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Evangelium

Wem glauben?

Wilfried M. Blum

Wilfried M. Blum

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!­ Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung ver­weigert, dem ist sie verweigert.

Thomas, genannt Didymus – Zwilling –, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Johannes 20, 19–31

Glaube ist heutzutage nicht mehr rein auf die Religion beschränkt. Zwar gibt es nach wie vor Angehörige der Religionsgemeinschaften – gemeinhin „Gläubige“ genannt, aber daneben gibt es zahlreiche andere Themengebiete, auf denen Glaubensfragen eine Rolle spielen. Glaube ich eher der Schulmedizinerin oder dem Naturheilkundler? Halte ich den Klimawandel für menschengemacht oder für eine Erfindung gewiefter Geo-Engineerer mit Profitinteressen? Welche Medien versuchen objektiv zu informieren und wer möchte Propaganda betreiben? Inwiefern kann ich Politikern und Politikerinnen ehrlich vertrauen oder halte ich sie doch eher für fremdgesteuert von diversen Lobbygruppen?

Die heutigen „Glaubensrichtungen“ sind nicht mehr konfessionell geprägt, sondern sind viel breiter aufgestellt. Vielfach sind es Parallelwelten, in denen wir uns bewegen und voneinander abgrenzen. Auseinandersetzungen über diese Weltbilder können jedoch die Form eines Glaubenskampfes annehmen, wo es schwierig ist, ein gemeinsames Fundament zu finden, auf dem ein Konsens möglich ist.

Das heutige Evangelium setzt auf die Kraft der direkten Begegnung mit Jesus, die Glauben ermöglicht. In dieser betont Jesus den Gedanken der Angstfreiheit: „Fürchtet euch nicht“, wiederholt er immer wieder. Die Beziehung, die Jesus dem Glauben an ihn zugrunde legt, ist die des Vertrauens und der Angstfreiheit. Nahezu jeder Erziehungsratgeber betont heutzutage diesen Aspekt gelingender Beziehungen. Entfalten, lernen und entwickeln können sich Kinder wie Erwachsene am besten in liebevollen und stressfreien Räumen. Alles andere ist Abrichtung oder Dressur. Das ist der Punkt. Glaube ich, weil mich mein Glaube weiter und breiter macht in meiner Existenz oder grenzt er mich von den Menschen ab, hält mich klein und schön brav? Jesus setzt auf ersteres. Das Leben sollen die an ihn Glaubenden haben und raus gehen sollen sie. Sich einzusperren aus Angst vor denen „da draußen“ oder „da oben“ ist keine Option, die für Jesus infrage kommt.

<p class="caption">Karin Schindler-Bitschnau, katholische Religionslehrerin</p>

Karin Schindler-Bitschnau, katholische Religionslehrerin

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