Sport

Nun hat es Trainer Kiene erwischt

04.05.2021 • 22:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch der fixe Klassenverbleib konnte Alexander Kiene seinen Job nicht sichern. <span class="copyright">gepa/lerch</span>
Auch der fixe Klassenverbleib konnte Alexander Kiene seinen Job nicht sichern. gepa/lerch

Nach neun Monaten trennt sich Austria Lustenau von Trainer Kiene.

Es gibt keine guten oder schlechte Trainer, es gibt nur erfolgreiche und weniger erfolgreiche“, fasste Stephan Muxel, Mitglied des Austria-Sport-Gremiums, den am Montag entschiedenen und gestern veröffentlichten Trainerwechsel zusammen. Die Trennung von Trainer Alexander Kiene erfolgte, nachdem dieser erst zu Beginn dieser Saison das Amt übernahm. Mit ihm muss auch Co-Trainer Tamas Tiefenbach seinen Hut nehmen.
Lustenaus Vorstand reagierte somit auf die sportliche Talfahrt im Frühjahr. Ein neuer Impuls, neue Akzente sollen her. „Wir haben ja sowieso länger, als es bei der Austria üblich ist, gewartet. Doch nach dem Klagenfurt-Spiel sahen wir uns gezwungen diesen Schritt zu gehen. Ich möchte betonen, dass sich Kiene bis zum Schluss völlig professionell verhalten und alles für den Verein unternommen hat, um den Erfolg zurück nach Lustenau zu bringen“, meinte etwa Grün-Weiß-Vorstandssprecher Bernd Bösch.

Nur neun Monate dauerte die Amtsperiode von Kiene in Lustenau. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Nur neun Monate dauerte die Amtsperiode von Kiene in Lustenau. GEPA/lerch

Geschichtsträchtiges

Kienes breites Fußball-Wissen war dabei unumstritten. Die Fakten lesen sich allerdings nicht rosig: Unter dem Deutschen erreichte der Tabellenvierzehnte einen neuen, ungewollten Negativrekord. Der Punktedurchschnitt betrug nur mickrige 0,96 Zähler.
Dass Langzeittrainer heutzutage Seltenheitswert haben, ist hinlänglich bekannt. Bei Zweitligist Austria Lustenau war der Isländer Helgi Kolvidsson mit 1195 Tagen der letzte dieser Art. Nach seiner Beurlaubung im Herbst 2014 gaben sich bis heute sechs weitere Übungsleiter – die interimistischen Coaches nicht mit eingerechnet – bei den Grün-Weißen die Ehre. Und bei gleich fünf davon endete die Arbeit mangels Erfolges vorzeitig, nur Lassaad Chabbi wurde 2017 vom SV Ried abgeworben. Das jetzige Schicksal von Kiene (276 Tage) wurde zuvor auch Roman Mählich, Gernot Plassnegger, Andreas Lipa und Kolvidsson-Nachfolger Mladen Posavec zuteil.
Letzterer war es, der nach 158 Amtstagen – da lag auch die Winterpause dazwischen – den Hut nehmen musste. Nur zehn Partien waren dem Kroaten vergönnt und er fuhr mit einem Punkteschnitt von 1,1 (drei Siege, zwei Remis, fünf Niederlagen) einen Austria-Negativrekord in der 2. Liga ein. Diese wurde nun vom beurlaubten Deutschen getoppt. In 27 Spielen gelangen nur sieben Siege und fünf Remis. Der Rest – es sind 15 Partien an der Zahl – ging verloren. Zudem gab es noch für den Vorjahresfinalisten das Erstrunden-Aus im ÖFB-Cup gegen Regionalligist Stripfing. An Amtstagen gemessen hält übrigens Lipa, der 2017 auf Chabbi folgte, den unliebsamen Rekord beim Traditionsverein. Der mit hohen Erwartungen nach Lustenau gelotste Wiener musste nach nur 155 Tagen – in der Saison 2017/18 waren gerade Mal elf Runden gespielt – die Segel streichen. Das Cup-Aus in der 2. Runde gegen ASKÖ Oedt wurde Lipa endgültig zum Verhängnis.

Zuletzt setzte es eine 0:2-Niederlage gegen Austria Klagenfurt. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Zuletzt setzte es eine 0:2-Niederlage gegen Austria Klagenfurt. GEPA/lerch

Bekanntes Interims-Team

Gestern Nachmittag leiteten Sportkoordinator Alexander Schneider und Amateure-Trainer Michael Kopf die erste, intensive, eineinhalbstündig Einheit. Die Jungs wirkten intakt. Kopf und Schneider übernehmen bis zum Saisonende. „Das Ziel und der Anspruch der Austria muss sein, diese Saison „über dem Strich“ zu beenden“, finden Muxel und Bösch klare Worte.

Kein Absteiger

Die Tatsache, dass es erneut keinen Absteiger aus der zweiten Liga geben wird, habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt. „Auch wenn nun die Planung etwas sicherer und leichter fällt. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir mit diesem Kader einen besseren Tabellenrang erreichen können“, meinte Bösch. Zur Erklärung: Nach der Regionalliga Ost beschlossen nun auch die Vertreter der Regionalliga Mitte, die Meisterschaft abzubrechen. Wie die Bundesliga mitteilt, sei in Absprache mit dem Tiroler Fußballverband klar geworden, dass kein Regionalliga-Team aus Tirol nachfolgen wird. Die zweite Mannschaft von Wacker Innsbruck wäre der einzige potenzielle Aufsteiger aus der West-Region gewesen. Damit wären die Abstiegssorgen für die Austria und FC Dornbirn abgehakt.
Wer in Lustenau der neue Mann an der Seitenlinie wird, ist noch nicht bekannt. Der Vorstand hat nun etwas Zeit und bereits ein klares Profil. „Französisch sollte er beherrschen“, ergänzt Muxel. Weitere Vertragsverlängerungen könnten bereits nächste Woche erfolgen. Bereits vor der Entlassung stand fest, dass Kiene keine weitere Zukunft im Planet-Pure-Stadion gehabt hätte.

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