Sport

Zeiten ändern sich (zum Glück)

20.10.2020 • 06:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zeiten ändern sich (zum Glück)
Philipp Netzer, Kapitän von Cashpoint SCR Altach. GEPA (2)

Der Altach-Kapitän Philipp Netzer gibt in seiner Kolumne neue Einblicke.

Noch ein Fehlpass, und ich hau dir eine runter!“ Diese Worte bekam ich beim Training in meiner ersten Saison als Profi von einem Mitspieler zu hören. Das ist mittlerweile 17 Jahre her. Nach jeweils einer Saison in Lustenau und Altach unterschrieb ich für vier Jahre bei Austria Wien.
Auch dort gab es in der Kabine eine imaginäre Linie zwischen Jung und Alt. Kaum Beachtung, kein verbaler Austausch und wenig Hilfestellung auf, geschweige denn neben dem Platz. Hierarchien innerhalb der Mannschaft wurden vom Trainer festgelegt und von den älteren ­Spielern durch Nichtbeachtung und Desinteresse an den jüngeren Spielern bestätigt. Das Resultat war ein schlechtes Mannschaftsgefüge, und von Teamspirit war keine Rede.
Glücklicherweise hat sich in diesen 17 Jahren viel getan. „Jeder Spieler ist gleich viel wert!“ Diese von Trainern oft strapazierte Phrase sollte meiner Meinung nach in jeder Mannschaft gelebt werden. Respektvoller Umgang, Interesse am Mitspieler und Hilfsbereitschaft sind entscheidende Faktoren für ein funktionierendes Kabinenleben und Voraussetzung für sportlichen Erfolg.
Zu Beginn jeder Saison stoßen neue Spieler zur Mannschaft. Teilweise aus anderen Ländern, oft noch sehr jung und das erste Mal längere Zeit von den Eltern getrennt. Trotzdem erfordert es der Profisport, vom ersten Tag an Leistung zu bringen. Wenn dann noch die tägliche Fahrt zum Training wenig Spaß macht, weil man weiß, dass der Wohlfühlfaktor in der Kabine eher gering ist, dann spricht man bei diesen Spielern nach kurzer Zeit oft von Fehleinkäufen. Die Hintergründe bleiben der Öffentlichkeit in der Regel verborgen.
Die Zeiten von Schreihälsen, die ihre Position im Team durch verbale Aggression festigen wollen, sind zum Glück vorbei. Konstruktive Kritik und Diskussionen auf Augenhöhe sind gefragt und haben definitiv mehr Gewicht. All diese Punkte sind kein Garant für Erfolg, jedoch mitunter Voraussetzung, um die optimale Leistung abrufen zu können. Reibung zwischen den Spielern auf dem Trainingsplatz ist erwünscht und wichtig, jedoch sollte davor und danach der Mensch im Vordergrund stehen.
Euer Philipp Netzer

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