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Der Jäger der verlorenen Schiffe

US-Forscher Barry Clifford hat das Wrack von Kolumbus‘ Flaggschiff Santa Maria vor Haiti identifiziert. Ein 500 Jahre altes Rätsel könnte gelöst sein.

JULIA SCHAFFERHOFER,
MANUELA SWOBODA

Christoph Kolumbus selbst bezeichnete die Santa Maria in einem Logbucheintrag vom 26. Dezember 1942 als „ein sehr schwerfälliges Schiff“, das für Entdeckungsfahrten nicht geeignet sei. Da lag der Dreimaster schon einen Tag lang auf einer Sandbank vor der Insel Hispaniola (heute Dominikanische Republik und Haiti), ein Schiffsjunge hatte sie in den Sand gesetzt, während Kolumbus schlief. Das Flaggschiff der Expedition lief auf Grund, und die Mannschaft musste an Land – es war der Beginn der ersten spanischen Siedlung in Amerika. Auch wenn Kolumbus damals überzeugt davon war, in Indien gelandet zu sein.

Mehr als 500 Jahre lang galt die Santa Maria als verschollen. Bis jetzt. Ein US-Forscherteam könnte das berühmteste Wrack der Seefahrergeschichte an einem Riff vor der nördlichen Küste von Haiti entdeckt haben. Also an jener Stelle, wo das Schiff nach Kolumbus‘ Aufzeichnungen auf Grund gelaufen war. Bereits 2003 hatte ein Team um den Unterwasserarchäologen Barry Clifford an dieser Stelle Überreste eines Wracks samt Bordkanone entdeckt. Diese und weitere Indizien sind mittlerweile allerdings verschwunden.

Der Piratenschiffjäger

Vor wenigen Wochen rückte der US-Forscher erneut zum Fundort aus. Es wurde vermessen, fotografiert und analysiert. „Jedes einzelne Stück passt“, sagt er heute. „Dies ist das Schiff, das den Gang der Menschheitsgeschichte veränderte. Für mich ist es der Mount Everest unter den Schiffswracks.“ Clifford gilt als renommiertester US-Marinearchäologe und hat sich als Jäger von Piratenschiffen einen Namen gemacht. 1984 fand er die „Whydah“, Flagschiff des englischen Piraten Samuel „Black Sam“ Bellamy am Cape Cod. Und 2000 entdeckte er die Überreste der „Adventure Galley“, des Flaggschiffs des berüchtigten Piraten William Kidd.

Zustimmung und Zweifel

Während englische Kollegen wie Charles Beeker von der Indiana Universität der These Cliffords zustimmt, zweifeln spanische Forscher an der Echtheit des Fundes: „Von dem Schiff blieb kaum ein Nagel übrig“, erklärt Archäologe Carlos Leon. Denn: Aus einem großen Teil des Holzes entstand die erste spanische Siedlung auf amerikanischem Boden – die war ein Jahr danach jedoch zerstört. Andere Forscher wie Miguel Aragon wiesen darauf hin, dass sich die Küstenlinie seit 1492 derart stark verschoben habe, dass an der von Kolumbus beschriebenen Stelle heute Festland sei.

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