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Dornbirns Kader ist komplett

01.09.2021 • 01:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dornbirns Kader ist komplett
Jesse Saarinen ist bereits im Training bei den Bulldogs. ©CDM/Margotti

Der DEC hat die Stürmer Saarinen und Ruzicka verpflichtet. Eine erste Kaderanalyse.

So wirklich typisch ist es ja nicht für die Bulldogs, einen 36-jährigen Flügelstürmer wie Jesse Saarinen zu holen. Aber der Finne war ein Wunschspieler von Kai Suikkanen, der bereits in der Saison 2016/17 der Trainer von Saarinen war; damals bei Kärpät in der finnischen Liiga. Trotz seiner 36 Lenze hat Saarinen kaum etwas von seiner Geschwindigkeit eingebüßt, die einst ein Grund dafür war, dass er in seinen Glanzzeiten sechs A-Länderspiele für die Suomis bestritten hat. Immer noch 35,46 Stundenkilometer brachte der Linksschütze in der Vorsaison in den Play-offs als Höchstwert für HIFK aufs Eis, womit er weiterhin zu den schnellsten Flügelstürmern der Liga zählte. Und noch viel wichtiger: Mit seinen sechs Scorern gehörte Saarinen zu den besten 20 Liiga-Scorern in den Play-offs und hatte einen bedeutenden Anteil am dritten Saisonabschluss-Platz von HIFK. Saarinens durchschnittliche Eiszeit betrug rund 16 Minuten.
Saarinen gilt mit seinen 1,76 Metern als kleiner, technisch exzellenter Flügelstürmer, der auf den Flanken als verkappter Spielmacher auftritt. Er soll bei Dornbirn natürlich auch im Powerplay die Fäden ziehen und Chancen kreieren. Der Nordländer hat im finnischen Oberhaus 791 Spiele bestritten, er kam dabei auf 459 Scorer. 2015/16 spielte Saarinen für Zagreb in der KHL und brachte es auf 26 Scorer. Beim Spiel gegen die Scheibe werden allerdings seine Teamkollegen für ihn in die Bresche springen müssen.

Dornbirns Kader ist komplett
Saarinen beim Schusstraining. ©CDM/Margotti

Attraktion

Das Zeug zur Liga-Attraktion hat der Tscheche Vladimir Ruzicka junior, ein technisch brillanter Center, der mit seinem wuchtigen Körper, er misst 1,90 Meter bei 97 Kilogramm, auch stark im Spiel gegen die Scheibe ist und so die kleinen Sünden von Saarinen ausgleichen könnte. Ruzicka bringt es in seiner Heimat auf 699 Erstliga-Einsätze, bei 354 Scorerpunkten mit 151 Toren und 203 Assists. Wenn Ruzicka bei Dornbirn sein Potenzial aufs Eis bringt, könnte er zum Publikumsliebling avancieren; und zum Schrecken seiner Gegenspieler. Denn seine Qualität ist selten in der ICE-Liga. Dessen Vater gilt in Tschechien als Eishockey-Legende, er wurde als Spieler Olympiasieger und Weltmeister und als Trainer zweifacher Weltmeister mit Tschechien.
Mit den Transfers von Saarinen und Ruzicka ist jedenfalls der Kader der Bulldogs komplett. Saarinen ist bereits in Dornbirn, Ruzicka wird übermorgen erwartet.

Drei osteuropäische Stürmer

Auffällig ist, dass die Dornbirner viele schnelle und technisch versierte Spieler geholt haben und gleich drei der Top-Stürmer aus Osteuropa sind, die alle drei für trickreiches Instinkt-Eishockey stehen. Ein interessanter Gegenpart dazu ist Colton Beck. Der Kanadier ist ein hart arbeitender und sehr kompletter Zwei-Wege-Stürmer, ihm wurde einst eine NHL-Karriere prophezeit.
Wenn es Suikkanen schafft, diese beiden Hockeywelten zu einer funktionierenden Einheit zu formen, könnten auf die DEC-Fans spektakuläre Spiele warten, zumal auch die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern durchaus stimmig erscheint.
Klar ist aber auch, dass in der Offensive die Latte nach der Vorsaison mit der Top-Sturmreihe Luciani, Rapuzzi und Yogan sehr hoch liegt.
In der Defensive könnten die Dornbirner mit das beste Line-up ihrer Klubgeschichte zusammengestellt haben. Zumindest sollte das starke Goalie-Duo Lukas Herzog und David Madlener eine Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison bedeuten. Erreichen Herzog und Madlener ihre Top-Form, sollten beide eine deutliche Steigerung gegenüber Stammgoalie Oskar Östlund sein, der keine Stabilität in seine Leistungen brachte; sich aber oft ungerecht behandelt fühlte, was zu Spannungen führte. Thomas Höneckl wiederum hatte öfters Blessuren.

Dornbirns Kader ist komplett
DEC-Headcoach Kai Suikkanen weiß sehr genau, was er will – und nicht will. Frederic Sams

Vergleich noch schwierig

Mut darf den Dornbirner auch die Verteidigung machen, die ausbalanciert wirkt. Wenngleich ein Fragezeichen hinter Tyler Cuma steht, der sowohl 2018/19 als auch 2020/21 pausierte; davor war er jedoch bei den Capitals ein Leistungsträger. Seine bisherigen Auftritte bei den Testspielen lassen die Dornbirner hoffen, dass ihre Risikofreude belohnt werden könnte.
Was für den DEC in der Saison möglich ist, lässt sich erst seriös abschätzen, nachdem Dornbirn gegen alle Teams in der ICE-Liga gespielt hat.
Erst dann ist absehbar, wie groß Dornbirns Schritt bei der Kaderentwicklung im Vergleich zur Konkurrenz war. Es bleibt spannend bei den Bulldogs.

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