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Graz

Österreich läuft beim Klimaschutz die Zeit davon

Auf unter zwei Grad Celsius soll die Erderwärmung im weltweiten Schnitt begrenzt werden – das sehen die viel bejubelten Pariser Klimavereinbarungen von 2015 eigentlich vor. Jetzt haben Forscher der Uni Graz erstmals berechnet, welche Mengen an Treibhausgasen Österreich insgesamt noch ausstoßen darf, um der Übereinkunft noch gerecht zu werden.

Die von der Initiative „Mutter Erde“ und Global 2000 beauftragte Studie fördert zutage, dass dem Land beim Klimaschutz langsam, aber sicher die Zeit davonläuft.

Globale Emissionen. Um das Zwei-Grad-Ziel erreichen zu können, müssen die globalen Emissionen bis zur Jahrhundertmitte auf annähernd null sinken. Rund 1000 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent dürfen bis dahin weltweit noch ausgestoßen werden. Österreich können davon laut der neuen Studie bei einer gerechten Aufteilung – je nach Berechnungsart – 1 bis maximal 1,5 Milliarden Tonnen zugeschrieben werden. Eine Menge, die angesichts des derzeit vorherrschenden Emissionsniveaus bereits in 18 Jahren, also im Jahr 2035, aufgebraucht wäre.

Falsche Richtung. Dass sich Österreichs CO2-Emissionen von derzeit jährlich knapp 80 Millionen Tonnen bald signifikant nach unten entwickeln, zeichnet sich nicht ab. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Studienautor Karl Steininger vom Wegener Center der Uni Graz: „Wir bewegen uns in die falsche Richtung. 2015 sind die Emissionen um 3,2 Prozent angestiegen, im Vorjahr dürften es wieder drei Prozent mehr geworden sein.“

Zieht man Österreichs gesamtes Emissionsbudget vom Jahr 1800 beginnend bis 2050 heran, seien davon bereits rund 80 Prozent verbraucht, sagt Steininger. So bläst Österreich heute mehr Treibhausgase in die Luft als im Jahr 1990. Zur Erinnerung: Bereits 2012 hätte das Land laut den Kyoto-Vereinbarungen 13 Prozent darunter liegen sollen.

Ernüchternd. Dass die Zeit drängt, unterstreicht Studienautor Lukas Meyer: „Jedes Jahr, das verstreicht, macht die Zielerreichung nicht nur schwieriger, sondern auch teurer.“ Laut Umweltbundesamt droht Österreich auf seinem aktuellen Kurs sogar seine moderaten Klimaziele für 2020 zu verfehlen.

Als „ernüchternd“ bezeichnet Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000, die Studienergebnisse: „Das kann nur ein Appell an die künftige Bundesregierung sein, endlich zu handeln.“ Seine Forderungen: eine (bereits von der derzeitigen Regierung versprochene und nie fertiggestellte) integrierte Klima- und Energiestrategie, ein Plan für saubereren Verkehr, eine Reform des Ökostromgesetzes und eine ökologische Steuerreform.

Günter Pilch

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