Flora

Die Zwiebel – zwischen Zierde und Zubereitung

30.07.2022 • 14:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zwiebel gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Die Zwiebel gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Hartinger

Zwiebelgewächse gehören zu den ältesten Kulturpflanzen und ­bereichern heute noch viele Gärten – aber nicht nur mehr kulinarisch. Ein Streifzug durch die Geschichte der Zwiebelfamilie.

Die Zwiebel hat die Entwicklung der Menschheit stärker beeinflusst, als man meinen möchte. Sie wächst gut, lässt sich leicht lagern und ist nahrhaft. Die Zwiebel trug so zur Nahrungsstabilität und damit zum Wachstum früher Kulturen bei. Schon im alten Ägypten zählte sie zu den Grundnahrungsmitteln, mit dem auch die Armen ausreichend versorgt wurden. Nicht grundlos machten die Israeliten bei ihrer Wanderung durch die Wüs­te Vorwürfe über die magere Ernährungslage: „Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen, an die Gurken und Melonen, an den Lauch, an die Zwiebeln und an den Knoblauch“, heißt es in der Bibel (Num 11,5).

Zwiebel und Knoblauch (oben)  sind augenscheinlich verwandt. <span class="copyright">NEUE</span>
Zwiebel und Knoblauch (oben) sind augenscheinlich verwandt. NEUE

Dankbare Gartenbewohner

Beliebt sind die Zwiebel und ihre Verwandten wie Lauch und Knoblauch auch heute noch – trotz oder gerade wegen ihres intensiven Aromas.
Küchenzwiebeln können auf zweierlei Art gesetzt werden. Einmal als Steckzwiebel, wie man sie im Frühjahr in vielen Geschäften bekommt, und einmal als Samen. Je nach Sorte variiert der Zeitpunkt der Aussaat. Auch jetzt noch können Zwiebeln gesetzt werden – für den Verzehr im nächsten Frühjahr. Die Winterheckenzwiebel bildet schlauchige Blätter aus und ist, wie der Name schon andeutet, mehrjährig und winterhart.

Alle Zwiebeln mögen die Nachbarschaft von Karotten, die sie auch vor Schädlingen schützen sollen. Haben die Zwiebeln eine ausreichende Größe erreicht, können sie mitsamt den Blättern geerntet, vom groben Schmutz befreit und zum Trocknen aufgehängt werden. Gemüsezwiebeln eignen sich jedoch eher zum sofortigen Verzehr als zur Lagerung.
Die Schalotte – benannt nach der Kreuzfahrerfestung Askalon – bildet im Gegensatz zur Küchenzwiebel aus einem gesetzten Exemplar mehrere Zwiebelchen in einer Gruppe aus. Sie ist milder und kleiner als die Küchenzwiebel.

Sehr lagerfähig ist der zwiebelverwandte Knoblauch, der für die Ernte im Herbst bereits im Frühjahr gesetzt wird. Auch in seinem Fall ist aber eine Zucht über die kalte Jahreszeit möglich. Wer im Frühjahr Winterknoblauch ernten will, setzt bereits im Oktober einzelne Zehen, die sich dann zur Knolle verdicken.

Sowohl Zwiebel als auch Knoblauch können dekorativ aussehen. <span class="copyright">Waghubinger/Creative Commons</span>
Sowohl Zwiebel als auch Knoblauch können dekorativ aussehen. Waghubinger/Creative Commons

Zur Zierde

Zwiebelgewächse finden aber nicht nur Verwendung im Küchengarten, sondern werden auch als Zierpflanzen verwendet. Der Riesenlauch kann zwar ebenfalls gegessen werden, dient aber vorwiegend dem dekorativen Einsatz. Die violetten kugeligen Blüten erinnern an Agapanthus, sind aber mit diesen nicht näher verwandt und im Gegensatz zu ihnen auch in unseren Breiten winterhart. Der Riesenlauch, der unterirdische Zwiebeln ausbildet, wird häufig unter dem Gattungsnahmen „Allium“ als Gartenpflanze, aber auch als Schnittblume angeboten. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht zum Elefantenknoblauch – auch ein Vergleich mit der kugelförmigen weißen Blüte der Küchenzwiebel bestätigt die Verwandtschaft.

Eine Knoblauchblüte. <span class="copyright">Liebig/Creative Commons</span>
Eine Knoblauchblüte. Liebig/Creative Commons

Mehr als antik

Die Zwiebel ist so alt, dass ihre Geschichte mehr aus Möglichkeiten denn aus Tatsachen besteht. Einmal weißt man nicht genau, wo sie zum ersten Mal angebaut wurde – vermutet wird Zentralasien. Und dann ist nicht bekannt, woher ihr Name eigentlich kommt. Sicher ist, dass sich unser Wort vom lateinischen „Cepa“ ableitet, über dessen Etymologie breitet sich jedoch der Nebel der Geschichte. Die Römer waren es auch, die die Küchenzwiebel in unsere Gefilde brachten. Vermutet wird, dass sie ihre „Cepa“ als Lehnwort aus einer östlichen Sprache übernahmen. Im Althochdeutschen fand dann eine Verballhornung zu „Zwiebolla“ statt, was der gelernte Vorarlberger unzweifelhaft auf die rundliche Form des Gewächses zurückzuführen vermag.

Im Knoblauch, der aus derselben Region wie die ihm verwandte Zwiebel stammt, findet sich das mittelhochdeutsche Wort „klobe“ wieder, das Spalte bedeutet und auf die Anordnung der Zehen hinweist. Dass daraus der Knoblauch wurde, mag damit zusammenhängen, dass im Deutschen andere kleine, runde Dinge wie Knospe, Knauf, Knoten, Knolle oder Knopf ähnlich beginnen.