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Wut und Empörung in Indien

Das 14-jährige Mädchen in einem roten Hemd baumelte an einem Strick unter einem Mangobaum. Die ein Jahr ältere Cousine hing in einem Dorf des Distrikts Badaun im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh nur ein paar Schritte weiter an einem anderen Ast. Die Polizei sprach zunächst von „ Selbstmord“.

Die Eltern der angeblichen Cousinen hatten die Mädchen Dienstagnacht als vermisst gemeldet. Sie waren abends aufs Feld gegangen, um ihre Notdurft zu verrichten. Sie kehrten nicht mehr in ihre Hütten zurück. Erste Untersuchungen haben die Vergewaltigung bestätigt. Die Mädchen wurden auch gewürgt und danach gewaltsam aufgehängt.

Kasten nach wie vor Alltag

„Wir glauben, dass die Mädchen attackiert wurden, weil sie aus einer niedrigen Kaste stammten“, sagte der örtliche Polizeichef Man Singh Chauhan. Die Untersuchung sei aber noch nicht abgeschlossen. Die Mädchen gehörten der 160 Millionen großen Gemeinde der Dalit an, die im indischen Kastensystem als „unberührbar“ gilt. Das Kastensystem Indiens ist offiziell zwar abgeschafft, aber im Alltag denken und handeln viele Inder noch immer nach seinen Regeln.

Das traurige Bild der Leichen am Baum und der um sie versammelten Dorfgemeinschaft verbreitete sich blitzschnell in sozialen Netzwerken. Die Angehörigen werfen der Polizei vor, den Hilferuf der Eltern nicht ernst genommen zu haben. Und im Dorf Katra im Distrikt Badaun reagierten die Bewohner mit heftigen Protesten gegen die Polizei. Sie blockierten Straßen und forderten Konsequenzen gegen die Beamten. Zwei der mutmaßlichen Vergewaltiger – die Ermittler gehen von fünf Tätern aus – konnten festgenommen werden, nach drei weiteren wurde gestern gefahndet. Außerdem sind mittlerweile zwei Polizisten vom Dienst suspendiert worden, da sie auf die Vermisstenanzeige nicht reagiert hatten, nachdem sie gehört hatten, zu welcher Kaste die Mädchen gehörten.

Am Freitag ist auch die Mutter eines Opfers schwer angegriffen worden. Nach Polizeiangaben und Spitalsmitarbeiter erlitt sie mehrere Knochenbrüche. Die Familie des Opfers hatte sich geweigert, die Vorwürfe gegen die Vergewaltiger fallen zu lassen.

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