Besser leben

Feuerwerke stören Wild und Vogelwelt

30.12.2021 • 19:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Wurde Wild einmal verschreckt, kehrt es mitunter erst Tage später ins gewohnte Revier zurück.<br><span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Wurde Wild einmal verschreckt, kehrt es mitunter erst Tage später ins gewohnte Revier zurück.
Dietmar Stiplovsek

Gerade im Winter haben Fluchtaktionen verheerende Folgen für viele Vogelarten und Wildtiere.

Ein zweiter Jahreswechsel in der Pandemie und ohne große Silvesterveranstaltungen steht bevor. In der Vergangenheit gerieten vor allem öffentliche Feuerwerke immer mehr in die Kritik. Heuer dürfte sich vermutlich wieder das private Abschießen von Raketen und Co. häufen. Die Landesregierung hat daher bereits Ende November ein neues Informationsblatt herausgegeben, welches die negativen Auswirkungen von Feuerwerken aufzeigt.

Neben bekannter umweltschädlicher Einflüsse wie etwa die kurzfristige Feinstaubbelastung wird insbesondere auch auf die Lärmbelastung verwiesen. Besonders Tiere leiden stark unter dem Knall- und Blitzlichtgewitter. Die Landesregierung appelliert daher an die Bevölkerung, sparsam mit Feuerwerken umzugehen und bittet darum, im Nahbereich von landwirtschaftlichen Betrieben und Tierheimen überhaupt keine Feuerwerke zu zünden.

Appell ist zu wenig

Umwelt- sowie Tierschutzverbänden ist das zu wenig. Wie auch der Jägerschaft. „Wir hätten uns eine striktere Vorgehensweise gewünscht, weil die Einflüsse nicht von der Hand zu weisen sind“, sagt Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft. Natürlich sei eine komplette Abschaffung zu radikal, man soll Tradition und Kultur nicht außer Acht lassen. Heigl kritisiert in erster Linie das (private) Abschießen von Feuerwerken neben Silvester. „Nicht jeder Funken braucht ein Feuerwerk, das ging früher auch ohne“, meint er.


Richtig problematisch wird es, wenn Feuerwerkskörper in der Natur, sprich im Ried und im alpinen Raum abgeschossen werden. Denn dort sind die Tiere derartige Störungen nicht gewohnt. „Ein Fuchs, der mitten in der Stadt lebt, ist vieles gewöhnt“, zieht Heigl den Vergleich.

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Dietmar Stiplovsek

Dramatische Kombination

Licht und Lärm bei Schneelage ist eine dramatische Kombination. „Gämsen schon sind abgestürzt, weil sie panisch in steile Felswände hineingesprungen sind. Dabei reicht die Flucht alleine schon aus, damit das Wild Schaden nimmt. Die Tiere benötigen nämlich sämtliche Energiereserven, um über die kalte Jahreszeit zu kommen. Gegen Ende des Winters können solche Ereignisse zum Tod führen, weil dem Wild die Energie ausgeht, sie verhungern und erfrieren.


Auch der Müll – speziell Plastik – der vom Himmel fällt, ist ein Problem. „Es gab Fälle, in denen Hirsche erlöst (geschossen, Anm.) werden mussten, weil der Panzen (Magen, Anm.) mit Plastik voll war. Das kann nicht ausgeschieden werden und macht eine Nahrungsaufnahme unmöglich“, weist Heigl auf die Plastikverschmutzung hin, welche nicht nur die Meere, sondern eben auch hiesige Landschaften betrifft.

Vögel steigen auf 1000 Meter auf

Neben dem Wild haben Feuerwerke auch einen negativen Einfluss auf die heimischen Vogelarten. So reagieren auch die meisten Vogelarten auf den plötzlichen Lärm und Lichtblitze mit Flucht, was auch hier zu bedrohlichem Energieverlust führt, informiert Johanna Kronberger, Vorsitzende von Birdlife Vorarlberg. „GPS-Sender haben dokumentiert, wie Vögel bei Feuerwerken in der Nacht bis zu 1000 Meter hoch aufsteigen, weil sie der Gefahr ausweichen wollen“, ergänzt Heigl.
Speziell für Vögel sind aber auch die alternativen Lasershows problematisch. Zumindest während des Vogelzuges (Herbst und Frühjahr). So ziehen die meisten Vogelarten in der Nacht und können durch die Lichteffekte von ihrem Kurs abkommen. In oder in der Nähe von Schutzgebiet und sensiblen Lebensräumen sollten generell solche Shows nicht stattfinden.

Schafe und Kühe fressen Plastikrückstände die auf Wiesen und Feldern landen. Mit verheerenden Folgen.<br><span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Schafe und Kühe fressen Plastikrückstände die auf Wiesen und Feldern landen. Mit verheerenden Folgen.
Dietmar Stiplovsek

Lärm und Licht lösen Panik aus

Zwar sind Nutz- und Haustiere im Stall oder in den vier Wänden untergebracht, vor Lärm mit einer Lautstärke von über 170 Dezibel schützt das trotzdem nicht. „Haustiere verkriechen sich, haben Panikattacken bis hin zu Todesängsten und können oft selbst vom Besitzer nicht beruhigt werden“, weiß die Dornbirner Tierärztin für Kleintiere Sarah Forte. Ihr Tipp: Selbstverständlich können beim Tiermediziner Medikamente und Pasten abgeholt werden, die simpel zu verabreichen sind und den Stress reduzieren. Vor allem für Hundebesitzer ist das eine mögliche Hilfe. Zudem hilft es, das Radio oder den Fernseher einzuschalten, damit sich die Tiere nicht zu sehr auf die Knall-Geräusche konzentrieren.

Lämmer zu Tode gekommen

Landwirt Christian Meusburger von der Abteilung Tierhaltung bei der Landwirtschaftskammer verbringt jedes Silvester die Zeit um Mitternacht mit der gesamten Familie im Stall. Bei voller Beleuchtung, damit die Tiere nicht erschrecken, wenn die Raketen steigen. Auch das Radio läuft, damit es nicht still ist, bevor es kracht. „Die Knallerei ist eine übermäßige Belastung für das Gehör der Tiere. Sie können in Panik geraten. Es sind schon oft junge Lämmer in Schafherden zu Tode gekommen. Es wurden auch schon Fehlgeburten beobachtet“, berichtet er.
Beim lieben Vieh sorgt der anhaltende Lärm für Angstreaktionen und Panik, was zu Verhaltensstörungen und sogar zu schweren Verletzungen führen kann.

Plastik im Futter

Gleichzeitig sind Wiesen, Weiden und Felder, auf denen Feuerwerke gezündet werden, erheblichen Belastungen durch Plastikteile von Raketen und durch Schwermetalle, die aus den Farbeffekten in den Raketen stammen, ausgesetzt. Das wiederum findet sich folglich im Futter der Tiere wieder. „Selbst spitze und scharfe Gegenstände werden nicht immer erkannt und aus dem Futter separiert. So kommt es zu Fremdkörperverletzungen des Verdauungstraktes. Daran können die Tiere sogar sterben“, gibt Meusburger zu bedenken.

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