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War London „blind“ für die Gefahr?

Wenige Tage nach dem Anschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal wurde nun ein weiterer Exil-Russe tot aufgefunden. Londons Anti-Terror-Einheit ermittelt.

Von Peter Nonnenmacher, London

Bis Mitternacht hatte May dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Frist gesetzt, in der Moskau erklären sollte, ob der Kreml für die Nervengas-Attacke verantwortlich war oder ob Putin „die Kontrolle verloren“ habe über seine Nervengas-Arsenale. Erhalte sie keine Antwort, versprach die Britin für heute einen Kabinettsbeschluss und eine scharfe Reaktion.

Gedacht ist in London nicht nur an eine umfassende Ausweisung russischer Diplomaten aus Großbritannien, sondern auch an neue Maßnahmen, die der britischen Regierung die Beschlagnahme russischer Gelder oder Immobilien auf der Insel erlauben würden. Auch weitere Visa-Einschränkungen und Einreiseverbote sind geplant.

Die britische Medien-Aufsichtsbehörde teilte dem in London operierenden russischen Sender RT (vormals Russia Today) mit, man erwäge, ihm die Lizenz zu entziehen. Die rechtskonservative „Daily Mail“ drängte wiederum auf einen Boykott der Fußball-WM dieses Sommers in Russland durchs englische Team – solange die Deutschen und andere Europäer bei diesem Boykott mitmachen. Außenminister Johnson hatte zunächst ebenfalls mit einem Fußball-Boykott gedroht. Später war aber nur noch die Rede von einem möglichen Reiseverzicht des Prinzen Williams und der offiziellen Begleiter des Teams.

Skeptisch zeigten sich britische Beobachter in der Frage, in welchem Umfang die europäischen Partner May unterstützen würden – nun, da Großbritannien aus der EU auszuscheiden plant. Dazu sagte Guy Verhofstadt, der Brexit-Koordinator des Europa-Parlaments, er halte eine gemeinsame Reaktion der EU für „unbedingt erforderlich“: Immerhin sei der Angriff ja „immer noch auf europäischem Boden“ erfolgt.

In der britischen Bevölkerung wächst indes die Unruhe. Viele finden, dass Regierung und Behörden den Betroffenen den Ernst der Lage zu spät und nicht in vollem Maße vermittelt haben. Sie befürchten außerdem, dass der Nervengas-Anschlag in Salisbury noch weitreichendere Folgen haben könnte, von denen niemand weiß.

Zugleich wird die Regierung dafür kritisiert, dass sie im Zuge ihrer drastischen Sparpolitik vor sieben Jahren die alte Spezialeinheit der britischen Streitkräfte für den Schutz vor Angriffen mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen abgeschafft hat. Ein früherer Kommandeur dieser Einheit, Hamish de Bretton-Gordon, wirft dem Kabinett vor, für einen Anschlag wie den in Salisbury gänzlich „unvorbereitet“ und „blind“ gewesen zu sein. Das 2011 abgeschaffte ABC-Regiment müsse „so schnell wie möglich“ wieder auf die Beine gestellt werden.

Und während sich in Salisbury mittlerweile 250 Polizisten und 180 Militär-Experten mit dem Fall beschäftigen, wird in London ein russischer Exilant tot aufgefunden. Bei dem Toten handelt es sich um Nikolai Gluschkow, einen früheren Geschäftspartner des Kreml-Kritikers Boris Beresowski, der seinerseits 2013 nahe London tot aufgefunden worden war. Die britische Anti-Terror-Polizei leitete Untersuchungen zum neuen Todesfall in London ein.

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