Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Einkaufscenter wird für Kinder zur Todesfalle

Brandkatastrophe in Sibirien fordert Dutzende Opfer. Brandschutz und Bausubstanz waren verheerend – es gab mehrere Festnahmen.

Nach der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum der sibirischen Stadt Kemerowo schnellen die Opferzahlen weiter nach oben: Offiziell war gestern die Rede von 64 Toten. Viele der Opfer sind Kinder, die zunächst nicht identifiziert werden konnten. Eine Schulklasse aus der Provinz war zum Zeitpunkt des Brandes im Kino – acht von ihnen sollen nicht überlebt haben, so der Leiter des Zivilschutzes, Wladimir Putschkow.

Die Kinderbeauftragte der Regierung, Anna Kusnezowa, fand klare Worte: „Es ist ein Signal. Wir müssen alle Einkaufszentren überprüfen.“ Das Versagen aller Sicherheitsvorkehrungen sei eindeutig auf Schlamperei und Fahrlässigkeit zurückzuführen, sagte sie. Nach ersten Untersuchungen soll ein defektes Kabel den Brand ausgelöst haben. Kusnezowa will sich mit dieser Erklärung aber nicht zufriedengeben: „Der eigentliche Grund für diese Katastrophe ist nicht irgendein Kabel, sondern wie wir mit den Bestimmungen umgehen.“

Viele Faktoren dürften bei dem Unglück zusammengespielt haben, Überlebende berichten von dramatischen Szenen: Es habe keinen Feueralarm gegeben, die Eingangstüren des Kinos seien verschlossen gewesen. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen und die Notausgänge blockiert. Ein Wachmann dürfte aus unbekannten Gründen den Feueralarm deaktiviert haben. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore voller Rauch gewesen.

Experten kritisierten auch offensichtliche Baumängel am Gebäude und die schlechte Qualität der Einrichtung im Einkaufszentrum, die zu schnell Feuer fangen konnte. Wenige Stunden nach dem Brand wurden vier Verantwortliche festgenommen, unter ihnen der Direktor des Einkaufszentrums.

Das Feuer war am frühen Sonntagabend im vierten Stock des Einkaufszentrums ausgebrochen. Binnen kurzer Zeit erfasste es eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. Das Shoppingcenter „Simnjaja Wischnja“ (Winterkirsche), das wegen seines Kinos und eines Tiergeheges besonders bei Familien beliebt ist, war 2013 in der Industriestadt rund 3000 Kilometer östlich von Moskau eröffnet worden. Mehr als 500 Feuerwehrleute waren im Einsatz und retteten Dutzende Menschen aus dem Gebäude, als zwei der drei Kinosäle einstürzten. Sie brachten das Feuer weitgehend unter Kontrolle, die Flammen flackerten jedoch auch Stunden später wieder auf.

In dem Komplex dürften sich unvorstellbare Szenen abgespielt haben: Ein Mädchen rief Berichten zufolge aus dem brennenden Kinosaal noch seine Eltern an und verabschiedete sich mit den Worten: „Wir brennen. Ich liebe euch, macht’s gut. Ich kann nicht atmen.“ Ein Elfjähriger sei auf der Flucht vor den Flammen aus einem Fenster im vierten Stock gesprungen, so Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.