Besser leben

Wanderroute ins Wasserstubental

22.07.2022 • 17:59 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Übers Wildried zum Fellimännle geblickt. <span class="copyright">GERHARD VYELT</span>
Übers Wildried zum Fellimännle geblickt. GERHARD VYELT

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern von der Bergstation Kristbergbahn zur Unteren Wasserstubenalpe.

Besonderes: Es ist eine familienfreundliche, abwechslungsreiche Tour inmitten Wasser, Blumen und fantastischer Bergwelt.

Anforderung und Gehzeit: In dreieinhalb Stunden werden insgesamt 208 Höhenmeter unters Schuhwerk gelegt.

Tipps: Kinderwagen, Fahrrad, Hunde geeignet

Markierungen: gelb-weiß

Charakter der Wege: Forstwege

Kultur und Natur: Kristberg, Teile des Sagenwanderwegs, Alte Säge, Naturkneippanlage «Sieba Brünna», Hochmoor Wildried, Untere Wasserstubenalpe im Wasserstubental

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Kleidung je nach Wetter

Einkehrmöglichkeiten: Untere Wasserstubenalpe, Knappastoba und Panoramagasthof am Kristberg

Start und Ende: Bergstation Kristbergbahn, Silbertal

Wenn man mit der Gondelbahn hinaufsegelt, sieht man gut, dass das Silbertal eine Streusiedlung und zugleich ein Seitental des Montafons inmitten der Gebirgsgruppe Verwall ist. Schon vor über 1000 Jahren wurde hier Bergbau betrieben und die Bergknappen schürften auf den Höhen des Kristberghanges nach Silber, Kupfer und Eisen, was auch die Namensherkunft erklärt. Silbertal hieß sogar bis ins 7. Jahrhundert Silberberg.

Schattiger Weg zum Wildried. <span class="copyright">GERHARD VYELT </span>
Schattiger Weg zum Wildried. GERHARD VYELT

Nun in der Höhe von 1440 Metern angekommen, lohnt sich ein Staunen über die Weite des Tals und die Nähe der fantastischen Bergwelt. Eine Panoramatafel hilft bei der Gipfelsuche. Rechts ab führt die Forststraße breit und sehr gemütlich bis zur Unteren Wasserstubenalpe. So wandelt man auf einem Höhenrücken zwischen Itonskopf und Muttjöchle, dem nordwestlichen Ausläufer der Verwallgruppe, der das Montafoner Silbertal vom Klostertal im Norden trennt. In Bälde steht man bei der Alten Säge, bei der sich seitlich am Endbach symbolisch für frühere Zeiten ein Wasserrad dreht. Immer diesem Forstweg folgend, begleiten auf der gegenüberliegenden Seite im Uhrzeigersinn das Mittagsjoch (2362 m), Hochjoch (2520 m) und der Sennikopf (2269 m). Auf diesem Weg begegnet man auch Holzstelen mit herausziehbaren Infotafeln, die über die Sagen, die vor Ort oder ganz nah gespielt haben sollen, erzählen.

Die „Kneippanlage Sieba Brünna“ lädt bei guter Körpertemperatur zum Armbad ein und weiters verspricht die Wassertrete bei richtiger Anwendung Erfrischung. So in einer Dreiviertelstunde offeriert der Wildried Aussichtspunkt einen weiten Talblick über Bartholomäberg zum Golmer Joch, Schesaplana (2965 m) und Zimba (2643 m). In Kürze erreicht man eines der höchstgelegensten Hochmoore Europas, das Wildried auf 1550 Metern.

Ein traumhafter Ausblick. <span class="copyright">VYELT </span>
Ein traumhafter Ausblick. VYELT

Waren es bis hierher Malven, Schafgarbe, Bergflockenblume und Frauenmantel, die den Weg säumten, stehen hier ein paar Arnikas. Bitte, sie sind geschützt, nur betrachten. Ab hier ist man in gut zwanzig Minuten bei der Unteren Wasserstubenalpe, die eingebettet in satte Hügelkämme auf 1503 Höhenmetern am Beginn des Wasserstubentales liegt. Das Rauschen des Wildbaches Burtschabach begleitet den Weg und die Blicke schweifen hinauf zur Silbertaler Lobspitze (2605 m) und dem Fellimännle (2209 m). Zusammen mit der Oberen Wasserstubenalpe sömmern 36 Milchkühe, über hundert Mutterkühe samt Kälbchen und Rinder sowie 16 Alpschweine. Mit liebevoller Handarbeit werden Montafoner Sura Kees und Alpbutter hergestellt.


Pauline vom Paulinarium am Ludescherberg hat mit ihrem Mann Reinhard in mühevoller Arbeit die Alphütte der Unteren Wasserstubenalpe hergerichtet. Herzlich bietet sie den Wander:innen Selbstgemachtes an. Was es gerade gibt und so lange es reicht. Sogar ihren fahrbaren Backofen hat sie aufgestellt, somit kann man frischgebackenes Brot genießen. Pauline setzt sich dann zu den Gästen, plaudert fröhlich, schenkt den Gästen Zeit. Sie genießt das Leben auf der Alpe unter dem Motto: Denke immer daran, dass es nur eine wichtige Zeit gibt: Heute. Hier. Jetzt. (Leo Tolstoi)

Ausgeruht, satt lässt sich der Rückweg in veränderter Perspektive und neuen Eindrücken in Angriff nehmen. Bitte die Abzweigung in Richtung Kristberg nach dem anfänglichen flachen Stück nicht versäumen. Nur bis zum Hochmoor Wildried geht es steil aufwärts, dann wiederum eher flach bis zum Ausgangspunkt. Die veränderte Perspektive zeigt wieder andere Naturschönheiten, wie festgekeilte Findlinge im Muttwald.

Rund um die Tour: Sagenwanderweg Verwall

Sagen sind festes Kulturgut der Montafoner. Der Themenweg führt entlang von zehn spannenden Schauplätzen am Kristberg und im Silbertal. Beides sind historisch und kulturell bedeutsame Orte, besonders wegen dem Bergbau. Deshalb drehen sich die Sagen oft um die Bergleute, um Gold und Silber, aber auch um christliche Ereignisse, moralische Verfehlungen und Naturphänomene.
Mit dem Locandy App, das man vorher herunterladen kann und dem QR-Code erfährt man noch viel mehr über die Sagenwelt.

Alte Säge

Die Alte Säge wurde im Jahr 1909 errichtet und im Frühling wurde mit Wasserantrieb Holz versägt, allerdings bei Schneemangel blieb das Holz bis in den Sommer liegen und verdarb.
1940 wurde die Säge am jetzigen Standort mit einem Dieselmotor aufgebaut, später mit Strom versehen. 1980 wendeten beherzte Mitglieder der Genossenschaft viele Stunden und Geld auf, um die Alte Säge wieder in Schwung zu bringen. Dies haben sie erfolgreich erschaffen.

Lebende Hochmoore wie das höchstgelegenste Hochmoor Europas „Das Wildried“ entstehen dank der Torfmoose, die oben immer weiterwachsen, während sie unten fortlaufend absterben, so erhebt sich das Hochmoor allmählich über die Umgebung. Die Bezeichnung Hochmoor hat also nichts mit der Meereshöhe zu tun. Auf diese Weise entsteht im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden Torf. Ein Torfmoor wächst etwa einen Millimeter pro Jahr, das sind rund zwei Meter seit Christi Geburt! Zerstört werden kann es dagegen in wenigen Stunden. Intakte Hochmoore speichern große Mengen an Kohlenstoff, sie sind daher auch für den Klimaschutz wichtig.

Arnika, Berg-Wohlverleih (Arnica Montana). <span class="copyright">GERHARD VYELT </span>
Arnika, Berg-Wohlverleih (Arnica Montana). GERHARD VYELT

Pflanzenkunde

Die Arnika auch Berg-Wohlverleih ist seit altersher ein geschätztes Heilmittel, z. B. äußerlich bei Wundheilung, auch als Bestandteil von Haarwaschmitteln und Badezusätzen. Doch ist der innerlichen Anwendung äußerste Vorsicht geboten, da außer den ätherischen Ölen stark giftiges Helenalanin (u.a. Herzgift) enthalten ist. Wegen des allgemeinen Rückgangs der Art sollte besser die Ringelblume (Calendula officinalis) verwendet werden, die die gleichen Wirkstoffe besitzt. Liebt frische Silikatmagerrasen, Feuchtwiesen und ist düngerfeindlich, Kalk meidend. Wird vom Weidevieh gemieden. Gedeiht fast nur noch im Gebirge. Geschützt.

Quellen: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg, Quelle & Meyer, naturvielfalt.at, silbertal.at