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Evangelium

Jesus wird ausgelacht

Wilfried Blum

Wilfried Blum

In jener Zeit fuhr Jesus im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jairus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Unterwegs kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten zu Jairus: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

Mk 5, 21-24.35b-43

Da lachten sie ihn aus“, eine Reaktion, die zynischer und tragischer nicht sein konnte; eine Reaktion der Unsicherheit und Verlegenheit. Was glaubt man im Alltag oftmals mit einem sicheren Gefühl nicht alles zu wissen. Ob es aber Gott gibt und was er mit unserem Leben zu tun haben könnte, da „schwimmen uns die Felle davon“. Letztlich scheint auch nicht so wichtig zu sein. Es bringt ja keinen (materiellen) Ertrag.

„Da lachten sie ihn aus.“ Als Jesus das Mädchen aufrichtete und es umherging, „gerieten sie außer sich vor Schrecken“, bekamen alle rundherum wegen ihres Unglaubens und ihrer Oberflächlichkeit die Hose voll. Nach der ersten Schreck-minute musste Jesus ihnen sogar einschärfen, „niemand dürfe etwas davon erfahren“. Denn er wollte verhindern, dass aus dem wunderbaren Erwachen eines Menschen zu seiner Freiheit ein banales Stammtischgeschwätz werde.

Das Mädchen mit zwölf Jahren steht am Beginn ihres erwachsenen, heiratsfähigen Alters, wird aber als Tochter des Vater Jairus gutmeinend noch abhängig gehalten. Erziehung und Umgebung, Einfluss und Vorstellungen der Eltern können manchmal lebensbehindernd und tödlich sein. Deshalb liegt das Mädchen auch wie tot in der Kammer. Zu fürsorglich und umklammernd, kann der Liebe die Luft genommen werden, ganz im Gegensatz zur vertrauenden und Leben schenkenden Zuwendung. Um diese geht es Jesus bei der Begegnung mit dem Mädchen.

Er nimmt es im Erwachsenwerden ernst, ergreift ihre Hände und richtet es auf – sagend: Ich verstehe all deine Ängste, mit denen man dich überhäuft hat, und deine Angst, dich auf eigene Füße zu stellen. Doch ich sage dir: Steh auf und geh den Weg, den du selber gehen kannst und musst(!). Bestimme selber die Richtung deines Lebens!

„Da lachten sie ihn aus.“ Auslachen als Zeichen des Misstrauens und der Distanz ist noch nie zum Segen geworden. Anders jedoch jenes Gottvertrauen, das heilt und aufrichtet. Heute werden Menschen ausgelacht, weil sie sich für bedrohtes Leben engagieren. Ich denke an jene, die sich nicht von der Kälte derer anstecken lassen, die zum Beispiel Migranten ständig als gefährlich und subtil sozialschmarotzend diskriminieren. Jesus stellt sich auf ihre Seite und lässt sich dafür auslachen.

<p class="caption">Wilfried M. Blum, Pfarrer in Rankweil</p>

Wilfried M. Blum, Pfarrer in Rankweil

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