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Er war die „Mutter der Pille“

Chemiker von Weltruf, Schriftsteller und Kunstsammler: Carl Djerassi, aus Österreich stammender Erfinder der „Pille“, starb in den USA.

Als Chemiker bin ich Amerikaner. Kulturell ist das eine ganz andere Sache“, meinte Djerassi einmal und spielte damit auf sein schwieriges Verhältnis zum Geburtsland Österreich an. Am 29. Oktober 1923 kam er als Sohn eines bulgarischen Vaters und einer österreichischen Mutter in Wien zu Welt. Der spätere Wissenschaftler wurde 1938 von den Nazis aus der Bundeshauptstadt vertrieben und flüchtete in die USA.

Nicht gegen Babys gerichtet

Pflegeeltern ermöglichten ihm den Besuch einer High School in Newark und der University of Wisconsin, wo er im Alter von 21 Jahren in organischer Chemie promovierte. Weltweiten Ruhm brachten ihm zwei Entdeckungen ein: die Synthetisierung des Hormons Cortison, wodurch dessen Massenproduktion möglich wurde, und 1951 die Synthetisierung des Schwangerschaftshormons Gestagen, die er zusammen mit den Bostoner Pharmakologen Gregory Pincus und John Rock als Grundlage der Antibabypille entwickelte. Eine Bezeichnung, die Djerassi selbst ablehnte, weil er die oral einzunehmende Verhütungspille nicht gegen Babys gerichtet verstand, sondern für die Frau. Eine Autobio­grafie betitelte er „Mutter der Pille“.

Im Jahr 1952 nahm Djerassi seine akademische Lehrtätigkeit an der Wayne State University in Detroit auf. 1959 wechselte er an die Stanford University in Kalifornien, an der er 2002 emeritierte. Seine Arbeitsschwerpunkte bildeten Empfängnis, Reproduktionsmedizin und ihre Folgen für die Familie. In den vergangenen Jahren war Djerassi häufig in Wien, wo er auch einen Wohnsitz hatte. So erhielt er 2012 und 2013 Ehrendoktorate der Uni Wien, der Medizin-Uni Wien, der Universität für angewandte Kunst und der Sigmund-Freud-Privatuni und hielt weltweit bei mehr als 30 solcher Auszeichnungen.

Doch auch für die Kultur entwickelte der Wissenschaftler eine Leidenschaft. Er schrieb Gedichte und Kurzgeschichten, bevor er sich in „Cantors Dilemma“, „Das Bourbaki Gambit“, „Menachems Same“ und „NO“ dann der von ihm erfundenen Romangattung „Science in Fiction“ widmete. Mehrere Theaterstücke folgten, die Premieren in Edinburgh und London feierten. Als Kunstsammler besaß Djerassi mit über 150 Werken eine der größten Paul-Klee-Privatsammlungen, die er zur Hälfte dem Museum of Modern Art in San Francisco und der Albertina vermacht hat. Weiteres begründete er die Djerassi-Stiftung, eine Künstlerkolonie, und initiierte das „Djerassi Resident Artist Program“ zur Förderung von Künstlern.

In der Nacht auf Samstag erlag Carl Djerassi 91-jährig in San Francisco einem Krebsleiden.

Reaktionen

Würdigungen kamen gestern von zahlreichen Persönlichkeiten, darunter Bundeskanzler Werner Faymann, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder oder Kulturminister Josef Ostermayer. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek sagte: „Djerassi war ein Pionier nicht nur der Hormonforschung, sondern der Unabhängigkeit von Frauen.“

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