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Päpstlicher Pilger in einem Minenfeld

Heute beginnt Papst Franziskus seine Reise in den Nahen Osten. Es ist ein politischer Balanceakt zwischen Israelis und Palästinensern.

WOLFGANG SOTILL, JERUSALEM

Über dem ganzen östlichen Mittelmeer hatte sich ges­tern ein Hochdruckgebiet ausgebreitet. Und damit war der AUA-Flug 857 nach Tel Aviv äußerst ruhig. Umso erstaunter waren die Passagiere, als sich der Co-Pilot 50 Minuten vor der Landung mit der Anweisung meldete: „Schnallen Sie sich bitte an. Das Verlassen des Sitzplatzes ist nur gestattet, wenn dies medizinisch angezeigt ist oder um die Toilette aufzusuchen.“

Eine Stewardess erklärte ­dies als Sicherheitsmaßnahme der Israelis. Gilt sie bereits dem heute in Jordanien beginnenden Papstbesuch? Tatsächlich erwarten den Papst, wenn er morgen von Jordanien nach Israel kommt, etliche Probleme, allen voran der Nahostkonflikt in seiner gesamten politischen, religiösen und wirtschaftlichen Dimension.

Sicherheitsprobleme gibt es weniger, dafür sorgen zumindest 8000 Polizisten und Soldaten. Sie werden die Straßen 45 Minuten vor der Durchfahrt des Papamobils sperren und die Menschen auf Distanz halten, denen der Papst so gerne begegnen will. So viele werden es ohnedies nicht sein, in Israel sind von den acht Millionen Einwohnern kaum drei Prozent Christen. Und unter denen stellen die Orthodoxen, die wenig Interesse am Bischof von Rom haben, die Mehrheit.

Unbelasteter Besuch

Es ist der vierte Papst, der das Land besucht. Und Franziskus wird es viel unbelasteter tun als sein Vorgänger Benedikt XVI. Dessen Zugang zum Judentum war nicht nur theologisch-analytisch geprägt, er hatte als Deutscher in Israel natürlich auch mit der Vergangenheit seiner Heimat zu kämpfen. Den Polen Johannes Paul II. verband mit den Juden hingegen die Verfolgung durch die Nazis. Auch wenn im Straßenbild Jerusalems nur ein einziges „Welcome Pope Francis“-Plakat an der Einfahrt in die Stadt auf den Besuch hinweist, so wird er in den wenigen bisher erschienenen Medienberichten doch sehr wohlwollend kommentiert.

Der Papst besucht nämlich den Herzl-Berg, wo sich das Grab des Wiener Juden Theodor Herzl befindet, der den politischen Zionismus mit seinen Schriften grundgelegt hat. Und Franziskus tut dies exakt 100 Jahre, nachdem Herzl im Jänner 1904 Papst Pius X. in Rom mit der Bitte aufgesucht hat, doch seine zionistische Idee zu unterstützen. Der Papst hatte damals geantwortet. „Die Juden haben unseren Herrn nicht anerkannt, deswegen anerkennen wir auch nicht die Juden.“

Auch wenn das offizielle Israel erfreut ist über den Besuch, so ist er bereits überschattet. Und das ausgerechnet durch die Äußerung des argentinischen Rabbiners und Papstfreundes Sergio Bergman, der Franziskus als „Che Guevara“ der Palästinenser bezeichnet hat. Das hat auf israelischer Seite prompt zu Reaktionen einiger empörter Politiker geführt: „Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.“

Nichts mit dem Papst zu tun

Das über Zypern gegebene frühe Anschnallzeichen hat nichts mit dem Papst zu tun, erklärte die Stewardess. Das sei eine Sicherheitsmaßnahme, von der niemand wisse, wozu sie dienen soll.

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