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Evangelium

Du und ich

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Joh 3, 16-18

Innen drin regt sich ein dumpfer Widerstand. Es erbaut sich ein Tumult aus lauter abgegriffenen Gefühlen. Sie bäumen sich auf und rennen mit ihren dicken Schädeln aufeinander zu, wie niedliche Sündenböcke in der Brunftzeit. Alles wehrt sich, und die inneren Organe winden die letzten Tropfen aus ihrer Abscheu. Die Fingerspitzen werden taub, und über dem Kreuz sticht ein kopfgemachter Schmerz durch den Rücken. Alle Knochen ächzen. Sie wollen sich neu aufbauen oder doch in alte Gewohnheiten baden gehen. Eben. Lauter abgegriffene Gefühle türmen sich übereinander in diesem dumpfen Widerstand. Lästig und doch so unverdorben normal. Alles ist in Schubladen geparkt. Der schlechte Witz genauso wie der falsche Film. Unter dem Niemandsland wölben sich die toten Erden, immergleich, breit über die kalkweiße Salzwüste des wissentlichen Lebens.

Ein Ausbruch wie dieser, der wiederkehrt und dann unverrichteter Dinge von dannen zieht. In mir drin schwemmt sich meine Seele klammheimlich in diese vergessene Bucht, wo ein helles Licht den Schaum am Rand des Meeres regenbogenfarbig schimmern lässt. Hier fällt keine Stecknadel mehr in den Sand, und die Fahrt ins Blaue wird zu einer endgültigen Wanderung ins Licht.

So meine ich dazusitzen, eingeklemmt zwischen dem, was ich zu wissen gelernt habe, und dem, was ich mitunter zu glauben vermag. Eingeklemmt also zwischen Wirklichkeit und Wahrheit, zwischen mir und mir selber. Ich laufe demnach los, durch die Spießruten meiner selbsternannten Wichtigkeit und nenne meinen Tag eine Dringlichkeit. Ich richte und berichte, lasse meine Augen funkeln und die Gedanken sich verfinstern. Ich schaue dort, und siehe da: Ich weiß, dass ich glaube und glaube zu wissen. Während ich mir Trockenheit in den Mund rede, versendet mein unwillkürliches Gemüt eine absonderlich schöne Leere. Mein Herz wird zu einer Mischmaschine, die alle Gerichte untereinander knetet, bis das Leben still steht. Also blicke ich auf, ganz vereist, und sehe einen zum Schmelzen gefrorenen Tag. Dort stehst auch du, erwiderst meine plötzliche Stille, zum ersten Mal seit meinem inneren Aufruhr, und siehst glücklich durch mich hindurch, dorthin, wo sich all unsere Leben treffen. Von deinem Kinn tropft kaltes Wasser über eine dünne Schicht aus Eis. Die kalten Tage sind vorbei. Sie waren laut und sind endlich vorbei.

Ich muss die Stille so sehr lieben. Ich muss sie durch alle Gedanken und Worte hindurch lieben, diese unfassbare leuchtende Stille. Bis ich endlich leise sein kann, in einer geretteten Welt ohne Richter, ohne mich, nur mit mir selber und mit dir.

<p class="caption">Johannes Lampert, Junge ­Kirche Vorarlberg</p>

Johannes Lampert, Junge ­Kirche Vorarlberg

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