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Ein Geist, der nach den Sternen griff

Ausnahme-Physiker Stephen Hawking ist 76-jährig gestorben. Mit hellwachem Kopf machte er sich über fünf Jahrzehnte große Gedanken über das Weltall – und Irdisches.

Von Thomas Golser

Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe es aber auch nicht eilig“: So formulierte es Stephen William Hawking vor knapp sieben Jahren in einem Interview mit dem „Guardian“. Gestern in den frühen Morgenstunden verstarb der weltberühmte Physiker, fraglos einer der größten Wissenschaftler dieses Planeten, friedlich in seinem Haus in Cambridge.

Seine Vita war aus allen Blickwinkeln außergewöhnlich: Als Sohn eines Mediziners und einer Wirtschaftswissenschaftlerin geboren, sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Allein: Die Anziehungskraft von Physik und Astrophysik war übermächtig. 1962 wurde bei ihm während seines Studiums Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine unheilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems, diagnostiziert. Die Prognose, nur noch wenige Jahre zu haben, überlebte er um fünf Jahrzehnte. All diese Dekaden waren randvoll mit faszinierenden Erkenntnissen: Seit 1968 an den Rollstuhl gefesselt, gab er nicht auf – ganz im Gegenteil, die engen körperlichen Limits beflügelten seinen Geist weiter: Hawking erarbeitete unermüdlich Theorien zum Ursprung des Kosmos, zu Schwarzen Löchern, ging der allgemeinen Relativitätstheorie auf den Grund. Er wurde zur Marke.

Sein Ansatz war dabei so ehrlich und umfassend wie unbescheiden: „Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen. Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist – und warum es überhaupt existiert.“ Ein großer Verdienst des Briten lag darin, nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft zu residieren, sondern seine äußerst komplexen Erkenntnisse zum Kosmos auch interessierten Laien begreiflich zu machen. Zum Klassiker wurde vor allem das 1988 auf Deutsch erschienene Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“. Große Gedanken eines großen Geistes wurden darin auf seriöse Art simplifiziert, ohne dass wichtige Fakten verloren gingen. Die Werke „Einsteins Traum: Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit“, „Das Universum in der Nussschale“ und „Der große Entwurf“ folgten. Auch jene, die der Physikunterricht in der Schule nur streifte bzw. ganz kaltließ, konnte er so abholen.

Bewunderer hatte er, mit seiner Computerstimme immer auch der Popstar der Physik, bis in die allerhöchsten Reihen: „Seine Arbeiten in der theoretischen Physik will ich hier nicht näher erklären“, erkannte etwa der damalige US-Präsident Barack Obama in Washington 2009 bei der Verleihung der Freiheitsmedaille an Hawking augenzwinkernd seine Grenzen. No, he could not! Erst 2014 wurde im Kinofilm „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ das Leben Hawkings in Hochglanz nachgezeichnet.

Die Frage, die für den Atheisten über allem Irdischen (und vor allem: Außerirdischen) stand, war: „Woher kommen wir?“ Den Schöpfungsprozess wollte er dabei streng wissenschaftlich verstanden wissen. „Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig“, merkte er an. Das Negieren eines Schöpfers brachte ihm nicht nur Freunde ein. Zuletzt war er auch Mahner, der bedenkliche Entwicklungen auf der Heimaterde nicht aus dem Blick verlor: Klimaerwärmung, atomare Bedrohung, Gentechnik – unverändert heiße Themen. Dass die Menschheit Ausweichrouten ins All vorbereitet, sei angesichts des havarierten Planeten unumgänglich.

Trotz seines bis zuletzt unermüdlichen Forschungsdrangs war auch Platz für ein Privatleben. Hawking war zweimal verheiratet: mit seiner Jugendliebe Jane, die nicht ausnahmslos schmeichelnde Worte für ihn fand, über 30 Jahre. Seine Pflegerin Elaine war von 1995 bis 2006 seine Ehefrau. Seinen Kindern Lucy, Robert und Tim (und der Welt) gab er in einer letzten, emotionalen Videobotschaft mit: „Schaut zu den Sternen und nicht auf eure Füße. Seid neugierig, und wie schwer auch immer das Leben scheinen mag, so gibt es doch immer etwas, das ihr tun und worin ihr erfolgreich sein könnt. Es kommt darauf an, nicht aufzugeben. Es war eine großartige Zeit, um am Leben zu sein.“

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