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Die Eile des Papstes

Das Pontifikat von Franziskus steht an einem entscheidenden Punkt. Während seine Worte und sein Aktionismus kritisiert werden, nehmen manche interne Reformen Konturen an.

Der Papst wirkt rastlos. Franziskus ist oft unterwegs, spricht viel und gerne. Im Vatikan haben in den vergangenen Wochen wichtige Beratungsgremien getagt, teilweise unter Vorsitz des Pontifex. Manch ein Monsignore aus der Kurie wundert sich, mit welcher Hast Franziskus durch sein bald zwei Jahre dauerndes Pontifikat eilt. Manche würden sagen: stolpert. Der Papst, so sagt ein einflussreicher Prälat im Vatikan, tanze auf sehr vielen Hochzeiten, aber auf keiner richtig. So werden auch seine letzten, umstrittenen Äußerungen mehrheitlich als Betriebsunfälle eines Chefs mit (zu) lockerem Mundwerk aufgefasst. Gemeint sind Franziskus’ Worte über Katholiken, die sich nicht „wie Karnickel“ fortpflanzen müssten, Fausthiebe für denjenigen, der seine Mutter beleidige oder das nebenbei geäußerte Einverständnis mit der Prügelstrafe für Kinder.

Ein Auftrag – wenig Zeit

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist 78 Jahre alt. Und darin liegt wohl auch ein Teil seiner Hast begründet. Der Papst hat einen ganz konkreten Auftrag, aber nicht ewig Zeit, ihn auszuführen. In den Beratungen vor dem Konklave 2013, in dem der Erzbischof von Buenos Aires gewählt wurde, stellten die Kardinäle klare Forderungen an den nächsten Pontifex: Die skandalösen Verhältnisse an der römischen Kurie müssten sich ändern, die Finanzen des Vatikans, insbesondere der Vatikanbank, sollten in Ordnung gebracht werden, die Ortskirchen sollten gegenüber der Zentrale in Rom gestärkt werden.

Angesichts dieser großen Aufgaben bringt Franziskus so viele Steine wie möglich ins Rollen. Vor Tagen kam der neu geschaffene Wirtschaftsrat unter Führung des Münchner Erzbischofs, Kardinal Reinhard Marx, zusammen, der für die Neuordnung der Vatikangüter und -finanzen zuständig ist. Auch die neue Kommission zum Kinderschutz tagte, dabei kritisierten Teilnehmer die Worte des Papstes zur Prügelstrafe für Kinder. Über die umstrittenen Äußerungen sagt ein Kardinal: „Er ist kein Diplomat, sondern spricht so, wie die Menschen es verstehen. Das ist sympathisch.“ Aber nicht alle hinter den Vatikanmauern sehen das so. Franziskus tue der Kirche mit seinen lockeren und manchmal unklaren Formulierungen nicht immer einen Gefallen, sagen andere. „Es ist nicht hilfreich, wenn diese Worte dann tagelang in den richtigen Zusammenhang gerückt werden müssen“, behauptet ein Prälat.

Was bleibt, ist der Eindruck eines Getriebenen. Franziskus berief vergangenes Wochenende ein Konsistorium ein und ernannte 20 neue Kardinäle, um das höchste Führungsgremium der Kirche nach seinen Vorstellungen zu prägen. Auch der vom Papst eingerichtete neunköpfige Kardinalsrat (K9) war zusammengekommen. Der Rat unter Leitung des honduranischen Kardinals Óscar Rodríguez Maradiaga ist ein wichtiges Gremium, das sich mit der Reform der Kurie, also der Kirchenverwaltung in Rom, beschäftigt. Maradiaga gilt vielen im Vatikan aber nicht gerade als Organisationstalent. „Der Papst hat noch ein Jahr, um seinem Pontifikat einen Sinn zu geben“, sagt einer seiner Kritiker.

Reform der Kurie

Verliert sich Franziskus in Details? Stecken hinter dem Schlagwort einer „armen Kirche für die Armen“ und der „Barmherzigkeit“ nur Worthülsen, die mit der Aufstellung von Duschkabinen für Obdachlose am Petersplatz unterfüttert werden? Fest steht, dass er von einer mahnenden, ausschließenden Kirche Abschied nehmen will und nicht der Befolgung strenger Regeln, sondern der Seelsorge Vorrang einräumt. Gemessen wird er aber auch an konkreten Schritten, insbesondere der Reform der Kurie.

Sie will Franziskus zu einem schlankeren Dienstorgan machen. Das bislang extrem einflussreiche Staatssekretariat soll Macht abgeben. Die inzwischen 16 päpstlichen Räte sollen zusammengeschmolzen werden. Franziskus will verschiedene Räte in zwei neuen Komplexen zusammenlegen, einen für soziale Fragen, den anderen für Fragen der Pastoral und der Laien. Aber viel mehr als Absichtserklärungen und neue Gremien sind noch nicht ersichtlich.

Der erste große Schritt der Reform war die Einrichtung eines Wirtschaftssekretariats. Die neun Kongregationen, die eigentlichen päpstlichen Ministerien, bleiben weitgehend unberührt. Die Reform der Kurie ist auf Jahre hin angelegt, schnelle Ergebnisse sind also gar nicht möglich. Kritisiert wird nun vor allem, dass Kompetenzen nicht klar abgegrenzt, die Betroffenen nicht in die Entscheidungsabläufe eingebunden seien und die Stimmung denkbar schlecht sei. Dazu hat auch die Weihnachtsansprache beigetragen, in der Franziskus der Kurie 15 Krankheiten, darunter „spirituellen Alzheimer“, attestierte. Das Pontifikat steht an einem Wendepunkt. Wenn die Reformen gelingen, dann könnten dem Papst auch seine saloppen Worte in erster Linie zum Vorteil gereichen.

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