Flora

Der Siegeszug einer Orchidee

23.07.2022 • 17:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Phalaenopsis gibt es in tausenden Variationen zu kaufen. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Phalaenopsis gibt es in tausenden Variationen zu kaufen. Paulitsch

Die Phalaenopsis hat dank ihrer Genügsamkeit und der langen Blühphase fast jedes Wohnzimmer erobert. Wer einige Regeln beachtet, kann jahrelange Freude an ihr haben.

Sie ist vermutlich einer der beliebtesten Schmarotzer: die Orchidee. Über die Hälfte ihrer Arten wachsen als ungebetene Gäste auf Bäumen, so auch die Mitglieder der am meisten verbreiteten Gattung Phalaenopsis. Ihre Arten stammen ursprünglich aus Südost­asien.
Mittlerweile gibt es jedoch kaum ein heimisches Wohnzimmer, in dem sie nicht zu finden ist. Das liegt einerseits an den immer günstigeren Preisen, zu denen sie im Großhandel erhältlich ist, andererseits an ihrer langen Blühzeit und ihrer Anspruchslosigkeit. Phalaenopsis sind auch für geübte Zimmerpflanzenmörder eine Herausforderung. Mit der richtigen Pflege können sie Jahrzehnte alt werden.

Feucht, aber nicht nass

Als Kinder der Tropen lieben die Orchideen eine höhere Luftfeuchtigkeit, als sie in modernen Wohnungen wünschenswert ist. Um sie dennoch gedeihen zu lassen, sollte man ihr natürliches Habitat so gut wie möglich simulieren. Das gelingt beispielsweise, indem man sie etwa einmal in der Woche mit lauwarmem Wasser duscht. Wer es besonders richtig machen will, verwendet dafür Regenwasser, denn Phalaenopsis und ihre Verwandten lieben Kalk nicht besonders. Keinesfalls sollten die Pflanzen im Wasser stehen gelassen werden. Nach der Dusche lässt man sie daher abtropfen und stellt sie wieder in den Übertopf zurück. Nichts erledigt eine Orchidee so schnell wie Staunässe. Wer die Pflanzen besprühen möchte, sollte das eher am Morgen tun, damit die Feuchtigkeit abtrocknen kann. Im Winter können die Pflanzen unter trockener Raumluft leiden.
Die Pflanzen mögen es hell, da sie aber auch im Regenwald von ihren Wirtspflanzen beschattet werden, vertragen sie kein direktes Sonnenlicht. Dieses kann die Blätter verbrennen.

In Gärtnereien kann man eigene Orchideenerde kaufen. <span class="copyright">Steurer</span>
In Gärtnereien kann man eigene Orchideenerde kaufen. Steurer

Keine Erde, gute Ware

Als Schmarotzer, der – wie auch die heimische Mistel – auf Bäumen lebt, brauchen die Zimmerorchideen keine klassische Erde, sondern werden in ein Substrat gepflanzt. Üblicherweise werden dafür Pinienrinde oder Kokosfasern verwendet. Im Winter sollte nicht umgetopft werden.
Hochwertige Orchideenerde erhält man bei den Vorarlberger Gärtnern und Floristen. Sie sind es auch, die die besten Orchideen anzubieten haben. Exemplare aus dem Großhandel werden mit viel Dünger schnell gezüchtet, um sie rasch zur Blüte zu bringen – dafür halten sie oft nicht so lange wie hochwertige Züchtungen. Phalaenopsis aus dem Fachhandel können auch zwei Monate nach dem Kauf noch ihre Blüte tragen. Generell sollte man darauf achten, eher Exemplare zu kaufen, deren Triebe noch nicht vollständig erblüht sind. Das verspricht eine lange Haltbarkeit.

Immer wieder aufs Neue

Haben die Pflanzen einmal ihre Blüten verloren, sollte man sie keinesfalls wegwerfen. Sie können bei richtiger Pflege immer wieder neu erblühen. Wichtig ist dabei, die Stängel der abgeblühten Triebe nicht komplett abzuschneiden. Während andere Orchideen den Saft der Triebe ganz zurückziehen, treiben Phalaenopsis oft noch einmal seitlich aus. Wenn die Blütentriebe vertrocknet sind, kann man sie jedenfalls entfernen. Während der Blühphase freuen sich die Orchideen über eine regelmäßige Düngung, etwa alle zwei Wochen.
Was bei einer tropischen Herkunft eher verwundert: Die Phalaenopsis blüht lieber bei mäßigen Temperaturen. Über 27 Grad setzt sie eher zum Blattwachstum an. Beim Lüften im Winter sollte man darauf achten, die Pflanzen keinen Minustemperaturen auszusetzen.

Farblich ist bei den Dauerblühern für jeden Geschmack etwas dabei. <span class="copyright">Zellhofer</span>
Farblich ist bei den Dauerblühern für jeden Geschmack etwas dabei. Zellhofer

Der Star der Orchideen

Die Gattung Phalaenopsis stellt heute etwa 90 Prozent aller im Handel erhältlichen Orchideenarten. Man erkennt sie an ihren Blüten, die an Schmetterlinge erinnern (gr. phalaina, dt. Nachtfalter). Im Gegensatz zu anderen Gattungen weisen Phalaenopsis breite Blätter auf und bilden keine Speichergefäße aus. Ihren Siegeszug durch die heimischen Wohnzimmer verdanken sie der Klontechnologie. Die Exemplare werden von denselben Mutterpflanzen gezogen und massenhaft produziert. Durch Kreuzungen sind mittlerweile Tausende Hybriden erhältlich, die die verschiedensten Blütenfarben aufweisen.