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Trump schweißt EU und China zusammen

Chinas Premier trifft heute die EU-Spitze. Zuvor besuchte er in Berlin die deutsche Kanzlerin.

Finn Mayer-Kuckuk, Peking

Schon die Auswahl der Themen zeigt eine klare Abgrenzung von der Kommunikationsverweigerung des US-Präsidenten: Vertreter der EU wollen heute mit Chinas Premier Li Keqiang über Klimaschutz, freien Handel und eine Ausweitung der Zusammenarbeit sprechen. Ähnliche Themen haben zuvor schon Gespräche Lis mit der deutschen Regierung in Berlin dominiert. „Europa und China haben derzeit in einigen Bereichen mehr Gemeinsamkeiten, als es innerhalb des transatlantischen Bündnisses der Fall ist“, sagt Jan Gaspers von der Denkfabrik Merics in Berlin. „Diese zeigen sich besonders in der globalen Klima- und Handelspolitik.“ Derzeit lässt sich einer historischen Verschiebung der Bündnislinien zusehen. Wie erwartet öffnet Trumps Wahlspruch „America First“ politische Freiräume, die einige Akteure eilig besetzen.

Auf die Amerikaner sei nicht mehr so richtig Verlass, sagt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Das bedeutet nicht gleich, dass die Chinesen in jeder Hinsicht verlässlicher wirken. „Vieles verbleibt momentan noch auf der Ebene von Erklärungen und Absichtsbekundungen“, sagt Gaspers. In der Praxis ist China weiterhin größter Klimasünder, die EU-Wirtschaft hat sich über Handelshemmnisse beklagt.

Tatsächlich stimmen die Werte zwischen den USA und der EU trotz Trump immer noch besser überein als mit China. Doch etwas anderes ist plötzlich wichtiger geworden: grundsätzliche Verlässlichkeit und konkrete gemeinsame Interessen. Wenn die USA ausfallen und Europa sich nach neuen Partnern umsieht, ist China logische Wahl. Es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein riesiger Markt, größter Investor.

Für Peking wäre eine neue Offenheit ein großes Geschenk. China ist in Asien eher unbeliebt, Bündnisse sind dringend gesucht. Li und seine Partner werden sich also zusammenreißen, um ein Kontrastprogramm zu den desaströsen Verhandlungen mit Trump zu bieten. Im Vorjahr endete der EU-China-Gipfel noch im Streit. Durch Trump ist alles anders. Diplomaten in Peking erwarten eine starke gemeinsame Erklärung.

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