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Trump twittert sich zum Krieg gegen Syrien

Moskau warnt die USA vor einem Angriff auf den Verbündeten. Doch der Präsident gibt sich entschlossen: „Mach dich bereit, Russland“.

Karl Doemens, Washington, und Stefan Scholl, Moskau

Die Analyse war scharf und vernichtend: „Für all die Verrückten, die Syrien angreifen wollen: Die USA haben das unverzichtbare Überraschungsmoment verloren. Das ist so dumm. Es könnte im Desaster enden“, attackierte Donald Trump in einem Tweet die öffentlichen Debatten unter der damaligen Obama-Regierung. Das war vor viereinhalb Jahren. Am Mittwoch tat er als Präsident dasselbe: „Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach dich bereit, Russland, denn sie werden kommen“, kündigte Trump an.

Die Androhung eines Militärschlags über den Kurznachrichtendienst Twitter ist höchst ungewöhnlich. In der Sache überraschend kam sie nicht. Bereits kurz nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Duma hatte der US-Präsident erklärt: „Wir dürfen so etwas nicht durchgehen lassen“. Am Montag versammelte er die militärische Führung des Landes im Weißen Haus, um über Reaktionen zu beraten. Später sagte er eine für dieses Wochenende geplante Lateinamerika-Reise ab.

Die „New York Times“ berichtet unter Berufung auf Regierungsbeamte, ein neuer Militärschlag solle anders als der am Ende wirkungslos verpuffte Angriff 2017 umfangreicher sein. Denkbar sei, dass mehr als ein Ziel angegriffen werde und die Operation mehrere Tage dauere. Zuletzt hat sich Trump telefonisch mehrfach mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron beraten. Auch Großbritannien, Saudi-Arabien und Katar hatten eine starke Reaktion gefordert.

Allerdings verweisen Experten im Pentagon darauf, dass Syrien anders als die Taliban in Afghanistan oder die Terrororganisation IS über eine wirksame Luftabwehr verfügt. Sollten die USA oder Frankreich also Bomber- oder Kampfflugzeuge schicken, um möglichst punktgenau strategisch wichtige Ziele zu zerstören, könnten die Maschinen abgeschossen werden, was den Konflikt ausweiten würde. Ohnehin ist die Gefahr einer Eskalation groß, da Russland und der Iran Machthaber Baschar al-Assad unterstützen.

Russland wartet auf den Militärschlag mit gemischten Gefühlen. Während Propaganda-Medien und Hurra-Patrioten in Kriegs- und Siegesfantasien schwelgen, hoffen Experten auf einen glimpflichen Ausgang. Der Kreml gibt sich zurückhaltend. „Man möchte hoffen, dass alle Seiten Schritte vermeiden“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, „die die schon so angespannte Lage in der Region stark destabilisieren.“ Zuvor hatte Generalstabschef Waleri Gerassimow angekündigt, man werde nicht nur auf die Raketen, sondern auch auf ihre Träger feuern, falls russische Soldaten in Gefahr gerieten. Die meisten Fachleute sind sich einig, dass Orte, an denen russische Militärs stationiert sind, jene rote Linie markieren, deren Überschreiten durch die USA einen russischen Gegenschlag auslösten. Der Moskauer Militärexperte Viktor Litowkin schließt aber aus, dass die Amerikaner solche Positionen angreifen werden. „Sie wollen auch keinen dritten Weltkrieg.“

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