stiegen Pollen in der Außenluft und Corona-Infektionszahlen gleich an. Allerdings war das zeitgleich mit dem Start der Pollensaison. Da hätte man auch zu Zeiten, in denen es in Österreich üblicherweise Hochwasser gibt, untersuchen können, ob der Wasserstand der Donau mit den Corona-Zahlen korreliert. Das ist vollkommener Humbug.


7. Welche Tipps für ein angenehmeres Allergiker-Dasein haben Sie für den Hausgebrauch?
Berger:
Ich bin selbst Allergiker und aus eigener Erfahrung empfehle ich in erster Linie Maske zu tragen. Im besten Fall hat die Maske einen Nano-Partikel-Filter. Aus gleichem Material gibt es mittlerweile Pollenschutzgitter, die sehr zur Linderung der Symptome beitragen. Vor allem bei jenen, die lüften möchten. Von mir als außerordentlich gut aber preisintensiv befunden werden auch Luftreiniger – im besten Fall für Schlafzimmer und Wohnzimmer. Dabei sollte auf ein Markenprodukt gesetzt werden, damit man sich der Filterleistung sicher sein kann. Ein weiterer Tipp ist, sich auf der Webseite des Pollenwarndienstes anzeigen zu lassen, wann die Belastungen am Tag höher oder geringer sind. Die stundengenaue Prognose gibt einen ­guten Überblick, wann man lüften und nach draußen gehen kann.


8. Wann sollten Betroffene dann doch zum Arzt oder brauchen Medikamente?
Berger:
Der Arzt ist noch immer der beste Partner des Allergikers. Wir vom Pollenwarndienst wollen Patienten das Leben erleichtern, während sie eine gute Therapie bekommen. Wer Beschwerden hat, sollte ein Pollentagebuch führen, um zu schauen, auf was sie oder er reagiert. Die gesammelten Symptomdaten können dann direkt dem Arzt übergeben werden. In der Apotheke gibt es dann (rezeptfreie) Mittel, um die Symptome zu unterdrücken. Allerdings müssen diese Antihistamine schon Tage vor dem jeweiligen Saisonbeginn des Allergieauslösers eingenommen werden, sonst wird man dem allergischen Ausbruch kaum noch Herr.


9. Was tun, wenn die Symptome sich weiter verschlimmern und anhalten?
Berger:
Halten die Belastungen zehn bis 14 Tage oder länger an, wird eine Immuntherapie sinnvoll sein. Meist vergehen acht bis neun Jahre vom ersten Niesen des Betroffenen bis zum Zeitpunkt, an dem der Leidensdruck so groß ist, dass ein Arztbesuch unumgänglich wird. Die meisten Patienten beginnen mit einem einzigen Allergen, dann kommen immer mehr dazu, bis sie quasi das ganze Jahr über allergisch reagieren. Dann dürfte die Chance auf ein allergisches Asthma bereits groß sein. Das bedeutet dann Einbußen der Lebensqualität, während man eine Standardallergie nach 14 Tagen los ist.

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