Besser leben

Abenteuerliche Tour um den Hochmaderer

29.07.2022 • 18:29 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Hochmadererjoch. <span class="copyright">Gerhard Vylet</span>
Hochmadererjoch. Gerhard Vylet

Wanderführer Hertha Glück und Gerhard Vylet wandern vom Vermunt Stausee zum Hochmadererjoch.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Es ist ein anspruchsvoller Alpinweg mit teils weglosem Gelände, jedoch überwältigendem Panoramablick bis in den Walgau.

Anforderung und Gehzeit: Circa 7 ,5 Stunden Wegzeit und 1190 Höhenmeter für erfahrene, trittsichere, schwindelfreie Wanderer

Wichtig: Tunnelstrecke

Markierungen: gelb-weiß, weiß-rot-weiß, weiß-blau-weiß

Charakter der Wege: Forst- und Wiesenwege, alpiner Steig im steilen Wiesen- und Schottergelände, exponierte Stellen ohne Sicherung, Tunneldurchquerung

Kultur und Natur: Vermunt Stausee, ursprüngliche Landschaft des Garneratales

Anziehen und Mitnehmen: Schuhwerk mit Profilsohle, Wetterkleidung, Jause, Getränke

Einkehrmöglichkeiten: KEINE

Start: Wanderparkplatz Vermuntsee, Bushaltestelle Linie 85 Saarbrücker Hütte“

Ende: Haltestelle „Vermunt

Der Weg ist das Ziel der Tour um den Hochmaderer. Schließlich werden neben dem Hochmaderer (2823 Meter) auch der Stritkopf (2745 Meter) und die Tschambreuspitze (2605 Meter) umrundet. Ab dem Parkplatz oder der Bushaltestelle ist das erste Etappenziel das Hochmadererjoch vermerkt. Zweieinhalb Stunden Gehzeit und 750 Höhenmeter.

Auf der Straße zur Saarbrücker Hütte geht es gemütlich aufwärts, bis rechts der markierte Wiesenweg abzweigt. Rasch gewinnt man an Höhe. Neben Wacholdersträuchern stechen Blumen wie der gelbe Tüpfelenzian, der Purpurenzian, Wiesenkerbel und der rötlich-pink blühende Graue Alpendost ins Auge. Immer neu zeigt sich auch die Landschaft. Türkis der Stausee, grau-weiß das Band der Silvrettastraße und darüber schwarzgrau der Schattenkopf.

Bergspitzen

Der Weg führt oberhalb der Quelle des Gandatälibaches ins Maderertäli. Kurz geht es etwas flacher dem Bach entlang, bevor der steile Anstieg zum Joch erfolgt. Oben blickt man über die Bielerhöhe und den Silvrettasee bis nach Tirol und sieht in der Ferne auch Bergspitzen, die an die Schweiz grenzen: Gamspleispitze (3015 Meter), Fluchthorn (3398 Meter), Madlenerspitze (2977 Meter), Dreiländerspitz (3196 Meter) und rechts der Lobturm (2867 Meter). In Richtung Garneratal zeigen sich Vergaldner Joch (2511 Meter), Kuchenberg (2523 Meter) und Matschuner Jöchli (2424 Meter) auf der gegenüberliegenden Talseite. Dahinter sorgen Madrisahorn (2826 Meter), Gargeller Madrisa (2770 Meter), Schesaplana (2965 Meter), Valisera (2716 Meter) und Heimspitze (2685 Meter) für ein prächtiges Panorama.

Tunnel (Tromenier) auf dem Rückweg.<span class="copyright"> Gerhard Vylet</span>
Tunnel (Tromenier) auf dem Rückweg. Gerhard Vylet

Nach einer ersten Rast steigt man 200 Meter bis zur Abzweigung Gatschettatäli ab. Die weiteren Etappenziele Schafbodenjöchli und Tromenier sind weiß-blau-weiß markiert. Das purpurfarbene Stängellose Leimkraut sorgt neben der Wegmarkierung für Farbtupfer im überwiegend steinig grauen Kar. Im weiteren Verlauf verlangt der Weg dem Wanderer einiges ab. Jetzt sind absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Auf eine gemütliche Wiesenlandschaft folgen kurz darauf Wiesen- und Schottersteilhänge. Nach der konzentrierten Überquerung dieser Passagen beginnt im flachen Kessel der Inneren Alpila die Suche nach dem richtigen Weg. Die weiß-blau-weißen Markierungen führen zum Wegweiser, über den Alpilatobelbach und nach einem Anstieg schließlich über einen sandigen Steilhang auf den Sandgrat. Von hier ist die von Alpilakopf und Schafbodenkopf eingerahmte Äußere Alpila Alpe zu sehen.

Das Schafbodenjöchli liegt rechts und der nächste Steilhang darf gequert werden. Den einzelnen Markierungen folgend, wird der Hang im Auf und Ab durchstiegen und der Wiesenweg oberhalb des Schafbodenjöchli erreicht. Hier überrascht der Ausblick bis in den Walgau, sogar der Walserkamm von Hochgerach bis Löffelspitz, Hohe Fraßen und Breithorn sind zu sehen. Auf der anderen Seite der Blick übers Verwall von Pflunspitze und Patteriol bis zum Hochnörderer.

Wegloser Teil

Erfolgt der Abstieg zuerst auf einem Steig, beginnt im flacheren Gelände der weglose Teil der Wanderung. Stein-Markierungen helfen, den Weg zu finden. Ab Außertschambreu rückt Tromenier auf dem weiß-rot-weißen Weg in den Fokus. Nach kurzem Anstieg führt der Weg fast flach zum Wald und durch die Lawinenverbauungen hinunter nach Tromenier. Der Rückweg beginnt auf der Straße und führt ohne Wegweiser oder Markierung durch den Tunnel. An heißen Tagen eine willkommene Abkühlung und aufgrund der Länge des Tunnels ein seltenes Erlebnis. Zurück im Sonnenlicht folgt kleiner Anstieg zum See. Über die Staumauer gelangt man zur Busstation Vermunt und dem See entlang zurück zum Ausgangspunkt.

Garneratal auf dem Weg zur Inneren Alpila. <span class="copyright">Gerhard Vylet </span>
Garneratal auf dem Weg zur Inneren Alpila. Gerhard Vylet

Technische Wunderwerke und Garneratal

Die als Gewichtsstaumauer ausgeführte Staumauer vom Vermuntsee wurde von 1928 bis 1930 gebaut. Technische Besonderheit war die damals neue Bauweise mittels erdfeuchtem Beton, der mit Pressluftstampfern verdichtet wurde. Für den Bau wurden verschiedene Wege, Straßen und Materialbahnen errichtet. So auch eine Schmalspur-Eisenbahn von der Baustelle der Staumauer nach Tromenier zum Schrägaufzug. Nach der Fertigstellung des Silvretta-Stausees 1959 wurde die Bahn für die Öffentlichkeit freigegeben und bis zu deren Rückbau 1974 touristisch genutzt. Seither steht der Tunnel im Sommer für Wanderer offen und sorgt an heißen Tagen für eine willkommene Abkühlung am Rückweg.

Der Vermuntsee gehört der Vorarlberger Illwerke AG und wird mit dem Wasser von der Ill und Kromerbach gefüllt. 2014 bis 2020 wurde das Pumpspeicherweg Obervermuntwerk II errichtet. Die alte Leitung zwischen Slivretta-Stausee und Vermuntsee wurde durch unterirdische Leitungen ersetzt. Das Wasser des Sees wird durch einen 20 Kilometer langen Stollen bis zum Staubecken Latschau geleitet.

Das Garneratal reicht von der Grenze zur Schweiz bei den Plattenspitzen bis nach Gaschurn. Die Agrargemeinschaft Garnera als Besitzerin ist bemüht, den ursprünglichen Zustand des circa zehn Kilometer langen Tals zu erhalten. Auf der linken Talseite sömmern die Kühe und auf der rechten (östlichen) Talseite befinden sich zwischen Juni und Ende September etwa 800 Schafe. Da sich die Schafe am Berg bis auf 2500 Meter Höhe frei bewegen, begegnet beziehungsweise sieht man sie auf dieser Tour immer wieder. Im Herbst werden die Schafe wieder „eingesammelt“ und in Gaschurn bei der traditionellen „Schafscheide“ den Besitzern übergeben.

Auf der Strecke können Wanderer den Purpur Enzian finden.<span class="copyright">Gerhard Vylet </span>
Auf der Strecke können Wanderer den Purpur Enzian finden.Gerhard Vylet

Pflanzenkunde

Purpur Enzian Gentiána purpúrea

Der vor allem in den Westalpen vorkommende Purpur-Enzian ist eine seltene gefährdete Enzianart. In Österreich ist er nur in Vorarlberg bis zum Arlberg in höheren Regionen zwischen 1600 und 2700 Metern zu finden. Er wird 20 bis 60 cm hoch und hat gegenständig angeordnete Blätter. Er blüht im Juli und August. In den oberen Blattwinkeln sitzen jeweils 1-3 Blüten. Ganz oben sind mehrere kopfig gehäuft. Die purpurnen Blüten sind innen gelblich und im Unterschied zum Ostalpen-Enzian nicht gepunktet. Die Wurzeln können zu Enzianschnaps verarbeitet werden. Dies trägt bis heute wie bei den anderen Enzian Arten zur Gefährdung bei.

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