Besser leben

Richtiger Umgang mit gefiederten Untermietern

17.06.2021 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
WG: PA BirdLife Österreich informiert über den richtigen Umgang mit gebäudebrütenden Vogelarten
WG: PA BirdLife Österreich informiert über den richtigen Umgang mit gebäudebrütenden Vogelarten

Derzeit ist Höhepunkt der Mehlschwalben Brutsaison. Die Gebäudebrüter sind geschützt.

Noch bis in den Oktober hinein herrscht rege Bautätigkeit an Gebäuden. Nicht nur die der Menschen, auch jene der Vögel. Seit Jahrhunderten haben Mehlschwalben, Mauersegler, Turmfalken oder Haussperlinge menschengemachte Bauwerke als Brutplatz auserkoren. In der Regel reichen ihnen kleine Mauerlöcher, Nischen unter Dachvorsprüngen, Mauerspalten oder Halbhöhlen an Gebäuden aus. Konflikte zwischen Mensch und Tier bleiben da nicht aus. Vorsicht: Das Entfernen von Schwalbennestern (auch unbenutzten), aber auch anderen Vogelnestern, ist grundsätzlich verboten.

Bestand sinkt

Laut Brutvogelatlas Vorarl­berg (2011) wird der Bestand der Mehlschwalben auf 1500 bis 2000 Stück geschätzt. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. „In einer Untersuchung der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee ging der Bestand an Mehlschwalben in der Region zwischen 1980 bis 2012 um fast 60 Prozent zurück. Gründe dafür sind neben dem Rückgang der Insekten auch die schwindenden kleinbäuerlichen Betriebe, Bodenversiegelung und eben das Entfernen der Nester von den Hauswänden“, weiß Johanna Kronberger von Birdlife Vorarlberg. Mehlschwalben sind in Vorarlberg am häufigsten im Bregenzerwald, Rheintal und Walgau zu finden.

Johanna Kronberger von Birdlife Vorarlberg. <span class="copyright">Privat</span>
Johanna Kronberger von Birdlife Vorarlberg. Privat

Brutplatzwahl

Weil alte Bäume aus Sicherheitsaspekten gefällt werden, fehlt es in Siedlungsgebieten an Baumhöhlen. Deshalb weichen die Vögel auf künstliche Nisthilfen oder eben Gebäude aus. „Gerade in Siedlungen finden sie Schutz vor Beutegreifern, bessere klimatische Bedingungen, vielfältige Lebensräume auf kleinem Areal und ein besseres Nahrungsangebot. Jedoch gibt es dort auch Gefahren“, weiß Kronberger. Vor allem die hohe Dichte an Räubern wie etwa Katzen, Glasflächen – an denen eine erhebliche Anzahl zu Tode kommt – und falsche Nahrung werden den gefiederten Freunden zum Verhängnis. Daher gilt es einmal mehr, die Vögel zu schützen.

Gesetzlich geschützt

Nester und Gelege sind gesetzlich geschützt. Wenn eines entfernt werden muss, ist die Bezirkshauptmannschaft (BH) zu kontaktieren. Grundsätzlich darf das nur in Ausnahmefällen geschehen. „Besser ist es, abzuwarten, bis die Jungvögel ausgeflogen sind. Darüber hinaus sollten während der Brutzeit keine Gebäudesanierungen stattfinden. Mauersegler können das Nest bei einem eingerüsteten Gebäuden nicht anfliegen. Die Jungen werden dann verhungern“, gibt die Fachfrau zu bedenken.

Falls Nester bei Sanierungen entfernt werden, müssen jedenfalls Nisthilfen als Ersatzbrutplatz angebracht werden. Der Mauersegler ist brutplatztreu und auf Risse und Hohlräume in Gebäuden angewiesen. Fallen diese durch Sanierungen weg, können laut Kronenberger lokale Brutvorkommen komplett verschwinden. Auch Kirchen und Türme stellen von jeher einen Lebensraum für Vögel, aber auch für Fledermäuse dar. Nach Sanierungen sind viele Unterschlupfmöglichkeiten nicht mehr offen und die Tiere haben keine Chance, einen Nistplatz zu finden.

Wer sich dem Verbot widersetzt und ein Nest entfernt, riskiert eine Anzeige bei der BH und ein Strafverfahren.

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