Besser leben

Das Hirsegras – ein Rasenfeind

09.07.2022 • 15:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Egal ob englischer Rasen oder Gänseblümchen: alles leidet unter der Hirse.<br><span class="copyright">NEUE/Michael Becker (creative commons)</span>
Egal ob englischer Rasen oder Gänseblümchen: alles leidet unter der Hirse.
NEUE/Michael Becker (creative commons)

Die ursprünglich aus dem Süden stammenden Hirsegräser machen vor allem frisch angelegten Rasenflächen zu schaffen, indem sie das einheimische Gras überwuchern und ersticken.

Selbst ökologisch orientierte Gärtner haben keine Freude, wenn es in ihrem Rasen auftaucht: das Hirsegras. In hohen Wiesen strebt es nach oben und kann mit seinen Ähren sogar zierlich aussehen. Im kurz gehaltenen Gras breitet es sich hingegen flechtig aus, wie ein Geschwür, und erstickt seine Umgebung.
Die verschiedenen Hirsegräser, wie Hühnerhirse oder sogenannte Liebesgräser, stammen ursprünglich aus den Tropen und Subtropen. Man kennt sie etwa aus Parkanlagen im Urlaub am Mittelmeer. Anders als heimische Gräser sind sie auf warmes Wetter angewiesen. Bei Hitze können sie sogar richtiggehend zu wuchern beginnen. Am besten gedeiht die Hühnerhirse, die am häufigsten im Rasen auftritt, bei warm-feuchtem Wetter. Mit dem Klimawandel fühlt sie sich auch in heimischen Gegenden immer wohler.

Mechanische Bekämpfung

Da sich die Hirse an den regelmäßigen Rasenschnitt anzupassen vermag und ihr Wachstum entsprechend in die Breite verlagert, beginnt sie, nebenstehende Gräser, aber auch Gänseblümchen und andere Rasenpflanzen mit ihren Seitentrieben zu überwuchern. Wer das Hirsegras mechanisch entfernt, muss entsprechend an kahlen Stellen mit Rasensamen nachsäen. Bei mäßigem, stellenweisem Befall kann man die Pflanzen leicht händisch, mit einer Harke oder Gartenschere aus dem Boden reißen, harken oder schneiden. Die Wurzeln sind meist gut zu entfernen.

Hat die Pflanze schon Fruchtstände angesetzt, sollte man sie jedoch im Grünmüll und nicht im eigenen Kompost entsorgen, sonst treibt sie im Folgejahr erneut aus. Größere befallene Flächen sollten vertikutiert werden, wobei sich dadurch die Einzelpflanzen nicht immer herausreißen lassen. Das Vertikutieren im Herbst unterstützt jedoch den Wuchs von Konkurrenzgräsern, die der Hirse im nächsten Frühjahr das Leben schwer machen. Ein Durchrechen der befallenen Fläche vor dem Rasenmähen kann zumindest den Wuchs der Seitentriebe eindämmen.

Die Hühnerhirse breitet sich besonders rasch auf kahlen Stellen und bei warmen Temperaturen aus. <span class="copyright">NEUE/Michael Becker (creative commons)</span>
Die Hühnerhirse breitet sich besonders rasch auf kahlen Stellen und bei warmen Temperaturen aus. NEUE/Michael Becker (creative commons)

Wiedersehen im nächsten Jahr

Als Gras, das in subtropischen und tropischen Gefilden beheimatet ist, stirbt die Hirse im Winter ab, wodurch auf den betroffenen Rasenflächen braune Stellen entstehen. Damit ist man das Gewächs aber nicht los. Im nächsten Frühjahr gehen nämlich die Nachkommen auf, die die vorjährige Generation ausgesät hat. Ein Exemplar kann über 1000 Samen produzieren.
Zwar keimen die jungen Pflanzen erst ab einer Temperatur von 15 Grad Celsius, breiten sich dann aber so rasch aus wie bereits ihre Eltern.

Die Bekämpfung

Gegen die Generationenfolge der Hirsegräser hilft auch der Rasenmäher nicht, da die Pflanze bei regelmäßigem Schnitt beginnt, auch ihre Fruchtstände in Bodennähe auszubilden. Die Blüh- und Reifezeit reicht von Juli bis September oder Oktober. Es empfiehlt sich daher, die Pflanzen so früh wie möglich zu bekämpfen. In einem dichten Rasen hat es die Hirse schwer, aufzukommen. Daher befällt sie bevorzugt neu angelegte Grasflächen und Brachen. Um der Hirse vorzubeugen, sollten neue Rasenflächen am besten im Herbst angelegt werden, wenn heimische Gräser noch keimen, die Hirse aber nicht mehr. Ist die Rasenfläche im Frühjahr bereits geschlossen, haben Hirsegräser kaum mehr Angriffsmöglichkeiten.

Gegen die Hirse ist ansonsten leider noch kein Kraut gewachsen. Als Ultima Ratio gelten diverse Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Fenoxaprop, die in Österreich im Online-Handel erhältlich, aber etwa in Deutschland nicht zugelassen sind. Es wirkt auch gegen andere einkeimblättrige Gräser, verschont aber typische einheimische Rasengrasarten. Ist das Hirsegras abgestorben, sollte man rasch Rasengräser nachsäen.