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Barbiturate im Blut von Ex-Botschafter Aliyev

Mögliche Wende im Fall Aliyev: Der in Haft verstorbene frühere kasachische Diplomat hatte Betäubungsmittel im Blut. Nun greift Kommission ein.

Immer mehr Rätsel gibt der Tod des früheren kasachischen Botschafters Rakhat Aliyev in der Justizanstalt Wien-Josefstadt auf. Einer der Anwälte des toten Diplomaten erklärte gestern, dass in einer Blutprobe ein Betäubungsmittel gefunden worden war, was auch das Justizministerium bestätigte. Aliyev war am Dienstag in seiner Zelle erhängt aufgefunden worden. Die Anwälte zweifeln an einem Selbstmord.

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hat nun eine unabhängige Expertengruppe eingerichtet. Sie soll die Ermittlungen begleiten, damit jede Grundlage für Spekulationen ausgeschlossen werden könne. Leiten soll das Beratungsgremium der pensionierte Generalprokurator Ernst Eugen Fabrizy. Die Verantwortlichen der Justizanstalt Wien-Josefstadt hatten von Anfang an behauptet, dass es sich bei dem Tod um einen Selbstmord handle. Nun könnte sich jedoch ein anderes Bild ergeben.

Rasche Wirkung

Barbiturate sind in Österreich als Medikament fast gänzlich verboten. Dass sie Aliyev verschrieben wurden, ist auszuschließen. Sie wirken sehr dämpfend und rasch. Für sehr kurze Eingriffe werden sie als Narkosemittel verwendet. In Tablettenform gibt es sie als Präparat gegen Epilepsie.

Eine tödliche Überdosierung ist mit diesem Präparat nur sehr schwer möglich. Ein Erwachsener würde 20 bis 30 Gramm des Wirkstoffs benötigen, was rund 100 Tabletten entspricht. Vor dem Ableben würde ihm übel werden und er müsste erbrechen.

„Wie kann sich ein Betäubter aufhängen?“, fragte der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz gestern in einer Aussendung. Er forderte einen Untersuchungsausschuss. Das Ergebnis einer genauen toxikologischen und pharmakologischen Untersuchung soll in einigen Tagen vorliegen.

Wie die Sprecherin von Jus­tizminister Brandstetter mitteilte, dürfe dieser „aus berufsrechtlichen Gründen“ keine Stellungnahme zum Tod von Aliyev abgeben. Brandstetter war früher dessen Strafverteidiger.

Auslieferungsverfahren

Der Anwalt hatte den Ex-Diplomaten in den beiden Auslieferungsverfahren vertreten, die 2007 und 2011 mit Verweis auf die Menschenrechtslage in der Ex-Sowjetrepublik negativ entschieden worden waren. Zwischenzeitlich war Aliyev in einem Gebäude gemeldet, das einer Gesellschaft gehörte, an der Brandstetter beteiligt war. Dies sei für einen Verteidiger „nicht unüblich“ und aus „Sicherheitsgründen“ erfolgt.

Aliyev, Ex-Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, war in Kasachstan wegen eines angeblichen Putschversuches in Ungnade gefallen. Im Fall um zwei ermordete Banker wurde er 2008 in seiner Heimat in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. In Österreich war er wegen Doppelmordes angeklagt worden.

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